Albert-Henri de Merode spielt beim Annamarkt in Düren Kaiser Karl V.

Prinz de Merode tritt beim Annamarkt als Karl V. auf : Wenn aus einem echten Prinzen ein gespielter Kaiser wird

Der Bart ist lang genug, sein historisches Gewand fertig. Prinz Albert-Henri de Merode schlüpft am Sonntag in eine ganz besondere Rolle. Zum ersten Mal spielt der 43-jährige Architekt und Familienvater, der mit seiner Familie auf Schloss Merode in Langerwehe lebt, beim großen Umzug im Rahmen des Annamarktes den Kaiser Karl V. – weil der 1531 in der Rurstadt tatsächlich feierlich begrüßt wurde.

Prinz Albert-Henri de Merode ist Teil der Brüsseler Gruppe „Ommegang“, die seit Jahren möglichst detailgetreu die belgische und europäische Geschichte nachspielt. Beispielsweise wird immer Anfang Juli in Brüssel der dortige Einzug Kaiser Karls V. dargestellt, es gibt aber auch Vorführung von „Ommegang“ in Japan. „Mein Großvater mütterlicherseits“, erzählt de Merode, „war Graf Adrien d’ Oultremont. Er war viele Jahre Präsident der Gesellschaft ‚Ommegang’. Da lag es nahe, dass wir schon als Kinder dort mit von der Partie waren.“

Es sei den Verantwortlichen von „Ommegang“ seit jeher wichtig, möglichst authentisch zu sein, und zwar nicht nur, was Aussehen und Kostüme angeht. Albert-Henri de Merode: „Die Kostüme müssen stimmen und möglichst authentisch sein. Deswegen habe ich mir auch den Bart wachsen lassen. Ziel war und ist darüber hinaus aber auch, dass möglichst viele wirkliche Nachfahren der historischen Personen bei den Auftritten dabei sind.“

Als Kind ist Albert-Henri de Merode in die Rolle eines Pagen geschlüpft, als er Student wurde, hat er die Rolle des Grafen Lamoral von Egmond übernommen. „Das ist ein direkter Vorfahre von mir. Graf Egmond war ein enger Vertrauter von Karl V., und er war Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Das ist eine hohe Auszeichnung, die auch meinem Vater zuteil geworden ist.“ Leider hat das Leben von Graf Egmond kein gutes Ende genommen: Nach dem Tod Karls V. wurde er von Herzog von Alba unter anderem wegen seiner Religion in Brüssel zu Tode verurteilt und hingerichtet.

Warum Prinz Alber-Henri de Merode am Sonntag in die Rolle von Kaiser Karl V. schlüpft, ist schnell erklärt. „Normalerweise übernimmt mein Onkel Bernard diese Rolle immer“; erklärt der Prinz. „Aber er war der Meinung, dass es mehr Sinn macht, wenn beim Annamarkt jemand Kaiser Karl spielt, der eine enge Bindung in die Region hat.“ Es sei zudem sicher, ergänzt der Adelige, dass beim Besuch Kaiser Karls V. in Düren auch Vertreter der Familie de Merode dabei waren. „Es gab verschiedene Mitglieder meiner Familie, die den Kaiser regelmäßig bei seinen Feldzügen begleitet haben. Sie waren sicherlich auch in Düren, als der Kaiser dem Annahaupt huldigen wollte.“

Übrigens machen auch die Frau des Prinzen und seine drei Kinder bei der Gruppe „Ommegang“ mit. Gräfin Marie-Christine von Soden-Fraunhofen spielt Sabine von Bayern-Simmern, Hofdame der Königin von Frankreich. Seine Kinder sind Pagen der französischen Herrscherin.

Prinz Albert-Henri de Merode (mit seiner Frau und Sohn Tassilo) kommt mit der Gruppe „Ommegang“ zum Annamarkt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte war für Prinz Albert-Henri de Merode schon immer wichtig. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Familie, einer Adelsfamilie, die im Jahr 1174 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, genauso wie die Auseinandersetzung mit der Geschichte Europas. „Beides ist eng miteinander verbunden“, sagt der 43-Jährige. „Meine Familie hat aber auch Vorfahren in Nordafrika, Mexiko und Asien, das bedeutet, dass wir uns auch mit diesen Regionen der Welt auseinandersetzen.“

Natürlich müssten auch er und seine Familie heute modern leben und nach vorne schauen. „Wir dürfen aber unsere Wurzeln nicht vergessen und müssen unsere Geschichte kennen. Das lernen wir mit Hilfe von Geschichtsbüchern, aber mit Aktionen wie dem Dürener Annamarkt lässt sich die Historie natürlich viel anschaulicher vermitteln.“

Er sei, ergänzt Albert-Henri de Merde, sehr stolz auf seine Ahnen. „Ein Stück weit sind das Vorbilder für mich“, sagt er. „Und es ist natürlich ein unglaublich großes Geschenk und auch eine große Chance, wenn man seine Vorfahren sehr genau bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann.“

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