Kritik an Planung: 130 Einwände gegen Neubaugebiet in Kelz

Kritik an Planung : 130 Einwände gegen Neubaugebiet in Kelz

„Wir sind nicht gegen das Baugebiet.“ Dieser Satz fiel mehrfach, als am Dienstagmorgen sieben Einwohner von Kelz und Lüxheim im Vettweißer Rathaus ihre Meinung äußerten. Dies klarzustellen, war ihnen wichtig, weil schnell ein anderer Eindruck entstehen könnte.

Schließlich reichten sie rund 130 schriftliche Einwände von Bürgern gegen das im Kelzer Osten geplante Neubaugebiet ein. Eine Weiterentwicklung der zweitgrößten Ortschaft der Gemeinde Vettweiß mit derzeit etwas mehr als 1000 Einwohnern sei richtig und wichtig, betonten die Einwohner. Was das Vorgehen und die Planungen der Verwaltung angeht, haben sie jedoch mehrere Kritikpunkte.

Von „Satellitensiedlung“ und „Hasenstallsiedlung“ sprachen die Beschwerdeführer gegenüber Peter Hüvelmann, dem Leiter des Baudezernats. Sie ärgerten sich über die Größe des Gebietes, dessen Lage, die Anbindung an den Ort, fehlende Kindergartenkapazitäten und zu wenige Parkplätze.

Im ursprünglichen Flächennutzungsplan, der, wie Hüvelmann noch einmal erinnerte, vor 18 Jahren aufgestellt worden ist, waren etwa 4,15 Hektar entlang der Ostseite des Ortes vorgesehen. Der nördlichste Bereich stand jedoch für eine Bebauung nicht zur Verfügung, sodass umgeplant wurde. Aktuell ist vorgesehen, dass das Neubaugebiet L-förmig verläuft und sich auch entlang des Lüxheimer Weges erstreckt.

Dort entstehen ungefähr 65 Grundstücke, auf denen im Schnitt je drei Personen leben werden – macht knapp 200 neue Einwohner. „Kein einziger Ort im Kreis Düren wird so nachhaltig verändert wie unser Kelz“, ist die Überzeugung der Kritiker. Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) sagte auf Nachfrage, dass er absolut nicht zustimme. „Ich kann die Ängste nicht nachvollziehen.“ Kelz sei ein attraktiver Ort, und jeder neue Einwohner sei eine Bereicherung, ist seine Überzeugung.

Trotzdem hätten sich einige Kelzer ein kleineres und wie sie sagen „solzialverträglicheres“ Neubaugebiet gewünscht. Oder wenigstens eine bessere Anbindung des geplanten Bereichs an den bestehenden. Die Verbindungsstraßen am nördlichen und südlichen Ende des Baugebietes reichen ihnen nicht aus. Genau wie die 14 vorgesehenen öffentlichen Parkplätze. Ein weiterer Anlass für Unmut: die Infrastruktur für Familien. Die Kindergärten böten schon jetzt nicht genug Platz, und einen Spielplatz habe das Baugebiet auch nicht. Hüvelmann erwiderte, dass die Verwaltung bezüglich der Kita-Situation bereits mit Trägern im Gespräch sei und Kelz schon drei Spielplätze habe.

„Ich habe das Gefühl, dass über unsere Köpfe entschieden wird. Ohne dass unsere Interessen berücksichtigt werden, bekommen wir hier ein Neubaugebiet vor den Latz geknallt“, beschwerte sich Holger Hofmann. Er und seine Mitstreiter hätten sich eine Bürgerversammlung gewünscht, um in den Prozess eingebunden zu werden.

Ihre Möglichkeit zur Mitsprache haben sie nun genutzt. Gelegenheit zur Stellungnahme gibt es noch bis heute im Rathaus. Die eingegangenen Anregungen werden vom Planungsbüro ausgewertet, es werden Vorschläge erarbeitet, über die anschließend Bauausschuss und Rat entscheiden werden. „Wir hoffen einfach auf ein Gespräch und darauf, dass einige unserer Bedenken beachtet werden“, sagten die Kelzer.

(wel)
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