Düren: 50 Jahre Bildungsforum: Von der Brautschule zum Männerkochkurs

Düren: 50 Jahre Bildungsforum: Von der Brautschule zum Männerkochkurs

„Wir geben jungen Mädchen und Frauen Gelegenheit, ihre weiblichen Anlagen zu wecken und zu fördern, für ihre Aufgaben in Ehe und Familie.“ Dieser Satz stand vor ziemlich genau 50 Jahren in einem Schreiben des Caritasverbandes Düren an den Landschaftsverband Rheinland. Der Caritasverband brauchte nämlich Unterstützung.

Finanzielle Unterstützung genauer gesagt. Für die gerade gegründete „Mütterschule“ Düren. Und erklärte in eben diesem Schreiben, Sinn und Zweck einer Einrichtung für die Rurstadt.

Die Mütterschule gibt es noch heute. 50 Jahre später heißt sie „Katholisches Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Düren-Eifel“ — und zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehören längst auch Männer zu den Kursteilnehmern.

Für Bräute und junge Frauen

„Angefangen“, schmunzelt Helga Conzen, seit 1995 Leiterin der Einrichtung „hat hier wirklich alles als Bildungsangebot für Bräute und junge Frauen.“ Damals, so die gelernte Industriekauffrau weiter, habe es sogar den Kurs „Von der Jungfrau zur Ehefrau“ gegeben. „Das wäre natürlich heute undenkbar“, sagt Helga Conzen. „Aber schon im ersten Jahr waren die Kurse in der Mütterschule zum Teil überbelegt.“

Was vor 50 Jahren mit zehn Kursen und einem Jahresetat von 5439,12 Mark begonnen hat, hat sich im Laufe von fünf Jahrzehnten zu einem breiten Angebot von rund 1000 Veranstaltungen, rund 12.000 Teilnehmern (8000 Erwachsene und 4000 Kinder) sowie 14 fest angestellten Mitarbeitern und 350 Honorarkräften entwickelt. „Natürlich kommen nicht alle Veranstaltungen zustande“, sagt Helga Conzen. „Um die 15 Prozent finden nicht statt.“

Noch immer liegt ein Schwerpunkt des Angebots auf der Familienbildung. Nach der Fusion mit dem Bildungswerk für Erwachsenenbildung, das seinen Sitz in der Kölnstraße hatte, gibt es aber beispielsweise auch Bildungsreisen und Exkursionen sowie die Möglichkeit, ein Fernstudium in Theologie zu absolvieren.

Die Kurse im Bereich Familienbildung sind ganz stark von Trends abhängig. In den 90er Jahren „gab es unzählige Seidenmalkurse, aber auch Makramee und Töpfern. Eine Veranstaltungsreihe über Heilpilze hat sich vor Jahren als echter Renner erwiesen, auch Hausgeburten war eine Zeit lang ein großes Thema.

Kochkurse boomen wieder

Heute boomen Koch- und Nähkurse wieder. Aber auch Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildungsgymnastik und Eltern-Kind-Gruppen haben einen wichtigen Stellenwert. Wir werden immer kreativer“, sagt Helga Conzen, „gerade auch vor dem Hintergrund, dass unsere Zuschüsse immer geringer werden.“ Die Kurse müssen immer mehr durch die Teilnehmer finanziert werden, die Gebühren sind für die Leute in den vergangenen Jahren auch gestiegen. „Wir versuchen“, so Conzen, „uns an den Preisen der Volkshochschule zu orientieren. Und meistens gelingt das auch.“

Seit einigen Jahren ist das Forum für Erwachsenen- und Familienbildung ein Mehrgenerationenhaus. Kinder machen hier Hausaufgaben und werden dabei von Senioren betreut, umgekehrt zeigen Schüler der Realschule Bretzelnweg älteren Menschen, wie der Umgang mit Computern funktioniert. Im „Café Vergissmeinnicht“ werden Menschen mit Demenz für einige Stunden betreut, damit ihre Angehörigen, wie Helga Conzen sagt, „auch einmal Zeit für sich selbst haben, Luft schnappen können“.

Gesellschaftliche Veränderungen

Die 50-jährige Leiterin des Forums findet es spannend zu sehen, was aus Kursen entsteht. „Mütter die vor 25 Jahren mit ihren Kindern zu einer Krabbelgruppe in unsere Einrichtung gekommen sind, haben sich seitdem jeden Monat getroffen. Später natürlich auch ohne Kinder. Und bei uns haben sie dann wieder ihren Geburtstag gefeiert. Es ist einfach schön zu sehen, was aus solchen Kursen auch entsteht.“

Auch gesellschaftliche Veränderungen zu beobachten, sei spannend. „Früher blieben die Mütter mit ihren Kindern drei Jahre bei uns in den Krabbelgruppen. Heute ist das viel kürzer, weil die Frauen früher wieder arbeiten gehen. Auf diese Dinge müssen wir reagieren.“ Genau wie auf die Bedürfnisse der männlichen Kursteilnehmer. „Die gibt es wirklich ganz stark“, so Conzen. „Vor allem unsere Männerkochkurse sind echt der Renner.“