Lustige Lesung im Komm Düren: Auf den Spuren von Joachim Ringelnatz

Lustige Lesung im Komm Düren : Auf den Spuren von Joachim Ringelnatz

Einen Ringelnatz-Abend im Dürener Komm präsentierte Dirk Chr. Siedler. Um den Abend noch runder zu gestalten, wurde die Lesung von der Skunk-Band Cantalyra mit Liedern der 1920er Jahre begleitet.

Es gab nicht nur lustige Knittelverse, sondern auch tiefsinnige und zeitkritische Reime aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Das Künstlerleben von Joachim Ringelnatz wurde an diesem Abend mit Hilfe seines lyrischen Nachlasses wachgerufen. Bekannte und beliebte Verse zitierte das Dürener Publikum mit. Bei den unbekannten lehnten sich die Komm-Gäste zurück und lauschten einem unterhaltsamen Moderator. „Kennen Sie eigentlich den Sachsenplatz in Berlin?“, fragte Dirk Siedler durch die vollen Reihen im Komm zu Beginn. „Eigentlich müsste er Ringelnatz-Platz heißen“, schlug der gebürtige Berliner vor. Denn genau dort in einem billigen Dachgeschoss mit gerade mal dem Nötigsten zum Leben, schuf der deutsche Schriftsteller, Kabarettist und Maler Joachim Ringelnatz in den wilden 1920er und 1930er Jahren seine bis heute hoch aktuellen und lebendigen Texte. So sind die „Turngedichte“ nicht bloß witzig, sondern persiflieren das nationale Gehabe seiner Zeit.

Die Idee für diese Lesung sei über die vergangenen Jahre gewachsen. Sie entstand durch seine Sehnsucht nach Berlin. Die häufigen Besuche in seiner Heimatstadt brachten den in der Nähe des Sachsenplatzes aufgewachsenen Siedler auf die Idee, Ringelnatz mit seinen damaligen Nachbarn wie den Boxer Max Schmeling oder Komponisten Paul Hindemith wieder lebendig werden zu lassen.

Siedler las vor, im Sitzen, im Stehen, er telefonierte und er sang! Tom Lüttgens schuf kurze Vertonungen von Ringelnatz-Gedichten, die mit anderen Liedern den Abend abrundeten. Oft unterbrach Siedler das Zitieren mit Kommentaren in Berliner Mundart. Ein Abend ganz im Sinne von Ringelnatz. Gedichte wie „Ameisen“, „Der Briefmark“, „Schnupftabakdose“ und „Flughafen“ versetzten das Publikum in längst vergessene, aber irgendwo im Herzen noch lebendig gebliebene Zeiten.

Es war ein lustiger, unterhaltsamer, insgesamt kurzweiliger Abend. Das Publikum erklatschte sich noch ein paar Zugaben und musste dann wieder in die Gegenwart. Die Hundert Jahre alten Verse klangen erstaunlich und auch erschreckend aktuell.

Mehr von Aachener Nachrichten