Kreis Düren: Bei der Partnervermittlung abgezockt: Dürener Verbraucherzentrale hilft

Kreis Düren : Bei der Partnervermittlung abgezockt: Dürener Verbraucherzentrale hilft

Manchmal ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, bevor Hildegard Dapper und ihr Team von der Dürener Verbraucherzentrale kontaktiert werden. Besonders bei pikanteren Themen, die mit Schamgefühlen auf Seiten der Betroffenen verbunden sind.

Die Partnersuche im Internet ist ein solches Thema. Kaum jemand gibt freimütig zu, dass er in Singlebörsen oder auf Flirt-Portalen abgezockt wurde. „Wir führen dennoch zunehmend Beratungsgespräche zu diesen Themen und prüfen auch juristische Schritte gegen die Anbieter“, sagt die Leiterin der Verbraucherzentrale — wöchentlich fragen Opfer der dubiosen Internetmaschen um Rat. Sie geht davon aus, dass die bekannten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind — und rät dazu, so früh wie möglich Beratung in Anspruch zu nehmen, wenn sich Verbraucher getäuscht oder abgezockt fühlen.

Vorweg: Es gibt seriöse Anbieter von Flirtbörsen, Partnervermittlungen und Online-Dating-Portalen. Doch im Internet tummeln sich auch fragwürdige Unternehmen, bei denen der Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder das Impressum einen Nutzer zur Vorsicht mahnen sollte. „Fehlt beispielsweise eine ladungsfähige Adresse, wird es sehr schwer, bei einem Streitfall seine Ansprüche geltend zu machen“, rät Dapper dazu, sich vor dem Ausfüllen von Formularen mit dem Kleingedruckten auseinanderzusetzen.

Erlaubt, aber fragwürdig

„Die AGB sollte sich ein Nutzer durchlesen, meistens geschieht dies aber nicht“, sagt sie. Und selbst wer es tut, muss ohne geschulten Blick nicht unbedingt fündig werden, denn der Teufel steckt meist im Detail. Im Kleingedruckten wird darauf hingewiesen, dass weibliche Profile auch von männlichen Moderatoren betrieben werden oder davon auszugehen ist, dass sämtliche weibliche Profile nur Fiktion sind. Bei manchen Angeboten sind die Moderatoren des Seiten-Betreibers sogar mit mehreren Identitäten unterwegs. „Das ist rechtlich erlaubt, aber fragwürdig“, betont die Verbraucherschützerin. „Es geht nicht darum, dass sich Menschen kennenlernen. Viele Kontaktbörsen lohnen sich nur für die Betreiber.“

Die Verbraucherzentrale Bayern, die bundesweit für die digitale Welt die Marktwächter-Funktion übernimmt, hat sich Dating-, Flirt- und Kontakt-Seiten genau angeschaut. Das Urteil ist erschreckend: 187 Portale hat die Verbraucherzentrale gefunden, die laut ihren AGB auch Fake-Profile einsetzen. In ihrer Außendarstellung jedoch vermitteln 171 der 187 Portale den Eindruck, dass echte, private Kontakte geknüpft werden können und es Chancen zum Kennenlernen gibt. „Das Gespräch führen aber bezahlte Mitarbeiter“, stellt Hildegard Dapper klar. Für viele Portale ist es ein lohnendes Geschäft — ein Geschäft mit der Einsamkeit.

Gebühren kontrollieren

Vorsicht ist auch bei „Testmitgliedschaften“ geboten, die oft nur eine beschränkte Nutzung erlauben, sich aber als gut getarnte Abo-Falle entpuppen können. Wie bei jedem Vertrag hat der Nutzer die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen von seiner Testmitgliedschaft, also seinem Kauf, zurückzutreten. Wer dies verpasst, bleibt auf einem Vertrag sitzen. „Wir werden an dieser Stelle tätig und versuchen, den Vertrag rückwirkend zu annullieren“, sagt Hildegard Dapper. Nicht immer mit Erfolg. Wer in die Falle getappt ist und die Kündigungsfrist verpasst hat, muss dennoch förmlich kündigen — um eine Verlängerung zu verhindern. Ein weiteres Problem sind Inkassobüros, die zum Teil „massiven Druck“ ausüben. Es lohnt sich laut Verbraucherzentrale die Überprüfung der Gebühren, denn längst nicht jedes Büro rechne auch sauber ab.

Richtig kompliziert wird es, wenn Drittanbieter ihre Gebühren über die Telefonrechnung einziehen. Der Anbieter muss zwar die ladungsfähige Adresse nennen, der Schriftverkehr ist aber zeitraubend, so dass Kündigungsfristen schnell verpasst werden. „Es lohnt sich, die Drittanbietersperre einrichten zu lassen“, rät Hildegard Dapper. Gerade bei telefonischen Angeboten sei vielen nicht bewusst, dass ihr Telefonat auch ein Verkaufsgespräch war. Dapper: „Schalten Sie beim Flirten ihr gesundes Misstrauen nicht aus.“

(sj)
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