Düren: Auf der Suche nach dem Image von Düren

Düren: Auf der Suche nach dem Image von Düren

Wer am Montagabend beim „DN“-Talk zur Bundestagswahl eine ähnlich müde Veranstaltung erwartet hat, wie beim TV-Duell der Spitzenkandidaten, der sah sich schnell getäuscht: Es war stellenweise heiter, es wurde polemisiert und manchmal waren sich die Politiker sogar einig.

Wie wird der Kreis Düren fit für die Zukunft? — so lautete knapp zwei Wochen vor der Wahl die Kernfrage an die drei Dürener Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne), Dietmar Nietan (SPD) und Thomas Rachel (CDU) im überfüllten „Komm“-Zentrum. Die schnelle Antwort gab Mitdiskutant Ulrich Stockheim. Der Kommunikationsberater bemängelte ein fehlendes Konzept für die Entwicklung des Kreises. „Das Bild, wie sich Leute beim Mundart-Festival mit Bierchen zuprosten, kann nicht das Image von Düren sein“, formulierte Stockheim zugespitzt.

Das Thema der fehlenden gemeinsamen Strategie zog sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend und wurde zum Schluss — als die drei Bundestagsabgeordneten etwas erregter diskutierten — noch mal von Dr. Stephan Kufferath-Kassner aufgegriffen: „Wir haben im Kreis Düren drei hoch angesehene Politiker. Ich verstehe gar nicht, dass die sich so angreifen.“ Sprich: Für den Kreis zusammenarbeiten wäre, so Kufferath, die bessere Lösung. Die Erkenntnis stand schon am Anfang der Diskussionsrunde, als die „DN“-Moderatoren Ingo Latotzki und Sandra Kinkel die Bundestagsabgeordneten fragten, was sie in der Legislaturperiode für Düren erreicht hätten. Bei allen stand die Umgehungsstraße B56n ganz oben auf der Tagesordnung. „Die gemeinsamen Kräfte für Düren könnte man noch sehr viel besser nutzen“, befand da Stockheim erneut und heizte die Diskussion mit seinem Blick auf das gescheiterte Projekt Logistikzentrum an: „Auch da fehlte die Strategie. Erst wurde verpasst, das Projekt vernünftig vorzustellen, dann gibt es sofort eine Bürgerinitiative und man knickt ein.“

Richtig lebhaft wurde es, als es um die Frage ging, wie sich der Kreis Düren auf die Zeit nach dem Tagebau vorbereiten soll. Nietan und Krischer setzen dabei ganz auf das von der Landesregierung initiierte Bündnis Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), das den Strukturwandel nachhaltig gestalten soll, während Rachel das Projekt als „krachend gescheitert“ qualifizierte. Rachel sieht hier insbesondere auch RWE in der Pflicht: „RWE verdient einen dreistelligen Millionenbetrag, weil der Tagebau nicht verfüllt werden muss.“ Die Reaktion kam prompt „So redet man einen Standort kaputt“, ereiferte sich Dietmar Nietan über das „krachend gescheitert“, während Oliver Krischer sich „fassungslos“ zeigte, weil ihm die Forderung, RWE vertraglich in die Pflicht zu nehmen, bekannt vorkam: „Dazu habe ich einen Antrag nach dem anderen gestellt. Die sind von CDU und FDP immer abgelehnt worden.“ Überhaupt die Großprojekte. „Wir brauchen neue, innovative Ideen“, stellte Walter Jordans vom BUND fest. „Auch dafür wäre es wichtig gewesen, das Trianel-Projekt Pumpspeicherkraftwerk zu Ende zu diskutieren. Die Politik muss Strukturen schaffen, auch Großprojekte bis zur Entscheidungsreife voranzutreiben“, so Jordans weiter.

Eine Position, auf die sich die drei Bundestagsabgeordneten einigen konnten. „Bei zentralen Entscheidungen sollten sich die Parteien zusammenraufen“, befand Dietmar Nietan und hob als positives Beispiel den schulpolitischen Konsens auf Landesebene hervor. Thomas Rachel kehrte an dieser Stelle inhaltlich zur Innovationsregion Rheinisches Revier zurück: „Man muss die Kritikpunkte aufnehmen und sich verändern“, formulierte er — und aus dem „krachend gescheitert“ wurde wieder eine gemeinsame Perspektive für die Zukunft auch des Kreises.

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