Düren-Birkesdorf: Acht Weltkriegs-Bomben in Düren erfolgreich entschärft

Düren-Birkesdorf : Acht Weltkriegs-Bomben in Düren erfolgreich entschärft

„Wir wissen, wie Düren nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat. Und wir wissen, dass es hier noch viele Blindgänger gibt, also müssen wir mit einer solchen Situation immer rechnen“, sagt Wilfried Kesseler. Am Mittwochmorgen hatte die Feuerwehr an seiner Haustür an der Kettelerstraße geklingelt und ihm mitgeteilt, dass er umgehend sein Haus verlassen soll.

Feuerwehrautos mit Lautsprecheransagen fuhren durch die Straßen, Polizisten, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Feuerwehrleute schritten jedes Haus ab. Alte und behinderte Menschen wurden von Hilfsdiensten zur Sammelstelle an der Matthias-Claudius-Schule gebracht.

Acht Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hat der Kampfmittelräumdienst bei den Untersuchungen des Neubaugebietes zwischen der B56 und Birkesdorf gefunden. 2500 Menschen leben im Gefahrenbereich. Foto: Martin Mühlner

Angespannte Stimmung

Acht Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg wurden bei den Untersuchunge ndes Neubaugebietes zwischen B 56 und Birkesdorf gefunden asdf.

„Es ist schon ein beklemmendes Gefühl“, sagt Inge Heinzelmann, die ebenfalls an der Kettelerstraße wohnt. „Aber die Evakuierung ist wirklich gut organisiert.“ Die Stimmung in der Sammelstelle ist angespannt, so eine Evakuierung ist mit Aufregung verbunden — und der Sorge, ob auch wirklich alles gutgeht, damit man am Abend wieder in die eigenen vier Wände zurückkehren kann. Ein bisschen mehr an Informationen über den zeitlichen Ablauf oder über den genauen Fund hätten sich manche Evakuierte aber schon gewünscht.

Acht Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hat der Kampfmittelräumdienst bei den Untersuchungen des Neubaugebietes zwischen der B56 und Birkesdorf gefunden. 2500 Menschen leben im Gefahrenbereich. Foto: Martin Mühlner

Acht amerikanische Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg hatte der Kampfmittelräumdienst bei der Untersuchung des Neubaugebietes in den vergangenen Tagen entdeckt. Eine Anzahl, die selbst für erfahrene Kampfmittelräumer nicht alltäglich ist. Am Dienstagabend schon hat die Stadt mit den Vorbereitungen für die große Evakuierung begonnen.

Eine Kita in der Nähe des Fundortes blieb geschlossen, das Krankenhaus in Birkesdorf lag nur knapp hinter der Grenze des zu evakuierenden Bereichs. Die B56 musste zwischen Thomas-Mann-Straße und Schoellerstraße/Kreuzung Eisenbahnstraße für einige Stunden gesperrt werden, auch der dort angrenzende Baumarkt und alle anderen Geschäfte mussten schließen. Bei Arnoldsweiler kam es auf der Umleitungsstrecke phasenweise zum Stillstand.

2500 Menschen wohnen in dem Gefahrenbereich. Viele von ihnen waren allerdings außer Haus, als die Evakuierung am Morgen begann. Aysel Sahintürk hingegen kam gerade von der Arbeit, als sie um ihr Haus herum nur Polizisten und Feuerwehr sah. Nach dem ersten Schock machte sie sich auf den Weg zu ihrem Vater, um den Tag dort zu verbringen. In der Sammelstelle hatten sich letztlich nur etwa 100 Personen eingefunden, die meisten waren bei Freunden und Verwandten untergekommen. Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr waren nach Angaben der Stadt Düren mit etwa 100 Kräften im Einsatz.

Während die Evakuierung lief, legten die Experten die Blindgänger auf dem Feld frei und analysierten die Bomben, deren Zünder und den Zustand: 125 bis 250 Kilo waren die amerikanischen Bomben schwer. „Das ist eine sehr übliche Größenordnung“, erklärt Wolfgang Wolf vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung. Alltag für die Experten.

15 Minuten pro Bombe

Sorge bereitete den Kampfmittelbeseitigern zunächst nur eine Fünf-Zentner-Bombe, die sich in einem „desolaten Zustand“ befand. Bei den anderen waren die Zünder noch intakt, so dass die Experten Reinhard Dohmen und Stefan Horeth zuversichtlich waren, sie in jeweils 15 bis 20 Minuten entschärfen zu können. Dieser Plan ging dann selbst bei dem Sorgenkind auf.

Mit der Gefahr ihres Berufes gehen die beiden und ihre vier Kollegen lässig um, waren auch vor der Entschärfung noch zu Scherzen aufgelegt, um danach „mit klarem Kopf, technischem Sachverstand, Zuverlässigkeit und der nötigen Ruhe“ — wie es ihr Chef Wolf formulierte — zu arbeiten. Gegen 13.40 Uhr konnten die Experten mit der Entschärfung beginnen, auch der Luftraum über dem Bombenfundort war zu diesem Zeitpunkt gesperrt. Schon um 15.25 Uhr gaben die Kampfmittelbeseitiger grünes Licht. Die Bomben waren entschärft, wurden verladen und zu einem Fachbetrieb gefahren, der die Bomben zerlegt und entsorgt.

Ungewöhnlich für die Fachleute: Bei zwei Bomben war die amerikanische Beschriftung noch gut zu lesen. „Normalerweise sind die vollkommen verrostet“, ordnet Wolfgang Wolf ein.

Gegen kurz nach 16 Uhr konnten alle Birkesdorfer Anwohner zurück in ihre Häuser. Monika Koslowski, die von ihrem Haus an der Straße „Zur Kesselkaul“ aus die Fundstelle sehen kann, war wie alle anderen froh, dass dieser aufregende Tag ein gutes Ende genommen hatte: „Ich habe mich neulich noch mit einem Nachbarn über das Neubaugebiet unterhalten. Da hier immer nur Feld war, hatten wir nicht damit gerechnet — trotz der traurigen Geschichte der Stadt Düren.“

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