11.11. in der Eifel: Mit dem "Wenkbüggel" in die neue Session

Karnevalsauftakt in Nideggen: Wenn der „Wenkbüggel“ geweckt wird

Am 11. 11. wird (fast) überall im Rheinland der Karneval eingeläutet. In Nideggen wird der „Wenkbüggel“ für die neue Session geweckt – mit einem flotten Theaterstück.

Wer Waldorf und Stadler kennt, die beiden lustigen Opis aus der Muppets-Show, der fühlt sich vielleicht ein bisschen an die beiden erinnert, wenn er Matthias Büchel(75) und Franz-Josef Brandenburg (71) sieht. Vor allem, wenn er ihnen zuhört. Natürlich sind Büchel und Brandenburg seriöse Herren mit einem respektablen Lebenslauf. Aber wenn sie erzählen, sich ergänzen, sich manchmal auch ins Wort fallen und ganz viel lachen, ist die Ähnlichkeit mit den Herren Waldorf und Stadler nicht von der Hand zu weisen. Heute ganz besonders. Sind sie doch in schwarzen Zwirn gewandet und tragen ein weißes Hemd.

Windbeutel mit Handschuhen

Dieses Outfit, das durch Zylinder und weiße Handschuhe komplettiert wird, macht einen „Wenkbüggel“ aus ihnen. Ins Hochdeutsche übersetzt heißt das Windbeutel und bezeichnet sowohl ein Gebäck aus Brandteig mit sahniger Füllung, als auch einen leichtlebigen und unzuverlässigen Menschen. Letzteres mimen die beiden – aber nur an Karneval. Und der wird morgen eingeläutet.

Und was hat das so auf sich, mit diesem „Wenkbüggel“? „Der ist wie der Nubbel“, sagt Brandenburg. „Oder der Lazarus“, ergänzt Büchel.  Anderswo werde er auch „Zachaies“ genannt, fügt einer der beiden hinzu. Gemeint ist in allen Fällen eine Puppe, die mit den Sünden des „Fastelovends“ beladen, am Veilchendienstag unter großem Gejammer der Bevölkerung feierlich verbrannt wird. In Nideggen geschieht das am Lindenbaum auf dem Marktplatz. Aber soweit ist es ja noch lange nicht. Zunächst muss der Nideggener Wenkbüggel ja für die kommende Session geweckt werden. Und das wird in diesem Jahr am Freitag, 16. November, im Ratskeller in Nideggen geschehen. Dazu hat Matthias Büchel eigens ein Stück geschrieben: „Der Wenkbüggel im Fegefeuer“. Geprobt wird seit Juli, Brandenburg gibt den Moderator und Büchel mimt ein Nideggener Original. „Die sind alle im Fegefeuer“, erläutert Büchel. „Es ist ja noch keiner wiedergekommen.“ Von daher könne auch niemand diese These widerlegen.

Des „Wenkbüggels“ Wiederkehr will jedes Jahr aufs Neue vorbereitet werden. Seit 2013 gibt es diesen jecken Zusammenschluss, von Brandenburg und Büchel ins Leben gerufen und explizit nicht als Verein bezeichnet. Der erste „Wenkbügge“l, der zu neuem Leben erweckt werden musste, war übrigens Matthias Büchel . „Der wurde von der damaligen Bürgermeisterin Margit Göckemeyer wachgeküsst“, sagt Büchel. Also, der „Wenkbüggel“, nicht er, stellt er mit einem lauten Lachen klar, in das Brandenburg sofort einstimmt. Das ist wieder so ein Moment, indem der Vergleich mit Waldorf und Stadler, den Muppets-Opis, nahe liegt.

Brandenburg stammt aus Monschau und Büchel ist vor 50 Jahren aus Drove zugezogen. Brandenburg war Lehrer, und Büchel war in der Verwaltung tätig. Beide beschäftigen sich mit Heimat-Geschichte. Und so haben sie sich auch vor vielen Jahren über einen Geschichtsverein kennengelernt.

Des weiteren verbindet sie die Liebe zum Dialekt. Büchel hat mehr als 250 Gedichte auf „Platt“ verfasst. Die Geschichten, die sich um den Wenkbüggel ranken, denken sie sich gemeinsam aus. Da gibt es noch den Richter, der mittels Anklageschrift die ganzen Verfehlungen des Luftikus’ preisgibt. Und da gibt es auch die Geschichte des vom Wasser gereinigten „Wenkbüggels“, der im Obermaucher Stausee wieder auftaucht. Der Nideggener Karnevalsverein „Burgjecke“ sei irgendwann eingeschlafen, erzählt Brandenburg. Und da seien sie auf die Idee gekommen, etwas Neues zu initiieren. „Und dabei uns selbst auf die Schippe nehmen“, ergänzt Büchel. „Eine Figur erfinden, die die Menschen in Burgnähe erfasst.“ Der Nideggener an sich sei ja ein schon ein bisschen eingebildet. Ob er sich selbst als „Zugezogenen“ dazu zählt, lässt er mit einem Augenzwinkern offen.

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