100 Jahre Frauenwahlrecht: Vortrag im Stadtmuseum Düren

100 Jahre Frauenwahlrecht : Kampf für das Stimmrecht eng mit der SPD verknüpft

Es gibt kein Foto von Juliane Pauline Dorothea Heusgen. Sie war vor mehr als 100 Jahren Dürens prominenteste Kämpferin für die Einführung des Frauenwahlrechtes in Deutschland und hat den Erfolg ihrer Arbeit selbst nicht mehr erleben können.

In einem Vortrag genau am Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechtes am 19. Januar wird Christina van Essen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Düren, im Stadtmuseum auf 100 frauenbewegte Jahre zurückblicken.

Dabei reichen die Anfänge der Dürener Frauenbewegung viel weiter zurück. „Es gab schon früh kirchlich geprägte Frauenvereine in Düren, die sich um Wohlfahrt und Armenfürsorge gekümmert haben“, erzählt Christina van Essen. So wurde im März 1841 der Frauen-Verein zu Düren gegründet, 1856 der Evangelische Frauenverein. „In Düren waren es oft die Frauen der Fabrikbesitzer, die sich gesellschaftspolitisch engagiert haben“, betont van Essen. Deren Engagement habe sich schnell gewandelt: Neben Fürsorge spielte Bildung eine immer größere Rolle. Als etwa 1985 eine Rechtsschutzstelle für Frauen und Mädchen als Unterabteilung des Vaterländischen Frauenvereins in Düren gegründet wurde, standen Beratungen zu Familien-, Straf- und Erbrecht im Mittelpunkt der Arbeit. spätestens da, sagt van Essen, hatten sich die zunächst konservativen Vereine zu fortschrittlichen Gruppierungen gewandelt. Das war auch die Zeit, in der Julie Heusgen sich für die Rechte von Frauen engagierte. Heusgen stammte aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie in Hamburg und ist vielleicht auch ein schönes Beispiel dafür, dass Geschichte von Männern aufgeschrieben wird.

Peter Josef Heusgen, der Ehemann von Julie Heusgen, ist in der Geschichtsschreibung der Stadt Düren bekannt. Der Schustermeister gilt als der Begründer der Dürener Sozialdemokratie. Heusgen hatte es nach Lehre und Gesellenwanderung bis nach Hamburg verschlagen, wo er beim Vater von Julie Heusgen eine Anstellung fand. „Hier wurde er unter anderem mit den Ideen der demokratischen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit vertraut gemacht, die ihn nachhaltig beeindruckten“, schrieb SPD-Urgestein Felix Röhlich in einem Beitrag zum Heft „Spuren“ der Dürener Geschichtswerkstatt. Heusgen kehrte mit dem Meisterbrief in der Tasche und Julie Heusgen an seiner Seite nach Düren zurück und eröffnete in der Philippstraße vermutlich 1893 eine Schusterwerkstatt. Sie wurde schnell zum Treffpunkt von Sozialdemokraten, die sich am 1. April 1895 in einer eigenen Dürener Gruppe organisierten. .Julie Heusgen warb in dieser Zeit für die Gleichberechtigung der Frauen, verfasste entsprechende Artikel für die Zeitschrift „Die Gleichheit“, arbeitete für die „Rheinische Zeitung“, warb vor allem Frauen für die Sozialdemokratie in Düren an und engagierte sich zudem gewerkschaftlich. Julie Heusgen hatte bis dahin Maifeiern organisiert, stand wie ihr Mann damals unter polizeilicher Beobachtung. Die Einführung des Frauenwahlrechtes 1919 hat Julie Heusgen nicht erlebt – sie starb 1911 an Tuberkulose. „Einige Hundert Trauergäste aus dem Kreis Düren sowie Funktionäre des Oberrheinischen Landesbezirks der SPD nahmen an der Beerdigung teil. Zahlreiche Kränze Dürener und auswärtiger Organisationen zeugten von der Wertschätzung, die Julie Heusgen sich erworben hatte“, schreibt Felix Röhlich in seinem Beitrag.

Als nach dem ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht dann endlich kam, waren die Strukturen der Frauenvereine teilweise zerschlagen. „Die Frauen hatten 1919 nach dem verheerenden Krieg schlicht andere Sorgen“, fasst Christina van Essen zusammen. „Frauen haben sich ab 1914 der ‚patriotischen Pflichterfüllung’ gewidmet und Krankenpflegedienste übernommen“, sagt van Essen. Typische Rollenmuster, die die Frauen verinnerlicht hatten. „Zumindest hier in Düren gab es damals immer noch das Bild, dass Frauen an den Herd gehörten. Diese Prägung hatten auch viele Frauen selbst übernommen“, beschreibt van Essen die damalige Situation. Kein Wunder, dass die Frauen bei der ersten Wahl, an der sie teilnehmen durften, kaum anders wählten, als ihre Männer.

Stadtmuseum Düren, Vortrag von Christina van Essen zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“, Samstag, 19. Januar, 11 Uhr. Bis 17 Uhr gibt es zur vollen Stunde Kurzführungen durch die Ausstellungen „Betrogene Hoffnungen“ und „Dürener Migrantinnen erzählen“.

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