Merzenich: Auf dem Gebiet „Zwischen den Höfen“ entsteht Morschenich-Neu

Merzenich: Auf dem Gebiet „Zwischen den Höfen“ entsteht Morschenich-Neu

Noch reihen sich östlich von Merzenich Feld an Feld, so weit das Auge reicht, kilometerlang. Von der angrenzenden Landesstraße 264 her führt eine neu gebaute Straße direkt auf dieses Naturgebiet zu, versinkt dann aber nach wenigen Metern irgendwo im Nirgendwo. Das ist die Ruhe vor dem Sturm.

Denn seit dem späten Samstagnachmittag ist es nun ganz offiziell: Dort auf dem Gebiet „Zwischen den Höfen“ wird Morschenich-Neu entsehen.

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich manifestierten Vertreter von RWE Power, dem Land NRW und der Gemeinde Merzenich den Startschuss des Projektes, das mit der Unterzeichnung des Erschließungsvertrages vom 22. August diesen Jahres auf dem Papier schon längst beschlossene Sache ist. Bürgermeister der Gemeinde Merzenich Peter Harzheim bekannte erfreut: „Das ist ein besonderer Moment.“

Erwin Winkel aus dem RWE Vorstand nannte das Ganze „einen wichtigen Meilenstein“ und erklärte: „Die Planungsphase, in der die Morschenicher sich intensiv und überdurchschnittlich beteiligt haben, ist abgeschlossen. Jetzt kann die Bauphase beginnen.“ Viereinhalb Jahre hatten die Morschenicher beraten, diskutiert, geplant — und 77 Prozent von ihnen für den neuen Standort ausgesprochen. Dort beginnt ab dem 2. Dezember 2013 die Umsiedlung. Zuvor soll das Gebiet erschlossen, neue Infrastruktur geschaffen werden. Ein Modell zeigte jetzt schon, wie es dort einmal aussehen wird.

Heimat erst für die Enkel

Einfamilienhaus steht da neben Einfamilienhaus, getrennt durch „Taschenparks“, aufgewertet durch Spielplatzanlagen und das alles angelegt vor einer „Waldkulisse“. Rund 65 Prozent der Grundstücksvormerkungen konnten schon erfüllt werden. Der Vorsitzende des Bürgerbeirates Bruno Rüth fand allerdings klare Worte in Bezug auf das neue Zuhause. „Eine wirkliche Heimat kann das für die ältere Generationen nicht mehr werden, sondern erst für unsere Kinder und Enkelkinder.“ Und das fiel am Samstag immer wieder auf: die Gefühle sind gespalten. Rüth appellierte, man müsse jetzt zusammenhalten, möglichst viele Erinnerungen mitnehmen.

Und auch Winkel unterstrich, dass es nicht nur um materielle Entschädigung gehe, sondern auch um Werte wie Traditionen, Heimat, Erinnerungen. Werte, die — so formulierte es Franz-Josef Lersch-Mense, Staatssekretär des Landes NRW — unwiederbringlich zurück gelassen würden. Hierfür sprach er im Namen der Landesregierung seinen Respekt aus und ging auf die Wichtigkeit des Opfers ein, werde dadurch doch ein Beitrag zur Energieversorgung geleistet.

Als Zeichen der Anerkennung brachte Lersch-Mense einen „Nordrheinwestfalen-Baum“ mit, der irgendwo „Zwischen den Höfen“ gepflanzt werden wird. Irgendwo dort, wo jetzt noch die Felder breit ausgestreckt ruhen, bevor bald die ersten Baumaschinen angerollt kommen und die neue Heimat schaffen.

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