Südkreis: Auf der Suche nach dem Naturerlebnis

Südkreis: Auf der Suche nach dem Naturerlebnis

„Kleinteilig agierende Touristiker” seien sie gewesen, die vier Kommunen Kreuzau, Heimbach, Hürtgenwald und Nideggen im Süden von Düren. Das kann der Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus, Gotthard Kirch, heute gelassen sagen.

Denn die vier Kommunen sind durch ihre gezielte, gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren zu einer Erfolgsgemeinschaft geworden, wie man es anfangs nie vermutet hätte.

Kreuzau, Heimbach, Hürtgenwald und Nideggen tun sich zur Zeit schwer mit der Neuordnung der Schullandschaft. Wie konnte es da gelingen, dass man in Sachen Tourismus vor genau zehn Jahren so konzentriert und zielstrebig vorging, dass sich jetzt Erfolg an Erfolg reiht?

Kirch, der von Beginn an dabei war, berichtet, dass damals Minister Wolfgang Clement strenge Vorgaben machte: Mindestgröße für touristische Einheiten wurden plötzlich vorgegeben und die finanzielle Unterstützung von der Größe der Einheiten abhängig gemacht.

Und wo sich zuvor sogar Ortsteile ihre eigene Tourismuswerbung gebastelt hätte, sei nun der öffentliche Tourismus zusammengefasst und effektiver organisiert worden. „Es ist uns gelungen, den Tourismus vor allem an den Wochenenden aus den Rathäusern rauszuholen”, stellt Kirche fest.

120.000 Euro habe der Verein Rureifel-Tourismus im ersten Jahr seines Bestehens zur Verfügung gehabt. 400.000 bis 650.000 Euro sind es 2011, je nachdem, ob man das barrierefreie Jugendgästehaus in Heimbach-Hergarten mitrechnet oder nicht.

Naturtourismus, das besondere Erlebnis in der Natur also, steht im Mittelpunkt des Vereins, dem als weiterer wichtiger Geldgeber auch der Kreis Düren angehört. Und da hieß es 2009: Aus 150 Wanderwegen 77 zu machen, die Wanderwege einer Qualitätskontrolle zu unterwerfen und von 1100 Kilometern auf 600 bis 700 zu reduzieren, den verwirrenden Schilderwald abzuschaffen und übersichtliche, einheitliche Markierungen vorzunehmen. Diese Herkulesaufgabe wird gerade abgeschlossen.

Derzeit werden unter dem Motto „Naturerlebnis exklusiv” ganz außergewöhnliche Naturplätze rausgesucht, dargestellt und zu Pauschalangeboten entwickelt. Gemeint sind Situationen, wo der Besucher steht und nicht nur den Farbenrausch im Herbst, rot schimmernde Buntsandsteinfelsen, Biberstaudämme oder Kombinationen aus Wald und Seen bestaunt.

Er ist mit dem Guide unterwegs, der Einzelheiten erläutert, besondere Beobachtungen ermöglicht und den Wert der Natur vermittelt.„2013 ist das Angebot auf dem Markt”, so Kirch. Der sieht im übrigen den Nationalpark als besonderen Glücksfall für die Region. Über 50 kostenlose Touren bietet allein der Rureifel-Tourismus in einer Saison an.

Im Bahnhof von Heimbach befindet sich die Rureifel-Zentrale, von dort ist man für alle vier Kommunen tätig. Dort beobachtet man aufmerksam die Entwicklung der Besucherzahlen. 2,4 Nächte blieb ein Gast im Durchschnitt 2001 in der Rureifel, 2011 sind es schon 2,8 Nächte. „Sonntags kommen in Heimbach manchmal 1100 Leute an”, beobachtet Kirch. Viele Gäste steigen aus dem Zug in einen der vier Busse und unternehmen ganz unterschiedliche Touren im Nationalpark.

117.000 Übernachtungen in Häusern mit mindestens neun Betten gab es 2001. Mehr als 180000 werden es 2011 gewesen sein. Hinzu kommen noch Übernachtungen in Privatzimmern. Die Region registriert in zehn Jahren also einen Zuwachs von 35 Prozent.

„Wir sind für den Dritt-Urlaub oder das verlängerte Wochenende da”, kennt er die Gewohnheiten der Gäste. Und der Campingtourismus werde unterschätzt. Zusätzlich zu den Übernachtungsgästen gehen die Experten übrigens von 1,5 bis 2 Millionen Tagesgästen in der Rureifel aus. Doch Kirch schätzt, dass es mehr sind.

„Hotspots” nennen die Tourismus-Manager besonders sehenswerte Orte wie Simonskall und Obermaubach. In Kreuzau gilt auch das Monte Mare als wichtiger touristischer Akteur und in Raffelsbrand der Kletterwald. In Nideggen sind es Altstadt, das Nationalparktor und die neue Jugendherberge, die Touristen anziehen.

Schmidt wartet mit einem breit gefächerten Übernachtungsangebot auf. Und Heimbach mit seiner Burg, der Pilgertradition und dem Stadtkern ist ebenfalls Anziehungspunkt. Dort hat die Kunstakademie für neue Gäste und einen enormen Imagegewinn gesorgt. Wer allerdings meint, die Rureifel könnte ein weiteres Feriendorf vertragen, der wird enttäuscht. „Diese Anlagen brauchen Abstand, den halten die Investoren von sich aus ein, das würde sonst nicht funktionieren”, kennt Kirch die Interessen der Investoren.

Einst Gegner, 2014 gemeinsam unterwegs

Der Verein Rureifel-Tourismus hat 200 Mitglieder, Vorsitzender ist Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50 Euro im Jahr, vier Kommunen und der Kreis bezahlen ungleich mehr. Eines der größten neuen Projekte ist für 2014 geplant: Mit den europäischen Nachbarn wird der Weg der Befreier am Ende des 2. Weltkriegs, der auch durch die Eifel führte, nachgegangen.