Langerwehe: Als einer der letzten Kriegsheimkehrer nach Langerwehe zurückgekehrt

Langerwehe: Als einer der letzten Kriegsheimkehrer nach Langerwehe zurückgekehrt

„Das bin ich. Damals, als ich endlich wieder nach Hause durfte.” Edmund Thelen aus Langerwehe wird am 2. Januar 90 Jahre alt, aber wenn er die alten Fotos von früher betrachtet, wird er auch heute immer noch sehr traurig.

Edmund Thelen ist 1944, also mit gerade einmal 22 Jahren, in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Und ist erst elf Jahre später als einer der letzten im Kreis Düren wieder heil nach Hause gekommen. „Ganz Langerwehe war damals auf den Beinen”, erinnert sich Edmund Thelens Ehefrau Käthe (81). „Ich bin auch von der Arbeit direkt losgefahren, um zu gucken, wie Edmund empfangen wird.”

So richtig hatte damals keiner damit gerechnet, dass Edmund Thelen nach den harten Jahren in Russland noch einmal nach Langerwehe zurückkommen würde. Der mittlerweile verstorbene Unternehmer Franz Schain hatte Edmund Thelen gemeinsam mit Thelens Bruder Willi und Schains Sohn Heinrich im Lager Friedland abgeholt. In einem Korso wurde Edmund Thelen dann durch die Töpfergemeinde gefahren - unter Sirenengeheul und Glockengeläut.

Käthe Thelen: „Dass so viele Leute auf den Beinen waren, hat meinem Mann Mut gemacht. Er hatte ja überhaupt nichts, musste ganz von vorne anfangen. Und das ganze Dorf hat ihm damals wirklich nach Kräften geholfen.” 1941 musste der junge Soldat an die Russlandfront und noch viele Jahre später hat es ihm immer noch die Tränen in die Augen getrieben, wenn er an die Zeit voller Hunger, Durst und den Kampf gegen Malaria und Hepatitis denken musste. „Es war furchtbar für meinen Mann”, sagt Käthe Thelen.

Nachdem die Russen den jungen Langerweher gefangen genommen hatten, warfen sie ihm Sabotage am russischen Volksvermögen vor. Thelen musste die Tat zugeben, um der Todesstrafe zu entgehen, seine Alternative waren 20 Jahre Zuchthaus. Edmund Thelen war im Lager Workuta in der sibirischen Tundra, erst auf Intervention von Konrad Adenauer und SPD-Politiker Carlo Schmidt ist er frei gekommen.

Von den Briefen, die Edmund Thelen während seiner Gefangenschaft an seine Eltern geschrieben hat, hat er einen Teil verwahrt. „Wir durften natürlich nur positive Sachen schreiben, etwas Negatives wäre niemals angekommen.” Und so steht in Thelens Heimatpost immer, dass es ihm gut geht. Allerdings waren seine Eltern tragischerweise schon lange tot, als der erste Brief in Langerwehe ankam. Sie waren 1948 gestorben und hatten ihren Jungen tot geglaubt, weil kein Lebenszeichen von ihm kam.

Nach seiner Heimkehr in die Töpfergemeinde musste Edmund Thelen zunächst für ein halbes Jahr in Quarantäne, um alle seine Krankheiten auszukurieren. Danach hat er als Schlosser bei der Rheinbraun angefangen. Ziemlich schnell hat er bei einem Einkauf auch seine Käthe kennengelernt. „Und wir haben bald geheiratet”, erzählt die 81-Jährige.

„Mein Mann hat sein ganzes Leben lang unter der russischen Gefangenschaft gelitten. Und das nicht nur, weil er ein Auge verloren hat und sehr häufig krank war. Auch psychisch hat ihn das sehr mitgenommen.” Heute lebt Edmund Thelen mit seiner Frau immer noch in der Martinstraße, da wo beide auch aufgewachsen sind. Das Paar hat zwei Söhne und vier Enkelkinder.

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