Birkesdorf: Aktion in Düren soll Obdachlosen zu mehr Würde verhelfen

Birkesdorf : Aktion in Düren soll Obdachlosen zu mehr Würde verhelfen

Frank Lausberg hat getauscht. Seinen Friseursalon in Birkesdorf gegen den Krefelder Bahnhof, seine übliche Kleidung gegen eine schwarze Lederweste und seine Stammkundschaft gegen Obdachlose. Einen Tag lang wusch und schnitt er Bedürftigen die Haare, kürzte ihre Bärte und kam mit ihnen ins Gespräch.

Solchen Aktionen hat sich der Verein „Barber‘s Angel Brotherhood“ verschrieben, dem Lausberg seit einigen Wochen angehört.

70 Friseure haben sich seit November 2016 zusammengeschlossen, um sich für Obdachlose einzusetzen. Mit ihrer Rockerkluft wollen sie provozieren, sagt Lausberg, aber auch die Distanz zu den Bedürftigen klein halten. „Wenn wir auftreten wie Businessleute, machen die zu. So öffnen sie sich uns und erzählen teilweise ihre Lebensgeschichte.“

Der Birkesdorfer hatte an diesem Tag neun Kunden, von denen einige mit Drogen oder Krankheiten zu kämpfen hatten oder die schwieriger familiäre Verhältnisse belasteten. Unter dem Friseurumhang erzählten sie bereitwillig davon, freuten sich über die interessierten Gesprächspartner und die Fürsorge. „Viele sehen danach aus wie andere Menschen“, sagt Lausberg, der es mit Kunden zu tun hatte, die sich teils schon jahrelang keinen Friseurbesuch oder Rasierer mehr leisten konnten. „Ein Mann hat sich bei uns bedankt und sich darüber gefreut, dass er jetzt in der Stadt nicht mehr auf den ersten Blick als Obdachloser erkannt wird“, berichtet der Friseur.

Seine Kollegen haben sogar schon die Rückmeldung bekommen, dass viele mit der gepflegten Frisur neuen Mut gefunden und sich um einen Job oder eine Wohnung beworben haben. „Für uns ist es letztlich nur ein Haarschnitt, aber für sie steckt viel mehr dahinter“, freut sich Lausberg. Mit seiner Arbeit möchte er den Bedürftigen ein Stück Würde zurückgeben. „Sie sollen sich als Teil der Gesellschaft fühlen“, unterstreicht er, und hofft darauf, dass sich nicht nur weitere Friseure der Aktion anschließen, sondern auch andere Gewerke den Verein unterstützen.

Jeder kann helfen

Eigentlich könne jeder etwas machen, ist Frank Lausberg überzeugt. Beispielhaft erzählt er von einem Dürener Unternehmen, das medizinische Waschhauben beisteuert, mit denen die Haare der Obdachlosen gewaschen und desinfiziert werden. Bäcker oder Metzger spendeten bei einer Aktion schon mal Verpflegung, ein Optiker war in Krefeld mit Lesebrillen vor Ort und Privatleute könnten nachschauen, ob sie einen Schlafsack übrig haben.

Neben Betrieben will die „Barber‘s Angel Brotherhood“ aber auch die Bürger erreichen und unter ihnen Bewusstsein und Verständnis für Obdachlose schaffen. Häufig habe man falsche Vorurteile ihnen gegenüber, meint Lausberg. „Unter den 100 Obdachlosen, die in Krefeld zu uns kamen, habe ich keinen kennengelernt, der nach Alkohol stank.“

Mit ihren Aktionen wollen die Friseure deshalb möglichst öffentlichkeitswirksam — und das zukünftig auch im Ausland — in Erscheinung treten. Am liebsten führen sie die Veranstaltungen im Freien durch, damit viele es sehen. Obdachlosen in seinem eigenen Salon zu helfen, kann Lausberg sich nicht vorstellen. „Wir wollen als Verein auftreten und nicht als Einzelkämpfer.“ Düren hat er als Austragungsort für eine Aktion der „Barber‘s Angel Brotherhood“ schon ins Auge gefasst. „An einem Sonntag auf dem Marktplatz oder dem Kaiserplatz — man kann sich vorstellen, was da los wäre.“ Wenn alles nach Plan läuft, wird es im kommenden Jahr soweit sein. Erste Gespräche hat Lausberg dazu bereits geführt.

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