16 Kilometer voller Höchstspannung im Kreis Düren: neue Freilandleitung

Neue Freiland-Leitung ab Oberzier geplant : 16 Kilometer voller Höchstspannung im Kreis Düren

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion kündigt neben der 50-Millionen-Euro teuren und bis 2023 laufenden Ertüchtigung der Umspannanlage Oberzier und dem um ein Vielfaches teureren Bau der ersten deutsch-belgischen Strombrücke („Alegro“) zwischen Oberzier und Lixhe bis Ende 2020 ein weiteres Großprojekt in der Region an.

Zwischen der Umspannanlage Oberzier und dem Verteilpunkt Blatzheim soll bis zum Jahr 2025 für rund 30 Millionen Euro eine neue Höchstspannungsfreileitung gebaut werden, um das Stromnetz zukunftssicher zu machen.

Die neue Trasse, rund 16 Kilometer lang, mit bis zu 65 Meter hohen Strommasten und vier Höchstspannungsstromkreisen (380 kV) soll eine bestehende Freileitung mit zwei Stromkreisen ersetzen, die ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat und nicht mehr ausgebaut werden kann. Gründe sind der ständig steigende Anteil regenerativer Energien sowie der internationale Stromhandel, wie Amprion-Projektleiter Ulrich Mußmann und seine Kollege Danny Evert erklären.

Dazu komme, dass eine Leitung von Oberzier in den Rhein-Erft-Kreis (Mönchskaul) aufgrund des Tagebaus Hambach bereits weichen musste. Um die Versorgungssicherheit nicht nur im Raum Niederzier-Merzenich-Kerpen, sondern in der ganzen Region Aachen und im benachbarten Rhein-Erft-Kreis zu gewährleisten, sei der Neubau daher absolut erforderlich.

Die Verantwortlichen von Amprion haben in den vergangenen Monaten unter Beteiligung eines externen Fachbüros drei mögliche Trassenführungen ausgearbeitet, mit denen sie im Sommer ins sogenannte Raumordnungsverfahren bei der Bezirksregierung Köln gehen wollen. Bei diesem ersten Schritt wird ausgelotet, welcher der drei Korridore der geeigneteste ist.

Foto: ZVA/Grafik

Die erste Variante verläuft parallel zur bisherigen Trasse und würde damit weiterhin ein im Norden vom Merzenich geplantes Gewerbegebiet kreuzen, eine zweite würde weiter von Arnoldsweiler, Merzenich und Golzheim weg-, dafür näher an Buir heranrücken, immer unter Berücksichtigung der im Landesentwicklungsplan vorgeschriebenen Abstandsflächen zur Wohnbebauung, wie Danny Evert betont. Die dritte würde zwischen Oberzier und Ellen Richtung Tagebau Hambach geführt und dann im heutigen Sicherheitsstreifen weitgehend parallel zur Autobahn, Eisenbahn und Hambachbahn verlaufen.

Mit dieser Variante, die bislang in den Rathäusern der beteiligten Kommunen auf die größte Zustimmung gestoßen sei, reagiert Amprion darauf, dass die Abbaugrenzen des Tagebaus Hambach im Zuge der Empfehlungen der Kohlekommission wahrscheinlich zurückgenommen werden. Dabei sind, wie Mußmann und Evert betonen, im weiteren Verfahren auch noch Kombinationen aus den drei Varianten möglich, beispielsweise ein Verschwenken der Trasse Richtung A4 nicht schon zwischen Oberzier und Ellen, sondern erst nordöstlich von Arnoldsweiler.

Vor der Einreichung der Unterlagen in Köln will Amprion die Bürger im Mai noch bei einem Infomarkt in Merzenich informieren, ein Infomobil soll darüber hinaus in Niederzier und Buir Station machen. „Genaue Termine werden noch bekanntgegeben“, kündigt Projektsprecherin Anne Frentrup an

Mit der Festlegung des Korridors rechnet Amprion bis Ende des Jahres, dann werde das Planfeststellungsverfahren vorbereitet, in dem nicht nur die endgültige Trasse festgelegt wird, sondern auch die Belange von Naturschutz, Landwirtschaft und Anwohnern noch einmal berücksichtigt werden. Mit einem Baubeginn rechnen die Projektverantwortlichen nicht vor 2023, bei einer Bauzeit von bis zu anderthalb Jahren. Nach Fertigstellung der neuen Höchstspannungsleitung soll die alte abgerissen werden. Die Verlegung von Erdkabeln komme alternativ nicht in Frage. Nicht nur, dass sie um ein Vielfaches teurer wäre, es würde auch deutlich mehr Fläche benötigt, und technisch sei ein Erdkabel in dieser Länge mit Wechselstrom noch nicht ausgereift.