Düren: Arbeit des Powervolley-Trainers verblüfft den Trainer des 1. FC Düren

Düren : Arbeit des Powervolley-Trainers verblüfft den Trainer des 1. FC Düren

Die beiden Trainer rechneten: Sie wollten wissen, wie viele Einheiten sie während einer Saison mit ihren Spielern verbringen. Die Zahlen sind imponierend: Bernd Lennartz kommt auf rund 175 Trainingseinheiten und Spiele in Freundschaft, Pokal oder Meisterschaft. Bei Stefan Falter sind es gut 400.

Fußball-Lehrer Lennartz trainierte in der vergangenen noch den FC Düren-Niederau und coacht nun mit Sandro Bergs den Fusionsclub 1. FC Düren. Stefan Falter ist Trainer des Volleyball-Bundesligisten SWD Powervolleys.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung tauschten sich die erfahrenen Übungsleiter aus — über die Vorbereitung auf eine Saison, den Umgang mit Spielern und die Analyse des nächsten Gegners. Hier der Trainer des ambitionierten Mittelrheinligisten, der trotz höherer Ziele für die kommenden Jahre noch unter Amateurbedingungen trainiert, dort der des Erstligisten, der seit vielen Jahren zu den besten Teams der Republik gehört. Die Trainer waren neugierig auf die Arbeit und die Ansichten des anderen.

„Mehr als dreimal Training in der Woche während der Saison können wir von den Spielern nicht verlangen“, stellt Lennartz fest. Der Trainer der Volleyballer schon: An sechs von sieben Wochentagen beschäftigen sich die SWD Powervolleys mit ihrer Sportart. Nur der Sonntag, so der Samstag ein Spieltag ist, ist ein freier Tag, ein Erholungstag für die Aktiven. Und in der Regel stehen bis auf den Tag des Spiels immer zwei Trainingseinheiten an: im Kraftraum, in kleinen Gruppen (zum Beispiel der Diagonalangreifer mit den Zuspielern)oder halt als gesamte Mannschaft. „Wir kennen das nicht anders, wir brauchen das aber auch, um erfolgreich spielen zu können“, sagt Falter.

Es sind die Unterschiede, die die beiden Trainer immer wieder in dem Gespräch verblüffen. Die Volleyballer beginnen drei Monate vor dem ersten Pflichtspiel mit den ersten Trainingseinheiten, die Fußballer nehmen nur sechs Wochen. Aber: „Wir haben ja auch noch eine Winterpause. Und in der haben wir noch einmal sechs Wochen, in denen wir uns auf die Rückrunde vorbereiten“, erzählt Bernd Lennartz. Macht nach Adam Riese auch insgesamt zwölf Wochen.

Und während die Volleyballer auch individuelle Übungen absolvieren — Angreifer schmettern vom Kasten aus über das Netz oder arbeiten mit der Aufschlagmaschine, um die Annahme zu verbessern —, üben die Fußballer immer als Team. Zwar auch in kleinen Gruppen auf kleinem Feld zum Beispiel, auch um Drucksituationen zu erzeugen, aber individuelle Übungen — Ausnahme Torwart — sind die Seltenheit.

Apropos Drucksituation: Dem Mittelblocker im Volleyball bleibt durchschnittlich weniger als eine Sekunde Zeit, um nach dem gegnerischen Zuspiel den Angriff abwehren zu können. Der Fußballer hat dagegen oft zwei Sekunden oder mehr, um zu reagieren. Ein Ballwechsel beim Volleyball dauert durchschnittlich zwölf Sekunden, nur selten 30 oder 40. In diesen wenigen Sekunden gilt es, hellwach zu sein. Beim Fußball kann es sein, dass ein Kicker nicht unbedingt an einem Spielzug beteiligt ist. Und dennoch: Gedanklich abschalten gilt nicht. „Wenn der Gegner beispielsweise über rechts angreift, heißt das ja noch lange nicht, dass unser rechter Verteidiger nicht aufpassen muss“, sagt Bernd Lennartz. Der Defensivakteur hat die Spielszene auf der gegenüberliegenden Seite zu beobachten und Schlüsse für seine Seite zu ziehen — nicht dass sein Kontrahent die richtigen zieht und er keine oder die falschen.

Die Bewertung einer Situation hängt gerade bei den Volleyballern vom intensiven Videostudium ab. Bernd Lennartz staunt, als Stefan Falter ihm erklärt, dass er, sein Co-Trainer und der Scout schon zwölf bis 16 Stunden benötigen, um den kommenden Gegner intensiv zu studieren und ihre Spieler auf ihn einzustellen. Videostudium gibt es beim Mittelrheinligisten nicht. „Wir weisen die Spieler nach dem Freitagstraining auf das Spielsystem, die Stärken und Schwächen des Gegners hin, sonntags konzentrieren wir uns in einer kurzen Ansprache auf unsere Taktik und Stärken.“ Beim Volleyball ist das gänzlich anders: „Du kannst an der Bewegung des Zuspielers erkennen, wohin er den Ball spielt. Du kannst anhand des Videostudiums sehen, wie der Diagonalangreifer in einer bestimmten Situation angreift. Wenn du das schnelle Angriffsspiel des Gegners lesen kannst, hast du beispielsweise als Mittelblocker schon einen Vorteil in der Abwehrarbeit, schließlich bleiben dir ja nur Sekundenbruchteile zur Reaktion.“ Und so erfahren die Spieler — am besten — alles in komprimierter Form, was sie über ihren Gegner wissen müssen, um ihn nach Möglichkeit zu besiegen.

Dies geht aber auch nur, wenn die Spieler Verantwortung übernehmen. Da sind sich die Trainer auch einig: Natürlich übernimmt jeder Spieler Verantwortung, aber jeder Spieler ist eben ein Individuum mit einem bestimmten Charakter. „Du musst Spieler A konkrete Anweisungen geben, Spieler B ist dagegen jemand, der immer situativ die richtige Entscheidung trifft“, sagt Falter. Und Lennartz ergänzt: „Wir brauchen die Typen, die innerhalb eines taktischen Konzepts besonders bei eigenem Ballbesitz improvisieren können.“ Im Fußball, kritisiert er, gehe doch der Individualismus zugunsten einer angepassten Gleichförmigkeit verloren. Wobei den Übungsleitern bei allen hierarchischen Strukturen einer Mannschaft Egomanen fehl am Platze sind: Sie gefährden den Mannschaftssport. Doch wie mit ihnen umgehen? Sie dürfen es zum einen nicht übertreiben, zum anderen ist die Aufgabe der Trainer, den Charakter dieses Spielers den Mitspielern verständlich zu machen, dass er sich ja nicht gegen den Mitspieler an sich richtet: „Du brauchst Persönlichkeiten“, sagt Falter und Lennartz ergänzt: „Den Unterschied musst du dir für die Gruppe nutzbar machen.“

Mehr von Aachener Nachrichten