Autorin Husch Josten liest auf Einladung des Kunstfördervereins

Lesung mit Autorin Husch Josten : Thematisieren, worüber nur selten gesprochen wird

Es ist gar nicht schwer, Schriftstellerin zu werden. Zumindest in der Theorie. Husch Josten hat diese Entscheidung früh getroffen. Mit fünf Jahren verkündete sie ihren Wunsch erstmals in der Familie.

„Mein Vater war aber ein sehr anspruchsvoller Leser“, blickte die Autorin augenzwinkernd am Sonntag zu Beginn ihrer Lesung im Rittersaal von Schloss Burgau zurück.

Das anspornende Geschenk an die Tochter war eine blaue Plastik-Schreibmaschine aus dem Spielwarenladen. Fortan wurden Kurzgeschichten ausgetauscht. Bis Husch Josten ihren Wunsch mit 18 Jahren wiederholte, im Hinterkopf den Gedanken: Oder soll ich doch etwas Vernünftiges machen?

Auf Einladung des Arbeitsbereichs „Literatur“ im Kunstförderverein Kreis Düren war die 50-Jährige Journalistin und Autorin, deren Debütroman „In Sachen Joseph“ 2011 erschien, zu Gast an der Rur. Im sehr kurzweiligen und persönlichen Gespräch mit Dr. Michael Braun vom Kunstförderverein schilderte die erfolgreiche Autorin, warum sie nach ihrem Studium (Geschichte und Staatsrecht) zunächst als Journalistin volontierte und in Köln, Paris und London für Tageszeitungen und Magazine schrieb. „Ich habe mich schlicht nicht getraut, ein Buch zu schreiben“, sagte sie.

So lernte sie im journalistischen Tagesgeschäft, genau hinzuschauen, immer Fragen zu stellen und niemals aufzuhören, Antworten zu hinterfragen. Geschult, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und vermeintlich langweiligen Themen etwas Lesenswertes abzuringen, tastete sie sich an den ersten Roman heran.

Mit großem Erfolg. Die Themen, die Husch Josten seitdem in ihren Büchern aufgreift, sind ja alles andere als langweilig. „Hier sind Drachen“ (2017) und „Land sehen“ (2018) erzählen ebenso anschaulich wie spannend von Philosophie und Religion, von Globalisierungsangst und Glaubensmut, von Gewissensfreiheit und Menschenwürde. Verpackt in eine ebenso klar verständliche wie schnörkel-detailreiche, aber nicht detailverliebte Sprache abseits von Stereotypen, die schon beim Zuhören Lust machte, nach der Lesung gleich zum Buch zu greifen und sich in der Romanwelt Jostens zu vertiefen. Trotz oder gerade wegen der gesellschaftspolitischen Aktualität und Brisanz der Themen.

Ein roter Faden zieht sich durch ihr Werk: Husch Josten spricht an, über was niemand gerne redet. „Meine Bücher bauen aufeinander auf, ohne dass es mir klar war“, sagte Husch Josten. Sei es die Rolle der Bundeswehr in den Auslandseinsätzen, die Bedrohung durch Terrorismus und Fundamentalismus oder die Frage, warum die meisten Menschen zwar eine Waffe in die Hand nehmen würden, um die eigene Familie, aber nicht um Freiheit und Demokratie zu verteidigen. In ihrem jüngsten Buch „Land sehen“, das unter anderem im Kloster Maria Laach spielt, greift sie erneut eine Frage auf, die nur selten öffentlich diskutiert wird: Woran glauben wir denn? Was hält uns?

„Die Lektüre Ihrer Romane verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich jeden Tag zu positionieren. Ich bin überzeugt, dass Ihre heutige Lesung zum Nachdenken anregen wird“, hatte Dr. Hans-Joachim Güttler vom Kunstförderverein schon vor der ersten Zeile und vor dem ersten Dialog der Lesung gemutmaßt. Er dürfte nach einem ebenso unterhaltenden wie anregenden Vormittag recht behalten.

(sj)
Mehr von Aachener Nachrichten