Düren: Aberwitzige Situationen aus dem Polizei-Alltag

Düren: Aberwitzige Situationen aus dem Polizei-Alltag

Witze über den Slang meist jugendlicher männlicher Migranten zu machen - das ist wie Fische aus einem Glas zu angeln. Es funktioniert immer, ist aber wenig originell. Murat Topal arbeitet mit diesen Klischees, versumpft aber nicht in ihnen.

Der Migrationshintergrund des Deutsch-Türken aus Berlin-Neukölln ist zwar sein Sujet, doch Topal ist anders als die vielen Ethno-Comedians.

Vielleicht liegt es an seiner Vergangenheit als Polizist in Berliner Problemvierteln: Der Kabarettist berichtet von seiner erlebnisreichen Arbeit in den sozialen Brennpunkten der Hauptstadt und von den skurrilen Figuren, die ihm dabei begegnen.

Davon hat Berlin einige zu bieten, und wer hin und wieder die Polizeiberichte der „DN” studiert, weiß, dass Beamte auch schon mal mit kuriosen Situationen konfrontiert werden. Topal zählt eins und eins zusammen und erhält aberwitzige Situationen, die der Polizei-Alltag in Berlin-Kreuzberg schrieb.

„Eine wahre Geschichte”

„Ihr glaubt nicht, was da los war”, fängt Murat Topal beispielsweise an zu erzählen, um gleich hinterher zu schieben „eine wahre Geschichte, wie alles, was ich erzähle”. Etwa die vom türkischen Gemüsehändler Üsküdar, der mit seiner Großfamilie im Kleintransporter unterwegs ist oder die vom Kreuzberger „Hochadel-Pärchen”.

Mit enormer körperlicher Präsenz und sprachlicher Wandlungsfähigkeit versetzt er sich in diese Typen hinein und bringt die 120 Besucher im ausverkauften Komm-Zentrum zum Lachen. Etwa wenn er mit zu großer Bomberjacke und halb aufgesetztem Baseball-Cap die halbstarken Gangster-Rapper imitiert. Oder wenn auf einem türkischen Basar der archetypische Osmane plötzlich anfängt zu schwäbeln.

Nun offenbart sich bei Witzen über deutsche Minderheiten zwar erneut das eingangs erwähnte Problem, doch gleichzeitig zeigt es den Charme von Murat Topals Kabarett: Denn anders als viele seiner Kollegen gibt Murat Topal seine Figuren nicht der Lächerlichkeit preis, es ist kein boshafter Humor, den der Kabarettist an den Tag legt. Er findet stets die Balance zwischen pointiertem Witz und liebevollen Blick auf die Bewohner des Kiez (oder eben des türkischen Basars).

Ironisch gebrochen

Insofern passte es auch, dass der Auftritt bei der interkulturellen Woche stattfand. Der ehemalige Polizist präsentierte zwar kein politisches Kabarett, aber Denkansätze und einen ironisch gebrochenen Blick auf das Milieus.