Ausstellung "Andreasstraße" - Aufarbeitung der DDR

Die Fluchtversuche über die Ostsee : Menschliche Schicksale im Mittelpunkt

Es sind die Erlebnisse von Menschen, die die Geschichte zum Leben erwecken. Das wissen auch die Macher der Wanderausstellung „Andreasstraße unterwegs“, die seit Montag im Foyer des Rathauses Düren zu Gast ist.

Zugeschnitten vor allem auf Schüler, möchte die Ausstellung der Stiftung Ettersberg die kritische Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur in der DDR anregen.

Zur Eröffnung am Montag waren neben Dr. Jochen Voit, dem Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, auch zwei Redner zu Gast. Dr. Volker Höffer, Leiter der Rostocker Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde, hielt einen Vortrag über die oft vergessenen Geschichten der Ostsee-Fluchtversuche. Außerdem sprach Zeitzeuge Peter Hippe, der seit 36 Jahren in Düren lebt, über seine Erlebnisse in der DDR.

Dr. Höffer ist seit 26 Jahren in der Aufarbeitung tätig und hat viele Schicksale mit begleitet. Sein Fazit nach dieser und seiner eigenen Zeit in der DDR: „Die Aufarbeitung von Diktatur ist auch immer die Vorsorge für die Demokratie“, sagt er. „Dabei sind es die einzelnen menschliche Schicksale und nicht abstrakte schematische Darstellungen, die uns diese Zeit am besten verstehen lassen.“

Er erzählt von Fluchtversuchen über die Seegrenze der DDR - manche gelangen, aber viele mehr scheiterten. Dabei beschreibt der Historiker auch die allgegenwärtige Verfolgung von Polizei und Staatssicherheit, die aber auch in nicht geringem Maße von freiwilligen Helfern unterstützt wurden. So war es nicht ungewöhnlich, dass Fischer flüchtenden DDR-Bürgern drohten und diese festhielten oder zurückschickten. Dazu zeigte Dr. Höffer Bilder aus dem Rostocker Archiv, die zum Beispiel Verhaftungen auf See dokumentieren.

Zeitzeuge Peter Hippe sprach über seine Erlebnisse in der DDR. Er wurde 1942 in Halle/Saale geboren und geriet schon als Jugendlicher in das Visier der Staatssicherheit, als er 1959 einen Fluchtversuch unternahm, um zu seiner Mutter nach Westdeutschland zu gelangen. Dieser scheiterte und obwohl er von einer längeren Haft verschont blieb, war ihm seitdem der Staatsapparat stetig auf den Fersen.

Obwohl er weitere Fluchtversuche nach der Geburt seines Sohnes aufgab, verließ ihn doch nie das Gefühl eingesperrt zu sein. „Ich habe dann versucht, über meinen Beruf als Ingenieur zumindest zum Bau der Pipeline in Russland Richtung Osten herauszukommen, um dann von dort vielleicht über die westlichen Firmen eine Flucht zu organisieren“, erzählt er. „Heute weiß ich, warum diesen Bewerbungen nie stattgegeben wurde. Meine Stasi-Akte ist über 2000 Seiten lang.“

1988 schaffte er es schließlich doch noch in den Westen nach 17 Ausreiseanträgen und der Besetzung der amerikanischen Botschaft. Das Gefühl eingesperrt zu sein, sagte er, wird er aber nie vergessen.

Ähnliche Zeitzeugenberichte finden sich auch in digitaler Form in der Ausstellung wieder. Über Videomaterial werden die Fotos und der Comic-Streifen, der eine Geschichte aus der DDR-Zeit nachvollzieht, mit diesen persönlichen Eindrücken ergänzt.

„Andreasstraße unterwegs“ ist noch bis 21. November im Foyer des Dürener Rathauses zu den Öffnungszeiten des Rathauses sowie nach Anmeldung an der Informationstheke kostenfrei zu sehen. Interessierte Schülervertreter und Klassenlehrer können sich vor dem Besuch an den Pädagogischen Fachbereichsleiter in der VHS Rur-Eifel, Dieter Bergheim (02421/252586) wenden.

(kim)
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