Düren: Beim Tanzen fangen alle Laien bei null an

Düren : Beim Tanzen fangen alle Laien bei null an

Das Projekt „tanzwärts“, bei dem mehr als 70 Dürener zu Tänzern werden, das Festival „Tanzende Stadt“, bei dem die ganze City zu einer Bühne für professionellen Tanz wird — seitdem Dieter Powitz vor knapp vier Jahren die Leitung von „Düren Kultur“ übernommen hat, etabliert sich anspruchsvolles Tanztheater immer mehr in Düren. Jetzt wird die Rurstadt mit rund 90.000 Euro von der Initiative „Tanzland“ der Kulturstiftung des Bundes unterstützt.

Damit ist Düren eine von nur vier Städten in Nordrhein-Westfalen, die gefördert werden. Das Programm in Zusammenarbeit mit dem Tanztheater Irene K. mit Sitz in Eupen und Aachen läuft drei Jahre. Jedes Jahr gibt es ein Gastspiel der Tanzcompagnie mit zwei Vorstellungen und mindestens vier stückbegleitende Workshops. Darüber hinaus gibt es zwei kleinere Tanzprojekte für interessierte Laien.

„Mir gefällt der große assoziative Steinbruch, den das Tanzen bietet“, sagt Powitz und erklärt auch gleich, wie er das meint: Beim anspruchsvollen Tanztheater müsse man nicht immer alles verstehen. „Man kann es so deuten, wie man es versteht. Und sich das rausholen, was einen sofort anspricht und bewegt.“ Darüber hinaus sei Tanzen das Demokratischste, was man mit Laien machen könne. „Wenn man mit Menschen ein Theaterstück erarbeitet, sind die, die gut mit Sprache umgehen können, eindeutig im Vorteil. Beim Tanzen fangen alle Laien bei null an.“

Mit „Tanzland“ ergänzt Powitz, soll Tanztheater jenseits der Metropolen, also in Mittelzentren wie Düren mit seinen rund 90 000 Einwohnern, etabliert werden. Zwar sei das Haus der Stadt ein Bespieltheater, aber eben eins mit einem durchaus eigenen Gesicht. „Der Tanz“, sagt Powitz, „kann für uns durchaus ein identitätsstiftendes Element sein.“

Das erste Gastspiel, das die Compagnie Irene K. in der kommenden Woche in Düren präsentiert, heißt „Eat it — eine Ode an die Kartoffel“ und beschäftigt sich mit verschiedenen Themen rund um die Nahrungsaufnahme und -verweigerung, zum Beispiel auch eher sperrigen Aspekten wie Hungerstreik, Magersucht, Genmanipulation. „Im nächsten Jahr gibt es ein neues Gastspiel im Rahmen unserer dreijährigen Zusammenarbeit“, sagt Powitz. „Und im dritten Jahr werden wir das Thema für das Tanztheater gemeinsam entwickeln.“

Damit möglichst viele Dürener demnächst mit Tanz in Berührung kommen, wird es nicht nur am Donnerstag, 30. August, die dritte Auflage der „tanzenden Stadt“ geben. Vielmehr werden die Tänzer der Compagnie Irene K. auch während des zweiten Dürener Schlemmermarktes im Juli und bei „Düren leuchtet“ im November in der Stadt unterwegs sein. Powitz: „Die Tänzer hoffen, möglichst viele Menschen zu treffen und quasi mit dem Tanz regelrecht zu überfallen.“

Grundsätzlich, ergänzt der Leiter von „Düren Kultur“, könne dank der Förderung von „Tanzland“ eine „Kontinuität mit verschiedenen Aspekten“ geschaffen werden.“ „Bislang“, sagt Powitz, „reicht das Interesse des Publikums nicht, um bei den Gastspielen das Haus der Stadt zu füllen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das auch ändern wird. Tanz ist einfach etwas, das die Menschen begeistert.“

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