Heimbach: 60 machen mit beim Spaziergang in die Heimbacher Geschichte

Heimbach: 60 machen mit beim Spaziergang in die Heimbacher Geschichte

„Wir sind hier in Vlatten an einem Ort, der europäische Bedeutung hatte. Ein Ort, an dem Kaiser und Könige residierten.”

Mit diesen Worten erregte Archäologin Petra Tutlies, Leiterin der Nideggener Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege, größte Aufmerksamkeit. Rund 60 Zuhörer ließen sich von ihr in die ruhmreiche Vergangenheit des Dorfes entführen.

Auf Einladung des Vereins „Die junge Alten Heimbach” war Petra Tutlies in die Rolle einer Wanderführerin geschlüpft. Beim „1. Spaziergang in die Heimbacher Geschichte” führte sie ihre Zuhörer durch Vlatten und erregte schon gleich zu Beginn Erstaunen: „Die Pfarrkirche aus dem Jahr 893 ist St. Dionysius geweiht, einem Heiligen, mit dem sich die Karolinger sehr verbunden gefühlt haben. Da es Altartreue gibt, nehmen wir an, dass unter der heutigen Vlattener Kirche eine Kapelle der Karolinger liegt.”

Und das ist sicher: Im 9. Jahrhundert gab es nur sehr wenige Pfalzen im Rheinland, die Kaiser oder Könige aufnehmen konnten. Vlatten ist beispielsweise von Lothar I., einem Sohn Karls des Großen, besucht worden, weil der Ort einen Vorteil bot: Der nahe Kermeter lud zur Jagd ein.

Doch nicht nur zur Karolingerzeit war Vlatten ein wichtiger Siedlungsplatz. Beim Spaziergang durchs Dorf erläuterte Petra Tutlies, dass der älteste Fund - eine nicht fertig gestellte Beilklinge - auf eine Besiedlung bereits um 3000 v. Chr. hinweist. Aus römischer Zeit ist ein Altar, der Göttin Sunuxsal geweiht, nennenswert.

Ein Besuch der Vlattener Burgen entführte die Zuhörer in die Zeit, „wo Ritter, eisengepanzert, sich schwangen allhier zu Pferd”, wie Heimatdichter Joseph Schwer so anschaulich getextet hat.

Und auch da kann Vlatten eine Besonderheit aufweisen: Das Dorf zählt zu den wenigen Orten mit gleich zwei Burgen aus dem Spätmittelalter.

So interessant waren die geschichtlichen Einblicke, dass sich alle Mitwanderer, darunter auch Mitglieder des Vlattener Bürgervereins, beim geselligen Abschluss einig waren: Die „Heimbacher Spaziergänge in die Geschichte” werden fortgesetzt.

Archäologin Petra Tutlies will die „Jungen Alten” und ihre Gäste im Herbst durch Hausen führen.

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