Acht Raderlebnisse am Ufer der Rur im Kreis Düren

Baubeginn 2019, Fertigstellung 2020 : Acht Raderlebnisse am Ufer der Rur im Kreis Düren

Schön ist eine Fahrradtour auf dem Rurufer-Radweg schon jetzt, in Zukunft soll sie aber zu einem Raderlebnis werden – im Kreis Düren, aber auch weiter flussauf- und -abwärts in den Nachbarkreisen.

Die Region will den Radweg entlang entlang des Flusses aufwerten – baulich und inhaltlich – und ihn gemeinsam vermarkten, um auch wirtschaftlichen Nutzen aus der ansprechenden Strecke durch schöne Natur zu ziehen. Um einheitliche Qualitätsstandards zu gewährleisten, hat der Kreis Düren mit den Bürgermeistern vereinbart, dass er die Unterhaltung und Verkehrssicherungspflicht auf der 80 Kilometer langen Stecke durch das Dürener und Jülicher Land übernimmt.

Im Sommer 2020 sollen das „Raderlebnis Rur“ fertig sein und in diesem Jahr die Bauarbeiten beginnen. Sie sind am Radweg selbst vor allem im Bereich Eschauel am Rursee bei Schmidt, auf Kreuzauer Gemeindegebiet und in Jülich an der Zuckerfabrik vorgesehen.

Neuer Weg parallel zur B56

In Jülich müssen Radler bislang ein ganzes Stück abseits der Rur entlang des Forschungszentrums einen Umweg in Kauf nehmen. Das soll in Zukunft nicht mehr nötig sein, da ein 1350 Meter langer asphaltierter Radweg parallel zur B56 (zwischen Zuckerfabrik und Altenburg) gebaut werden soll. „Der bietet den Radfahrern mehr Sicherheit und zudem haben sie von dort immer wieder Aussichten auf die Rur“, erklärt Anne Schüssler von der Kreisverwaltung. Direkt entlang der Rur könne kein Weg gebaut werden, da es sich um ein Schutzgebiet handele.

Im Bereich Eschauel ist der Radweg teilweise von Wasser ausgespült worden und in keinem guten Zustand: Der Weg soll von grundauf verbessert und auf einem Abschnitt mit einer Asphaltdecke versehen werden. „Wir asphaltieren so wenig wie möglich, aber da wo es unbedingt nötig ist, müssen wir das tun“, betont Walter Weinberger, Leiter des Amtes für Keisentwicklung. Die Arbeiten seien mit der Naturschutzbehörde und dem Beirat besprochen worden. Zudem wird im Bereich Eschauel ein Geländer als Absturzsicherung gebaut.

In Kreuzau steht kein einzelner großer Abschnitt im Fokus, dort geht es um mehrere Einzelabschnitte, in denen der Weg erneuert werden muss: Zum Beispiel an den Drei Erken und am Monte-Mare-Schwimmbad. Später soll nach Angaben der Kreisverwaltung – außerhalb des jetzigen Fördertopfes – auch in Linnich am Radweg gearbeitet werden. Für die Baumaßnahmen sind bislang 680.000 Euro eingeplant, wegen der großen Auslastung der Tiefbauunternehmen ist eine Kostensteigerung jedoch wahrscheinlich. Genauer werden das die Ergebnisse der Ausschreibungen zeigen. Doch derzeit werden noch die Genehmigungsunterlagen erstellt.

Neben der Qualität des Weges geht es aber auch um dessen thematische Aufwertung, die für die ganze Strecke von einem Spezialbüro in Abstimmung mit den Behörden erarbeitet wurde und an deren Details noch weiter gefeilen wird. Der Rahmen aber steht: An acht Stellen im Kreis sollen Erlebnisorte aufgebaut werden. Oberthema für diese Orte ist der Begriff „Wandel“. Schließlich unterliegen Natur, Kultur und Industrie entlang der Rur der stetigen Veränderung. An diesen Orten sollen die Radfahrer verweilen und ausruhen und gleichzeitig etwas erleben und erfahren können. Dabei sollen die Erlebnisorte ganz unterschiedlich ausgestaltet sein und Informationen auf verschiedene Weisen vermittelt werden – zum Hören, Anfassen oder Lesen.

Am Jugendstilkraftwerk in Heimbach geht es um die Elektrifizierung der Eifel, in Abenden wird der Blick auf die Natur und den Uhu als ihren Bewohner gelenkt, in Zerkall wird die Silhouette eines Försters mit Hund die Wiederansiedelung des Bibers erklären, bei der Firma Hoesch in Kreuzau erzählt die Figur der Hermine Hoesch etwas über die Industriekultur.  In Düren steht das Papier im Mittelpunkt, in Schophoven sind Strukturwandel und Tagebau Thema. In Linnich ist eine Ruhezone am Wehr geplant. Zuvor in Jülich wird Herzog Wilhelm zu Wort kommen, und über Stadtplanung und Wiederaufbau informieren. Dazu soll ein historisches Stadtmodell aus Flusskieseln neugierig auf die Stadt machen und zu einem Abstecher animieren.

Geld soll in die Region fließen

Und das ist ja auch das Ziel der gesamten Maßnahme: „Wir verbessern die Qualität des Radweges, um die Menschen dazu zu bewegen, länger zu bleiben, die Angebote der Region zu nutzen“, erklärt Weinberger. Die Radfahrer sollen Wertschöpfung in die Region bringen, hier also einkehren und übernachten, vielleicht etwas kaufen. Die Betriebe sollen von den Investitionen in den Radweg profitieren. Und dabei hat der Kreis vor allem die Tourenfahrer im Blick.

„Bei solchen Touren betragen die Etappen meistens 40 bis 50 Kilometer“, erklärt Weinberger. Bei 80 Kilometern Radweg im Kreis gebe es also durchaus das Potenzial für zwei Übernachtungen. Mit einem professionellen Marketing des gesamten Weges in NRW sollen vor allem solche Tourenfahrer angesprochen werden – und im „Idealfall nehmen auch Anbieter von Radreisen mit Gepäcktransport die Strecke in ihr Angebot auf“, hofft Weinberger

Auf dem Ruradweg soll es acht neue Erlebnisorte geben.

Derzeit gibt es aber noch nicht überall ausreichend gastronomische Angebote am Rurufer-Radweg. Von der Eifel bis Düren gibt es zahlreiche Möglichkeiten, von Düren bis Jülich ist es aber ebenso wie zwischen Jülich und Linnich überschaubar.  „Wir haben erste Gespräche mit Gastronomen über mobile Lösungen im Nordkreis geführt“, erklärt Anne Schüssler. Und das Monte-Mare-Schwimmbad in Kreuzau beispielsweise plant schon den Ausbau des Biergartens in unmittelbarer Nähe zum Radweg.

Mehr von Aachener Nachrichten