Agnieszka Krieger restauriert zerstörte Gemälde

Restauratorin Agnieszka Krieger : Die Kunst, historische Gemälde zu retten

Es gibt viele Faktoren, die einem Gemälde zusetzen können: Die Zeit, Licht und Staub nehmen den Glanz der Farben, durch Fehler beim Transport können Leinwände zerreißen, Wasser kann üble Spuren auf Malereien hinterlassen: Die schützende Harz-Schicht, der Firnis, zerläuft, Farben blättern ab, Teile der Bilder verschwinden. Restauratorin Agnieszka Krieger kann solche Bilder retten.

In vielen kleinen Schritten, mit vielen „Zaubermitteln“ und in sehr vielen Arbeitsstunden, die meisten davon mit dem Blick durch die Lupe. Sonntag, am Europäischen Tag der Restaurierung, hat sie in ihrem Atelier  Einblicke in die Kunst der Restaurierung von Gemälden gegeben und den Besuchern erklärt, wie historische Bilder konserviert oder zu frischer Farbenpracht gebracht werden können.

„Nach 20 bis 30 Jahren entsteht auf Gemälden ein Schleier. Die schützende Firnisschicht wird gelblich bis braun und verfälscht die Originalfarben“, erklärt die diplomierte Gemälderestauratorin. Mit speziellen Lösungsmitteln entfernt sie den Firnis und macht die Originalfarben wieder sichtbar, die dann eine neue Schutzschicht bekommen. Das Wissen um Materialien ist dabei sehr wichtig, denn die Mittel dürfen die oftmals bis zu 200 Jahre alten Bilder – das älteste, das Agnieszka Krieger restauriert hat, stammte aus dem 15. Jahrhundert – nicht beschädigen. Und wenn es das richtige Mittel nicht gibt, dann kann ein Bild nicht restauriert werden. „Vielleicht gibt es in 20 Jahren ein besseres Mittel“, erklärt Krieger. Das Wichtigste sei der Erhalt dieser Zeitzeugnisse und Kunstwerke. Vor allem bei Gemälden aus Museen gehe es oftmals um Konservierung, bei Gemälden von Galerien oder Privatleuten sei hingegen häufiger auch das Retuschieren gefragt. „Dabei kommt es darauf an, wirklich nur die nötigen Bereiche farblich zu ergänzen und das Bild soweit wie möglich im Originalzustand zu belassen“, schildert Krieger. Für diese Arbeit muss die Restauratorin mit einer Lupenbrille auf jedes Detail schauen und mit feinsten Pinseln und Spezialfarben sehr vorsichtig agieren. Manche Werkzeuge im Atelier erinnern an eine Zahnarztpraxis.

Muss denn eine gute Restauratorin auch eine gute Malerin sein? „Ja, denn es geht ja auch darum, vielleicht einmal eine Hand in einem entsprechenden Kunststil zu ergänzen“, erläutert Krieger und verdeutlicht, dass auch umfangreiches Wissen um Kunstepochen, Stile und Farben erforderlich sei und hinter vielen Restaurierungsarbeiten auch viel Recherchearbeit stecke. In ihren vielen Schränken sind neben etlichen Büchern auch historische Farbpigmente zu finden.

Bei Gemälden, deren Farbe sich vom Untergrund (Holz, Leinwand, Metall, Seide oder Elfenbein) löst, geht es zunächst darum, die Farbe wieder zu fixieren. Erst dann kann Agnieszka Krieger den Firnis lösen, Lücken kitten und retuschieren. Manchmal tauchen in diesem Prozess Details auf den Bildern auf, die zuvor gar nicht mehr zu erkennen waren.

Ein bisschen wehmütig ist Agnieszka Krieger bei jedem Bild, das ihr Atelier wieder verlässt, schließlich steckt in jedem Gemälde dann auch ein bisschen von ihr.

(smb)