Düren: Auch für Ehrenamtler Führungszeugnis und Präventionskurs

Düren: Auch für Ehrenamtler Führungszeugnis und Präventionskurs

Regionaldekan Hans Doncks spricht von einem „großen, wichtigen Anliegen“. „Ich stehe für eine Institution“, sagt der Pfarrer, „deren Vertreter in Sachen Kindesmissbrauch sehr große Schuld auf sich geladen haben. Es ging der Kirche lange Zeit mehr um den Schutz der Amtsträger als um die Opfer.

Deswegen begrüße ich auch die Präventionsordnung von Bischof Heinrich Mussinghoff sehr.“ Im Rahmen des 2010 verabschiedeten „Bundeskinderschutzgesetzes“ müssen alle Ehrenamtler, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Freiwillige, die im Bistum Aachen in kirchlichen Einrichtungen aktiv sind, müssen zudem noch an einem sechsstündigen Präventionskurs teilnehmen.

In Düren sieht eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem städtischen Jugendamt und allen Trägern der Jugendarbeit ebenfalls die Teilnahme an so einem Kurs vor. Der Unterschied: Ehrenamtler, die bei der katholischen Kirche arbeiten, müssen ihren Dienst quittieren, wenn sie nicht an dem Präventionskurs teilnehmen. „Bei uns“, so Jugendamtsleiter Ansgar Kieven, „ist das kein Ausschlussverfahren. Wir führen zunächst mit den Betroffenen noch ein Gespräch, warum sie nicht an den Kursen teilnehmen möchten.“

Die beiden Jugendbeauftragten des Bistums Aachen für die Region Düren, Elke Androsch und Magdalena Breitkopf, leiten die Präventionskurse der Kirche und haben mit ganz unterschiedlichen Reaktionen der Teilnehmer zu tun. Magdalena Breitkopf: „Viele sind skeptisch, haben Angst, dass sie in Verdacht geraten. Aber im Laufe des Kurses ändert sich die Einstellung plötzlich.“ Inhalte der Schulungen sind unter anderem rechtliche Bestimmungen zum Thema Missbrauch und Gewalt, aber auch Übungen zum Thema Nähe und Distanz.

Breitkopf: „Wir arbeiten mit Fallbeispielen. Und aus den anfänglichen Zweifeln wird schnell ein Aha-Effekt. Nämlich dann, wenn die Teilnehmer verstehen, dass es darum geht, dass wir uns gemeinsam für den Kinderschutz einsetzen.“ Elke Androsch ergänzt: „Letztlich bedeuten die Kurse auch einen Schutz für unsere Ehrenamtler. Weil sie lernen, wie sie sensibel und richtig mit dem schwierigen Thema Kindesmissbrauch umgehen.“

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen haben noch bis Ende Oktober Zeit, ihr Führungszeugnis vorzulegen. Ansgar Kieven: „Wir haben keinen festen Termin vorgeschrieben, sondern von eine ‚angemessenen Frist‘ gesprochen, in der das Zeugnis vorliegen muss.“

„Wir stecken mitten in den Vorbereitungen“, so Jochen Bauer, Vorsitzender des Vereins „Jugend in Langerwehe“. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien informiert worden, langsam trudelten die ersten Führungszeugnisse ein. „Negative Rückmeldungen habe ich nicht bekommen“, so Bauer. „Für unsere Helfer war es nur wichtig, dass sie mit einer entsprechenden Bescheinigung von unserem Verein das Führungszeugnis kostenlos bekommen.“

Auch Wolfgang Bauer und die Mitarbeiter des Thomas-Morus-Hauses im Dürener Grüngürtel stehen in den Startlöchern. „Für Leute, die an Jugendfreizeiten mit Übernachtung teilnehmen oder die Einrichtung auch schon einmal alleine betreuen, ist das Führungszeugnis sehr sinnvoll. Bei Jugendlichen, die nur ab und zu Thekendienst übernehmen, halte ich es für überflüssig.“

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin habe angekündigt, ihren Dienst aufgrund der Kurse und des Führungszeugnisses aufzugeben. „Das mag es in Einzelfällen geben“, so Hans Doncks. „Trotzdem ist das der richtig Weg. Für Kinder müssen wir alles aufbieten, was wir können.“

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