Teilchenphysik: 17-jähriger Dürener forscht am CERN

Teilchenphysik : 17-jähriger Dürener forscht am CERN

Mit 17 Jahren fährt Stefan Krischer schon zum zweiten Mal von Düren zum CERN. Sein erster Besuch bei der Europäischen Organisation für Kernforschung im schweizerischen Kanton Genf war um Ostern und dauerte einige Tage. Nun bleibt er fast zwei Wochen dort und wird selbst an einer wissenschaftlichen Fragestellung arbeiten.

Krischer hat im Sommer sein Abitur am Wirteltor-Gymnasium mit Bestnoten bestanden, nach dem Ende seiner Schulzeit aber noch keine Langeweile bekommen: „Ganz im Gegenteil“, sagt er und lacht. „Ich habe fast mehr zu tun denn je.“ Grund dafür sind seine Ehrenämter. Stefan Krischer ist in der Grünen Jugend aktiv, Jugendbetreuer in der Evangelischen Gemeinde und engagiert sich auch noch in der Bezirksschülervertretung.

Eigener Forschungsschwerpunkt

Dort wird er nun ein wenig kürzertreten, denn am Samstag geht es zum CERN. Den Weg dorthin fand der physikinteressierte Dürener über eine sogenannte Masterclass im Januar 2017. Seine Lehrerin veranstaltete diesen Tag, der im Zeichen der Teilchenphysik stand, am Wirteltor-Gymnasium. Für Krischer, der sich schon vorher ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, stand anschließend fest: „Das will ich weitermachen!“

Er fand Zugang zu dem sogenannten „Netzwerk Teilchenwelt“. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium gefördert, bringt Jugendlichen und Studierenden die aktuelle Forschung näher und vermittelt Kontakte zu Wissenschaftlern. Als nächsten Schritt nahm Krischer als Tutor bei einer Masterclass teil und durfte dann das CERN besuchen.

„Wir haben dort alles gezeigt bekommen und ein kleines Experiment machen dürfen.“ Einmal im Jahr findet dort eine Projektwoche statt, wie die, die Stefan Krischer nun besuchen wird. Mit vier anderen jungen Deutschen nimmt er daran teil.

Stefan Krischer studiert bald Physik. Foto: Wel

Jeder der Fünf hat einen eigenen Forschungsschwerpunkt. Seinen hat Stefan Krischer in den vergangenen Monaten mit einem Doktoranden der RWTH Aachen entwickelt. Er interessiert sich besonders für den Bereich Experimentalphysik. Wer dabei aber an die Experimente aus der Schulzeit denkt, hat weit gefehlt. Dahinter stecken viel Computerarbeit und aufwendige Datenanalysen.

Während die anderen deutschen Teilnehmer ausschließlich Datenanalysen machen, möchte Krischer auch schrauben. „Mir ist wichtig, am CERN nicht nur am Computer zu arbeiten, sondern auch selbst einen Detektor zu bauen“, erklärt er.

Der 17-Jährige hatte selbst schon einen eigenen kleinen Detektor gebaut, stellte aber an der RWTH fest, dass er damit drei Jahre hätte detektieren müssen, um ein bestimmtes Elementarteilchen zu sehen. Am CERN bleiben ihm aber nur knapp zwei Wochen.

Täglich an der RWTH

Deshalb schwenkte Krischer um, änderte seinen Fokus und entwickelte an der RWTH einen anderen Detektor. In den vergangenen zwei Wochen war er fast täglich dort, arbeitete nicht selten zehn Stunden in der Uni und setzte sich abends noch zu Hause hin, um an einem Programm zu schreiben. „Ich habe mir zwei neue Programmiersprachen beibringen müssen“, führt Krischer aus.

Neben den fachlichen Erkenntnissen freut sich der Abiturient auch auf die Bekanntschaften, die er in der Schweiz machen wird. „Bei meinem letzten Aufenthalt am CERN habe ich meine Freundin kennengelernt“, erzählt er grinsend. Nach der Schweiz und einem Besuch bei ihr geht es für ihn immer wieder auf Reisen. Der Plan: mit der Bahn quer durch Deutschland. 100 Ziele stehen schon auf der Liste — darunter Städte, aber auch Naturparks. Und dann startet im Wintersemester 2019 sein Studium in Aachen. Physik, versteht sich.

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