Begehrte Einblicke hinter früher verschlossenen Türen

Noch keine Zukunftslösung für Mariawald in Sicht : Begehrte Einblicke hinter früher verschlossen Türen zur Abtei

Die letzten Trappisten-Mönche haben die Abtei Mariawald in der Eifel im vergangenen Herbst verlassen, doch diese gravierende Änderung ist rund um das Kloster kaum zu spüren.

Wer Hunger hat, kann dort immer noch einkehren und Erbsensuppe essen, der Laden und die Buchhandlung sind geöffnet, es wird Likör produziert. Und selbstverständlich steht die Tür der Kirche für ein Gebet offen. Aber die Bücher, in die die Gläubigen ihre Anliegen schreiben konnten, sind weg. Schließlich gibt es keine Mönche mehr, die diese Fürbitten im Kloster halten können.

„Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“, heißt ein alter Sinnspruch. In Mariawald trifft er zu. Denn weil das Kloster geschlossen ist, können die Türen dort hinein geöffnet werden. Seit Jahresbeginn werden in Mariawald sonntags und nach Absprache Führungen angeboten (14 Uhr, etwa zwei Stunden, fünf Euro). „Mit einem solchen Andrang haben wir nicht gerechnet“, sagt Wolfgang Nowak, Geschäftsführer des Vereins Mariawald, der die Klosterbetriebe auch nach dem Weggang der Trappisten leitet. Der Verein ist zudem für den Erhalt des Komplexes zuständig und hat jüngst erst einen Teil des Kirchendaches saniert.

Mehr als 1000 Gäste haben sich die sogenannte Klausur, also den eigentlich nur den Ordensleuten vorbehaltenen Teil des Klosters, bereits angesehen. Ein Team aus Führern gibt Einblicke in die Geschichte, das Leben der Mönche, Anekdoten und in viele interessante Details. Immer wieder müssen zusätzliche Führungen angeboten werden. „Das Interesse an diesem Ort, seiner Geschichte und dem Leben der Trappistenbrüder ist groß“, sagt Nowak. Und hinter bislang verschlossene Türen zu blicken, ist immer spannend Zumal das Kloster so belassen wurde, wie es die Mönche hinterließen. Nur die Wertsachen wie Priestergewänder, goldene Kelche und Monstranzen wurden aus Sicherheitsgründen weggebracht.

In einer Kapelle liegt noch ein Rosenkranz, im Speisesaal stehen die Tassen auf dem Tisch, in einer Art Ankleidezimmer hängen die auf links gedrehten Gewänder an den Garderobenhaken, weil die Mönche sie so einfacher anziehen konnten, am schwarzen Brett kleben Zettel. In der Sakristei sind Messwein und Hostien vorhanden, so dass jederzeit eine Messe gefeiert werden kann, wenn eine Gruppe mit Priester kommt. Die erste Messe seit dem Weggang der Mönche wird übrigens am Aschermittwoch ab 10 Uhr gefeiert.

Aber nicht alle Türen im Kloster werden geöffnet: Die Zimmer der Brüder bleiben verschlossen. „Das machen wir aus Respekt ihnen gegenüber“, erklärt Nowak. Schließlich leben einige in der Nähe in Senioreneinrichtungen und besuchen das Kloster noch regelmäßig. Ohnehin ist das ganze Kloster, zu dem noch die Werkstätten gehören, kaum in zwei Stunden in allen Details zu erkunden.

Weiter ein Ort der Stille

Mit den Führungen will der Verein darauf aufmerksam machen, dass der Betrieb in Mariawald weitergeht, auch wenn es für die Zukunft des Klosters zwar schon mehrere Anfragen (Hotel, Seniorenheim), aber noch keine Lösungen gibt. Dem Verein ist alles daran gelegen, dass Mariawald ein Ort der Stille und des Glaubens bleibt, auch eine gemeinsame Nutzung mit religiösen und weltlichen Bereichen könnte zustande kommen.

„Im Verein gibt es einen Arbeitskreis bestehend aus drei Priester des Bistums Aachen, der sich auf die künftige Nutzung konzentriert, unter anderen gehören dazu der stellvertretende Generalvikar und der Ordensbeauftragte des Bistums. Wenn es einen Orden gibt, der Interesse hat, dann wird er Mariawald finden“, erklärt Nowak.

Bis dahin wird in Mariawald das weltliche Leben seinen Gang gehen, in der Küche werden Makronen für ein Teeversandunternehmen gebacken und wird Erbsensuppe gekocht. „Und zwar kochen wir die immer noch selber nach einem alten Rezept“, wehrt Nowak Gerüchte um Konserven und Belieferungen vom Fliegerhorst in Nörvenich ab.

Wie ist die Suppe eigentlich zum Markenzeichen von Mariawald geworden? „Die Tradition der Erbsensuppe begründet sich in den Armenspeisungen auch nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt Nowak. Erbsensuppe könne gut in größeren Mengen gemacht werden und sei sehr nahrhaft.

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