Kreis Düren: Bei der Windenergie liegt noch viel Potenzial einfach brach

Kreis Düren: Bei der Windenergie liegt noch viel Potenzial einfach brach

Vettweiß ist ein Sonderfall. Dennoch: Das von der Gemeinde vorgelegte Strategiepapier zur künftigen Nutzung von Windenergie könnte auch für andere Kommunen im Kreis Düren beispielhaft sein. Den politischen Beschluss in der nächsten Ratssitzung vorausgesetzt, würde Vettweiß ein ehrgeiziges Ziel in Angriff nehmen: die autarke Versorgung der Gemeinde mit Strom — vorrangig durch Windenergie.

Die Akzeptanz für die bei den Bürgern trotz Zustimmung zum Atomausstieg schwindende Akzeptanz für die Windkraftanlagen möchte man dadurch sicherstellen, dass ein Teil der Einnahmen in eine Bürgerstiftung fließt, die das Geld für soziale und kulturelle Zwecke verwendet.

Vettweiß ist ein Sonderfall. Das erkennt man spätestens beim Blick in die „Potenzialstudie Erneuerbare Energien“ des Umweltministeriums des Landes NRW. Dort wird für die Windenergie penibel für jeden Kreis und jede Kommune aufgelistet, was machbar wäre: welche Flächen für Windenergie genutzt werden könnten, wie viel Leistung installiert werden könnte und welcher Nettostromertrag erzeugt werden könnte. Die Gemeinde Vettweiß gehört in dieser Studie zu den Spitzenreitern.

Bis zu rund 1150 Hektar Fläche könnte die ländlich strukturierte Kommune zur Verfügung stellen und verblüffende 614 Gigawattstunden Strom im Jahr produzieren. Zumindest in der Theorie. Das wäre fast das zehnfache des jährlichen Stromverbrauchs der Kommune. Peter Hüvelmann, Leiter des Fachbereichs Bauwesen in der Gemeinde Vettweiß, relativiert die Zahlen allerdings: „In dieser globalen Betrachtung werden zum Beispiel naturschutzrechtliche Res-triktionen oder auch Restriktionen wegen des Fliegerhorstes Nörvenich nicht betrachten.“ Aber selbst wenn man diese Flächen abziehen würde, bliebe immer noch „ein weit über dem Durchschnitt liegendes“ Potenzial übrig.

Die Vettweißer Erkenntnis, dass die autarke Versorgung machbar ist, gilt für alle Kommunen des Kreises — mit Ausnahme der Stadt Düren. Beispiel Nideggen: Bei einem geschätzten Jahresstromverbrauch von 80 Gigawattstunden im Jahr könnten mit dem Ausschöpfen der Windenergie theoretisch 153 Gigawattstunden produziert werden.

Dabei ist die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien schon jetzt in einzelnen Kommunen sehr weit voran geschritten. In Nideggen können etwa ein Drittel des Strombedarfs durch Windenergie und Solarstrom abgedeckt werden, in Nörvenich sind es gar 42 Prozent (ein Achtel des Strombedarfs wird hier aus Biomasse gewonnen), in der Gemeinde Hürtgenwald sind 45 Prozent. Dort setzt man schon jetzt auf einen Mix aus Solarstrom, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Klärgasanlagen. Spitzenreiter im Kreis Düren ist die Stadt Heimbach mit 78 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Am Ende der Liste stehen Kommunen wie Inden (acht Prozent), Düren (vier Prozent) und Langerwehe (zwei Prozent).

Mit dem geplanten Windpark in Echtz könnte Düren seine Position allerdings kurzfristig deutlich verbessern. Sechs Windräder sollen dort so viel Strom produzieren, wie ein Drittel aller Privathaushalte benötigt. Damit kämen dann in Düren immerhin schon zwölf Prozent des Jahresverbrauchs der Kommune aus erneuerbaren Energien.

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