Bekannte Melodien im Minutentakt bei Musicalnacht in Arena Kreis Drüen

In der Arena Kreis Düren : Bekannte Melodien im Minutentakt bei der „Nacht der Musicals“

Diese Hymne kennt jeder. Die „Nacht der Musicals“ in der Arena Kreis Düren mit „Eye of the Tiger“ zu eröffnen, hat etwas sehr Ambitioniertes. Als Titelmelodie für Silvester Stallones „Rocky III“ schrieb der Song Musikgeschichte, wurde weltweit zum Charts-Champion.

Schade nur, dass der Zuhörer zunächst nach den ersten Takten auf der Bühne das Gefühl nicht loswurde, der Abend sei schon angezählt, bevor er überhaupt begonnen hatte. Florian Albers vermittelte als singender Rocky Balboa, dass er nur spielen will, während Timothy Martin als Herausforderer Apollo Creed so sang, als hätte er den Mundschutz schon eingelegt. Technischer Sieg für den jungen Sänger Florian Albers.

Hand aufs Herz, spontane Begeisterung stellte sich in den ersten Minuten der „Nacht der Musicals“ nicht ein. Auch der Sound war mehr Hall als Klang. Doch dies war nur zu Beginn des Abends, denn die Show nahm schnell Fahrt auf, verabschiedete sich weitgehend von Kinderkrankheiten der ersten Minuten. Nein, auf der Bühne der Arena wurde nicht wie zunächst bösartig vermutet von Animateuren eines Kreuzfahrtschiffes „Club Las Piranhas – das Musical“ dargeboten. Was das professionelle Ensemble der reisenden Musicalgala zweieinhalb Stunden zeigte, hatte schon das Potenzial, die Zuschauer mitzureißen. Spätestens beim Abba-Medley „Mamma Mia!“ vor Beginn der Pause wurde auch getanzt – was ausdrücklich erlaubt, wenn nicht sogar gewünscht war.

Der Abend machte Spaß. Dennoch blieb es bei einigen kleinen Abstrichen, die nicht unbedingt der Qualität der Sängerinnen und Sänger geschuldet waren, sondern auch der Tatsache, dass die Produktion viel eher auf eine Bühne wie die im Haus der Stadt gepasst hätte. Während sich im Licht der Scheinwerfer die Sänger und Tänzer beinahe sprichwörtlich die Klinke in die Hand drückten, herrschte in der Arena noch viel Raum, unendliche Weiten. Die Mitte war durchgehend bestuhlt und besetzt, dazu einige Reihen der Ränge. Spätestens nach der Pause setzte eine Zuschauerwanderung Richtung Bühne ein, die die Atmosphäre auch für das Ensemble verdichtete.

Das Konzept des Abends war ebenso einfach wie gut: Beinahe im Minutentakt kamen die Hits auf die Bühne. „Rocky“, „Phantom der Oper“, „Jesus Christ Superstar“, „Tanz der Vampire“, „Grease“, „Cats“, „Hinterm Horizont“, „Unheilig“ und „Mamma Mia!“ alleine vor der Pause, acht weitere Musical-Destillate im zweiten Teil. Dramaturgisch hat es gut geklappt, die Quintessenz eines komplexen Musicals in wechselnden Duetten, Soli und großen Tanzeinlagen aufzuführen.

Der Funke sprang über, was nicht zuletzt an der Leistung der Tänzerinnen und Tänzer und dem zwar auf den ersten Blick nicht vorhandenen Bühnenbild lag, das mittels Licht- und Videotechnik aber das Potenzial hatte, aus Nichts und Nebel eine perfekt abgestimmte Illusion zu schaffen. Hut ab auch vor den Requisiteuren der Show, die eine große Bandbreite an schnell wechselbaren Kostümen angefertigt hatten. Alles in allem ein kurzweiliger Abend, der fernab des New Yorker Broadway und des Londoner West Ends bei Musical-Fans gute Laune machte und mit dem entsprechenden Beifall honoriert wurde.

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