Lendersdorf/Düren: Barocke Sakralmusik erklingt in all ihren Effekten

Lendersdorf/Düren: Barocke Sakralmusik erklingt in all ihren Effekten

Kaum noch eine freien Platz gab es jetzt in der Lendersdorfer Kirche St. Michael: Nach ihrem großen Konzert im Haus der Stadt gestalteten die Mitglieder von Chor und Orchester der Cappella Villa Duria unter der Leitung von Johannes Esser ein weiteres Kulturereignis: Mit den Kantaten IV bis VI aus Bachs Weihnachtsoratorium entsprachen sie einem großen Interesse seitens der Klassikfreunde in der Region.

Maestro Esser und die Seinen hatten ihren Zuhörern in etwas mehr als einer Stunde wahrlich viel an barocker Sakralmusik mit allen ihren Effekten zu bieten. Doch es lag nicht nur an der kompakten Dauer von der Zeit her, dass an dieser Aufführung nicht eine Minute zu lang wirkte. Essers Dirigat, spannungsbetont und bisweilen von der Gestik her ein wenig fordernd, war für die Mitwirkenden merklich eine wichtige Orientierungshilfe und sorgte zudem für die enorme Zugkraft der gesamten Produktion, hüllte das Meisterwerk des großes Thomaskantors zudem in eine stete Abfolge von nicht gerade dick aufgetragenen Klangfarben. Denn Johannes Esser und die Mitstreiter hüllten nicht alles in die selbe Tünche, sondern ließen für zarte und innige Töne ebenso Raum wie für die kräftigen, ins Großformat gehenden.

Das dichte Gewebe aus intimen und prächtig-ausladenden Szenen machte den Reiz dieser Interpretation aus — ein Effekt, der nicht zuletzt den Solisten Katharina Bergrath (Sopran), Angelika Falkensteiner (Alt), Robert Buckland (Tenor) und Wolfgang Tombeux (Bass) geschuldet ist. Unbeschadet der Verdienste ihrer Künstlerkollegen um das Gelingen konnte sich die 1985 in Düren geborene Katharina Bergrath regelrecht in die Herzen der Menschen im Gotteshaus singen und im Wechsel mit der auf der Empore platzierten Echosopranistin die Arie „Flößt, mein Heiland“ als duftiges und zugleich wirkungsvolles Stück gestalten — Barockmusik kann so lebendig und reich an rhetorischer Kraft sein.

Orchester und Chor mussten dahinter keineswegs dahinter zurückstehen. Prächtig und mit spürbarer Freude an ihrem Tun ließen sie die Choräle leuchten. Besonders das strahlende Blech der Trompeten und das volle Volumen der Stimmen ließen kurz vor Schluss „Ich steh an Deiner Krippen hier“, einen der Höhepunkte des ganzen Oratoriums, blitzen und strahlen, als sei er gerade eben von Bach aufs Notenpapier gesetzt worden.

Mit herzlichem Beifall dankten die Zuhörer, nachdem der letzte Akkord verklungen war, allen Mitwirkenden für ihre Mühen. Die Künstler revanchierten sich für den Applaus mit einer Zugabe, „Jauchzet, frohlocket“, dem Eingangschor von Kantate I.