Bei Neapco Düren brechen die Aufträge um zehn Prozent ein

Neapco Düren : IG Metall warnt vor dramatischer Krise

Die Mitarbeiter von Neapco schlagen Alarm: Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. „Unserer Branche droht eine existenzielle Krise, die unter anderem von Dieselfahrverboten, Brexit und Handelszöllen verursacht wird“, warnt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Müller vom Dürener Automobilzulieferer Neapco bei einer Betriebsversammlung.

„Dass die deutsche Wirtschaft schrumpft, bekommen auch wir zu spüren“, sagt IG Metall-Mitglied Müller. Im letzten Quartal sind bei Neapco die Umsätze eingebrochen, für 2019 wird ein Minus von zehn Prozent erwartet. Dabei, sagt Müller weiter, sei man im September noch optimistisch gewesen, weil mit der Fertigung des Streetscooters zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Der Optimismus ist verflogen, die ersten Leiharbeiter sind gekündigt, bei Neapco werden Überstunden abgebaut, Resturlaubstage genommen. „Gemeinsam mit der Geschäftsführung suchen wir derzeit intelligente Lösungen, um die Einbrüche in der Autobranche auffangen zu können.“

Schuld an der Misere sei die Politik. Die Dieselfahrverbote hätten verheerende Auswirkungen auf die Branche. Müller spricht von der existenziellsten Krise der Branche seit der letzten Wirtschaftskrise 2008, er befürchtet, dass die deutsche Automobilindustrie Hunderttausende Arbeitsplätze verlieren könnte. Handelszölle, Brexit – aber vor allem hausgemachte Probleme wie die Fahrverbote seien es, die der Branche zusetzen würden. Ein weiteres Beispiel ist für Müller das Erneuerbare-Energien-Gesetz: „Wir zahlen inzwischen mehr EEG-Umlage für Strom, als für den Strom selbst.“

Rund 500 Mitarbeiter von Neapco sind zu der kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung gekommen, teilweise trotz Urlaub. Sie unterschreiben eine Petition an die Bundestagsabgeordneten, die sie eindringlich auffordert, endlich für einheitliche Regeln innerhalb von Europa zu sorgen. „Altdieselfahrzeuge, die in Deutschland nicht mehr fahren dürfen, werden verstärkt ins europäische Ausland exportiert. Ist das eine einheitliche europäische Regelung, oder der Wahn deutscher Politik?“, fragt Müller.

Positive Meldungen gibt es an diesem Tag auch. Der Streetscooter hat die Großserienzulassung erhalten, dass kann für ein deutliches Plus bei der Produktion sorgen. Und dass künftig für das in Aachen produzierte Elektroauto eGo die Antriebswellen in Düren produziert werden, dürfte auch ein krisensicherer Auftrag sein. „Ansonsten wird es immer schwerer, Neugeschäfte zu generieren“, stellt Müller nüchtern fest, ohne eine wirkliche Trendwende erkennen zu können. Sollte einer der größten Arbeitgeber Dürens massiv Arbeitsplätze abbauen müssten, würde das die Region verändern, sagt er, erst recht, wenn parallel auch bei der Braunkohleverstromung Arbeitsplätze wegfallen würden.

„Düren ohne Neapco und RWE Power bedeutet den Tod der Region!“, sagt er wütend und bedankt sich ausdrücklich für die Unterstützung seitens der Kollegen von der Gewerkschaft IGBCE. Die waren mit dem Betriebsratsvorsitzenden vom Tagebau Hambach, Matthias Dürbaum, zu der Versammlung gekommen und sagten zu, auch im eigenen Betrieb für die Petition zu werben.