Düren: Anna Rita Hitaj: Bereits vor der Pause gibt es Bravo-Rufe

Düren: Anna Rita Hitaj: Bereits vor der Pause gibt es Bravo-Rufe

Franz Liszts „Transzendentale Étuden” sind auch über 150 Jahre nach ihrer Entstehung noch ein Ehrfurcht gebietender Prüfstein für die virtuosen Fähigkeiten eines Pianisten.

Dass die erst 18-jährige Anna Rita Hitaj aus Vlora (Albanien) bei ihrem Klavierabend in Schloss Burgau diese Herausforderung mit Bravour bestand, wäre alleine schon beachtlich genug gewesen. Was den Abend zum Ereignis werden ließ, war jedoch die bemerkenswerte gestalterische Kraft, mit der die sympathisch auftretende junge Musikerin das Publikum in ihren Bann zog.

Dabei ließ bereits die Vortragsfolge aufhorchen: der furiose Todesritt der Lisztschen „Mazeppa”-Etude wurde nicht etwa Beifall heischend vor der Pause platziert, sondern ihm folgte entgegen der konventionellen Praxis chronologischer Programmabfolgen Mozarts Sonate in D-Dur KV576. Es spricht für die Bandbreite der pianistischen Ausdrucksmittel der Pianistin, dass ihr persönlich gefärbtes, von lebendiger Klarheit geprägtes Mozartspiel nach dem vorausgegangenen romantisch-virtuosen Gipfelsturm einen so starken Eindruck hinterließ, dass es hierfür bereits vor der Pause etliche Bravorufe gab.

Atemlose Stille

Unbestrittener Höhepunkt des Programms war schließlich die gewaltige Sonate in h-Moll von Franz Liszt, die alleine die zweite Programmhälfte füllte. In welch hohem Maße es der jungen Künstlerin gelang, den riesigen Spannungsbogen des Werkes zu erfassen und ihren Zuhörern zu vermitteln wurde deutlich, als nach dem Verklingen des letzten Tones ein langer Moment atemloser Stille im Saal herrschte bevor die Solistin schließlich mit Standing Ovations gefeiert wurde.

Ehrengast Franz Mohr, der als Cheftechniker bei Steinway in New York über Jahrzehnte unentbehrlicher Wegbegleiter der größten Pianisten von Horowitz bis Glenn Gould war und sich am Vortag seines Geburtstags nicht hatte nehmen lassen, den Flügel im Schloss für das Konzert vorzubereiten, war denn auch voll des Lobes für dieses „wunderbare, ganz natürliche Talent” und dankte Anna Rita Hitaj für ein „unvergessliches Konzert”.

In der Konzertpause hatte der Langerweher Pianist Heribert Koch, der die junge Künstlerin seit viereinhalb Jahren ausbildet, sich in einer kurzen Ansprache an die Zuhörer gewandt, von denen viele inzwischen mit persönlicher Anteilnahme den Werdegang von Anna Rita verfolgen. Als wichtige Wegmarken ihrer Entwicklung nannte er im Rückblick unter anderem ihr Orchesterdebüt unter dem Dirigat von Johannes Esser, das ihr durch die Cappella Villa Duria ermöglicht wurde, sowie ihre Mitwirkung als Stipendiatin der Vereinigten Industrieverbände beim diesjährigen Festival „Spannungen”.

Auf die gespannte Frage nach der weiteren Entwicklung konnte er Erfreuliches vermelden. Für das seit längerem ins Auge gefasste Musikhochschulstudium in Deutschland wurde eine vorzügliche Lösung gefunden: Lars Vogt, der sich kurzfristig entschlossen hat, ab dem beginnenden Wintersemester eine Professur an der Musikhochschule Hannover anzutreten, nimmt Anna Rita in seine spezielle Klavierklasse auf, in der er vier persönlich ausgewählte, herausragend begabte Talente betreuen wird.

Auf weitere Auftritte der Künstlerin darf man also gespannt sein. Ebenso auf das Neujahrskonzert der Cappella Villa Duria am 13. Januar, bei dem Anna Ritas jüngere Schwester Laida mit Chopins Klavierkonzert Nr. 1 zu hören sein wird. Sie war zur großen Freude der Zuhörer von ihrer Schwester zu einer vierhändigen Zugabe auf das Podium gebeten worden.