Hürtgenwald: Beim Wandern etwas für die Bildung tun

Hürtgenwald: Beim Wandern etwas für die Bildung tun

Der Autor Achim Konejung hat am Donnerstag in Zerkall ein neues Projekt vorgestellt, das die Konejung Stiftung im Auftrag der Gemeinde Hürtgenwald realisiert hat. Ein Projekt, das auf ganz ungewöhnliche Weise die Geschehnisse im Hürtgenwald von 1938 bis 1947 aufarbeitet.

Ab sofort können Touristen und Einheimische sich im Nationalpark-Infopunkt Zerkall Geräte ausleihen, mit denen man beim Wandern ganz leicht Bilder, Filme, Vorträge und Karten einsehen kann. Das Besondere: Die Audio- und Videodateien zeigen und erklären immer genau das, was an dem Punkt, den der Wanderer gerade erreicht hat, im Zweiten Weltkrieg geschah. Es gibt Zeitzeugen-Interviews, Gespräche mit Historikern, historisches Filmmaterial aus den USA, das gut aufbereitet und klug kommentiert wird und vieles mehr.

Das Projekt, das vom Land NRW und von Brüssel gefördert wurde, ermöglicht „politisch-historische Bildung in freier Natur”, wie Konejung erklärte. Es knüpft an die historisch-literarischen Wanderungen an, die Konejung in den letzten Monaten veranstaltet hat. Mit dem Multimedia-Historyguide kann man sich außerdem seine eigene Führung durch den Hürtgenwald, die Eifel samt Düren und das Rheinland zusammenstellen. Alles unter dem Blickwinkel der Jahre 1938 bis 1947.

Auf sechs Themenschleifen kann man ab sofort in über 70 Video- und Audiodateien die Geschichte der Rureifel-Region vom Bau des Westwalls über die Kämpfe 1944/45 bis hin zum Waldbrand und Wiederaufbau vor Ort nacherleben.

Die Multimedia-Dateien sind im Internet bei youtube.de, bei Google Earth und auf der Seite mm-historyguide.de vorschaubar. Sie stehen kostenlos zum Download für Videohandys, Netbooks, iPods, Computer und andere Geräte zur Verfügung.

Diesen Sommer jährt sich, daran erinnerte Konejung bei der Präsentation, zum 65. Mal die Landung der Alliierten und die Befreiung Europas im Jahre 1944, zu deren Erinnerung auch der US-Präsident Barack Obama anreisen wird. International weniger bekannt ist der spätere Stellungskrieg entlang des Westwalls und im Hürtgenwald. Dieser ermöglichte es Hitler, eine Gegenoffensive in den Ardennen zu starten und den bereits verlorenen Krieg bis ins Frühjahr 1945 zu verlängern.

Während dieser Zeit starben im Rheinland zehntausende Soldaten und Zivilisten, es wurden Städte wie Düren und Jülich sowie viele Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Die Folgen der Schlacht im Hürtgenwald reichten bis weit in die Nachkriegszeit.

Heute ist der Hürtgenwald eine wunderschöne Landschaft. Nur wer genau hinschaut, sieht die alten Stellungen und erkennt die wenigen Bäume, die die Kämpfe und Brände überstanden haben.

Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch verspricht sich von dem Projekt eine weitergehende Aufarbeitung einer unseligen Zeit und ein wachsendes Interesse an der Region, auch im Ausland. Im Internet haben bis Donnerstag schon über 1000 Menschen die Seite gefunden und angeschaut, obwohl noch keinerlei Werbung gemacht wurde. Der Film der Stiftung „You Enter Germany” wurde schon über 10.000 Mal verkauft.

Mehr von Aachener Nachrichten