Arbeitsausbeutung von mobilen Beschäftigten beim Forum Politik

Forum Politik Düren im „Komm“-Kulturzentrum : Arbeitsausbeutung von mobilen Beschäftigten

Über 300.000 Arbeitskräfte – stand 2014 mit Tendenz steigend – kommen jedes Jahr aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland um hier zu arbeiten.

Diese sogenannten mobilen Beschäftigten sind oft im Niedriglohnsektor tätig und sind aufgrund fehlender Sprach- und Rechtskenntnis besonders anfällig für Ausbeutung durch den Arbeitgeber.

Dieses Thema griff jetzt der Dürener Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Rahmen einer Veranstaltung in Kooperation mit dem Forum Politik Düren im „Komm“-Kulturzentrum auf. Unter dem Titel „Darf‘s denn noch was billiger sein? Arbeitsausbeutung von mobilen Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ sprachen Justyna Oblacewicz vom Projekt „Faire Mobilität“ des DGB und Johannes Eschweiler vom Selbsthilfenetzwerk „Respekt“ aus Heinsberg.

Beide Projekte beschäftigen sich gezielt mit Arbeitnehmern aus Osteuropa, die immer noch den größten Anteil der mobilen Beschäftigten in Deutschland ausmachen. Justyna Oblacewicz, die selbst die Tochter einer polnischen Einwandererin ist, berichtet von den Problemen, die Arbeitnehmer aus dem Ausland regelmäßig in den insgesamt acht Beratungsstellen der staatlich geförderten Initiative vortragen.

Dazu gehören lange Arbeitszeiten, erhöhte Kosten für unzumutbare Unterkünfte oder schlicht zu geringe oder gar keine Lohnauszahlungen. Betroffene Branchen sind zum Beispiel die Fleischindustrie, die Logistik oder die Betreuung in Form einer 24-Stunden-Pflege. „Oft wissen die Betroffenen gar nicht, dass ihre Arbeitsbedingungen nicht legal sind“, sagt Oblacewicz. „Sie wissen nur, dass sie den Job brauchen, vielleicht sogar um Familie in der Heimat zu ernähren. Da sie meist die Sprache nicht verstehen, können sie sich alleine nicht wehren.“

Selbst der Weg vor das Gericht, erklärt sie, bringe für die Betroffenen nach Abzug der Anwaltskosten meist nur wenig. „Viele wollen nur eine kurze Zeit bleiben, etwas Geld verdienen und dann wieder zurück in die Heimat gehen“, sagt Oblacewicz. „Von dort aus einen Prozess zum Beispiel wegen einer einbehaltenen Lohnauszahlung zu führen, ist nur schwer möglich und mit viel Aufwand und Kosten verbunden.“ Das Projekt „Faire Mobilität“ versucht deshalb für die Betroffenen außergerichtliche Lösungen zu finden. Um die Verständigung zu gewährleisten sprechen die Mitarbeiter insgesamt acht verschiedene Sprachen.

In Heinsberg kümmert sich das Selbsthilfenetzwerk „Respekt“ vor allem um die Belange von meist polnischen Frauen, die in der 24-Stunden-Betreuung tätig sind. Sie haben wenig Freizeit, ein ungeregeltes Arbeitsverhältnis und oft wenig Privatsphäre. Das Netzwerk bietet den Frauen ein regelmäßiges Treffen als Mittel gegen die soziale Isolation, bei denen außerdem Sprachkurse gegeben werden. In Heinsberg werden so insgesamt 80 Frauen untersetzt.

Um die Probleme aber tatsächlich bewältigen zu können, wünschen sich alle Beteiligten für die Zukunft vor allem mehr politisches Engagement. Sie wollen das Thema bei den kommenden Europawahlen intensiv ins Gespräch bringen.

(kim)