Düren: Bei Kalligraph Rolf Lock werden Buchstaben zu Kunstwerken

Düren: Bei Kalligraph Rolf Lock werden Buchstaben zu Kunstwerken

Bei Rolf Lock werden Texte oftmals gleich zweifach zu Kunstobjekten. Inhaltlich und optisch. Der gebürtige Dürener ist gelernter Schrift-Litograph und Objektdesigner und arbeitet heute als freischaffender Künstler.

Er verwandelt Gedichte in optische Kunstwerke, indem er den Buchstaben besondere Formen verleiht. „Die Zeichenhaftigkeit von Buchstaben“, sagt der 63-Jährige, „hat mich schon immer sehr fasziniert. So bin ich zur Kalligraphie gekommen.“

Gerade arbeitet Lock an einem Buch mit Gedichten des französischen Insektenforschers Jean-Henri Fabre. Lock hat die Gedichte mit kunstvollen Buchstaben auf handgeschöpftes Papier geschrieben und anschließend illustriert, eine befreundete Buchbinderin hat das Werk gebunden. „Unser Buch geht zu einer Ausstellung in eine jahrhundertealte Buchhandlung in Paris, die nur handgebundene Bücher verkauft.“

Besonders angetan hat es Lock die irische und die arabische Kalligraphie. Besonders die arabische Kalligraphie“, sagt er, „bietet vielseitige Möglichkeiten, mit Schrift umzugehen — auch, weil man in alle Richtungen arbeiten kann und nicht nur von links nach rechts.“ Natürlich muss Lock sich auch intensiv mit den Texten auseinandersetzen, die er Kunstwerke verwandelt. „Ich habe auch schon einmal hebräische Texte verarbeitet. Lieber ist es mir aber, wenn ich die Worte, die ich schreibe, auch verstehe.“ Dass die Menschen heute weniger mit der Hand schreiben, macht Rolf Lock keine Sorgen. „Im Mittelalter konnten auch nur drei Prozent der Bevölkerung Lesen und Schreiben“, sagt der Künstler und lacht. „Aber ganz im Ernst: Ich habe das Gefühl, dass sich immer mehr Menschen für meine Kunst interessieren.“

Die Kalligraphie ist aber nicht das einzige Gebiet, auf dem Lock arbeitet. Immer wieder macht er auch Arbeiten für die Stadt Düren, es gibt verschiedene Aquarelle mit Ansichten Dürens von ihn. „Es ist schon eine Herausforderung, immer wieder neue Motive in Düren zu finden“, sagt er. „Aber es gelingt.“ Bei diesen Arbeiten ist es Rolf Lock wichtig, stadtbekannte Motive völlig neu zu interpretieren. „Es kommt mir nicht darauf an, Motive total realistisch wiederzugeben“, erklärt er. „Das finde ich gar nicht so spannend. Bei meinem Bild vom Leopold-Hoesch-Museum habe ich die Exponate aus dem Museum nach draußen verlagert und das gesamte Gebäude in Schwingungen versetzt.“

Zuletzt hat Lock das neue Papiermuseum gezeichnet. „Zumindest von Außen finde ich das neue Museum sehr schön. Ich finde, man sieht deutlich, dass es etwas mit Papier zu tun hat. Und es behauptet sich gut gegenüber dem Leopold-Hoesch-Museum behauptet.“ Noch viel wichtiger als die Optik sei aber natürlich die inhaltliche Ausrichtung des Museums. „Das Papiermuseum muss lebendig gestaltet sein. Ich glaube, dass es ein großer Fehler war, die Papier-Biennale einzustellen. In anderen Städten gibt es etwas Vergleichbares. Die laufen Düren mittlerweile den Rang ab.“

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