Düren: Anker Teppiche: Aurel Schoeller setzt Familientradition fort

Düren: Anker Teppiche: Aurel Schoeller setzt Familientradition fort

Es ist nur eine kleine Geschichte am Rande. Als es zum Trauergottesdienst für Markus Schoeller das Vorgespräch mit dem Pfarrer gab, lag in dem Raum ein gesäumter Teppich — ein Erbstück des Pfarrers von seiner Mutter.

„Der Teppich sah aus wie neu“, fiel Aurel Schoeller auf. Dass der Teppich aus dem Hause Anker stammte, versteht sich von selbst. Die Faszination für dieses Produkt treibt den 53-Jährigen mehr denn je um. Aurel Schoeller hat nach dem Tod seines Bruders Markus Schoeller den Beiratsvorsitz des Familienunternehmens übernommen.

Dass sich die beruflichen Wege von Markus und Aurel Schoeller nach dem Tod ihrer Eltern 1987 getrennt haben, hat sich zufällig ergeben. Markus Schoeller war eher technikaffin, Aurel Schoeller selbst sah sich im kaufmännischen Bereich. Nach einer Banklehre und dem Studium der Betriebswirtschaft setzt er ab 1989 ein dreijähriges Förderprojekt bei Anker um. „Danach sollte ich meine Sporen außerhalb des Unternehmens verdienen“, erinnert er sich. Das tat er dann auch. Aurel Schoeller arbeitete für die Firma PFM Medical, dem Betrieb seines Schwiegervaters. Und weil der Ruf von Anker ausblieb, wechselte er 1997 in den Vorstand des Kölner Unternehmens und übernahm im Jahr 2000 den Vorsitz. An dem Verhältnis zu seinem Bruder hat das nie etwas geändert. „Wir waren immer sehr eng befreundet. Allein schon deshalb, weil wir beide Kinder im gleichen Alter haben“, erzählt Aurel Schoeller. Dabei hätten Außenstehende einen ganz anderen Eindruck gewinnen können.

Auf der einen Seite der eher bodenständige, heimatverbundene und konservative Markus Schoeller, auf der anderen Seite der ein Jahr jüngere Bruder, der viele Jahre aktiv im Reitsport tätig war und sich inzwischen im Motorsport tummelt. „Autos und Motoren haben uns beide schon in frühen Jahren interessiert“, relativiert Aurel Schoeller vermeintliche Unterschiede. Nach einem Fahrlehrgang ist der langjährige Fan der Nordschleife am Nürburgring in den Langstreckensport eingestiegen. „Das ist ein richtiger Teamsport und gar nicht elitär. Nur wenn alle Hand in Hand arbeiten, jeder seinen Job korrekt macht und Fehler repariert, kann man erfolgreich sein.“ Und er kann dabei abschalten. Zu 100 Prozent müsse man sich konzentrieren, sagt er, „da denkt man an nichts anderes mehr. Und es gibt da noch dieses Bild, wo Aurel Schoeller in einem japanischen Garten mit einem Samurai-Schwert posiert. Den japanischen Garten hat er in der Kölner Firma angelegt und das Schwert war ein Geschenk eines langjährigen japanischen Partner-Unternehmens, das er anlässlich eines Beitrages über erfolgreiche Mittelstandsunternehmen in die Kamera hielt.

Jetzt hält Aurel Schoeller passend die letzte Anker-Kollektion in die Kamera. Dass die beiden Brüder sich immer über das Familienunternehmen ausgetauscht haben, versteht sich von selbst, zumal auch Aurel Schoeller zu den Gesellschaftern zählte. „Die Rolle meines Bruders bei Anker war sehr strategisch orientiert“, erklärt Aurel Schoeller, der sich selbst als Beiratsvorsitzender eher in der Vermittlerrolle sieht. „Die Geschäftsführung entwickelt die Strategie. Wir diskutieren das im Beirat und sorgen für die entsprechende Rückkopplung“, umschreibt er seine zusätzliche Aufgabe.

Dabei ist die Anforderung durchaus hoch. Entgegen dem Branchentrend hat Anker in den vergangenen Jahren seinen Umsatz gesteigert und dabei insbesondere in seinen beiden Kernbereichen — dem Airlinegeschäft und der Objektausstattung — zugelegt. Und es wurden ehrgeizige Ziele formuliert. Im Airlinegeschäft will man Weltmarktführer werden, zudem hat man den Endkunden ins Visier genommen — wenn auch über einen Umweg. „Wir haben in unseren Kollektionen Bodenbeläge, die auch für den Konsumbereich in Frage kommen“, weiß Aurel Schoeller. Das Problem: Der beste Bodenbelag überzeugt nur dann, wenn er fachgerecht verlegt wird. Deshalb will er den Fachhandel, Raumausstatter und Architekten für die Produkte gewinnen, um so für die Kunden fachgerechte Angebote zu schaffen.

Denn: „Das Markenimage von Anker darf nicht beschädigt werden“, sagt Aurel Schoeller. Und das klingt nicht nach einer neuen Rolle, in die der Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens für medizintechnische Produkte mit 400 Mitarbeitern gerade schlüpft. „Für mich ist es einfach beeindruckend, wie aus einzelnen Fäden so ein Produkt entsteht, und welche hervorragenden Eigenschaften es hat.“ Dieses Produkt weiterzuentwickeln, dazu will Aurel Schoeller seinen Beitrag leisten — und sucht dafür auch neue Verbündete.

Zum Beispiel Dr. Stephan Kufferath, Vorstand der Metallweberei GKD, der ab Januar neu in den Beirat eintreten wird. „Er verfügt über viele Erfahrungen, die für uns sehr hilfreich sein können“, freut sich Aurel Schoeller, zumal beide Unternehmen eine ähnliche Zielgruppe haben und im Bereich Marketing und Vertrieb voneinander lernen können.

Zudem sind beide Firmen familiengeführt. Für Aurel Schoeller bedeutet diese Tradition vor allem soziale Verantwortung und Kontinuität bei den Mitarbeitern. Und Teamgeist. Sein Ausspruch zum Motorsport — Nur wenn alle Hand in Hand arbeiten, jeder seinen Job korrekt macht und Fehler repariert, kann man erfolgreich sein — gilt auch für Anker.

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