1. Weltkrieg; Gedichte aus der Kriegsgefangenschaft

Erster Weltkrieg : Peter Adrian schreibt in Kriegsgefangenschaft Gedichte

Peter Adrian aus Arnoldsweiler war 33 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist. Erst Ende 1919 ist er aus französischer Kriegsgefangenschaft in Marseille nach Hause zurückgekehrt. Adrians Enkel Peter Groß (77) hat sich mit dem Leben seines Großvaters auseinandersetzt und vor allem auch dessen Gedichte vom damals gebräuchlichen Sütterlin in die heutige Schrift übertragen.

Wenn Peter Groß von seinem Opa mütterlicherseits erzählt, ist noch heute – 63 Jahre nach dem Tod des Opas – die tiefe Verbundenheit spürbar, die er zu seinem Großvater und Patenonkel spürt. „Mein Opa“, erzählt Groß, der selbst sieben Enkelkinder und sogar schon ein Urenkelchen hat, „war es beispielsweise, der mich und meinen Bruder für die Musik begeistert und dafür gesorgt hat, dass wir Musikunterricht bekommen haben. Ich kann mich noch gut an ihn erinnern.“

Weil Peter Adrian eben auch der Pate von Peter Groß war, hat der nach dem Tod der Mutter alles von seinem Opa geerbt. „Das wollte meine Mutter so“, erzählt der frühere Unternehmensberater. „Und das war auch so üblich.“ Zu dem Nachlass seines Opas, erzählt Groß, gehörten unter anderem eine Geige von 1740, eine Taschenuhr und zwei dünne Heftchen voller Gedichte, die Peter Adrian selbst geschrieben hatte. Ein Teil der einfühlsamen Texte ist in französischer Kriegsgefangenschaft in Marseille entstanden. „Ich weiß“, erzählt Groß, „wie wichtig meinem Opa seine Gedichte waren. Früher sind einige von ihnen in der Zeitung veröffentlicht worden. Die hat er uns Kindern immer vorgelesen, und er war sehr stolz darauf.“ Auch deswegen hat Peter Groß sich entschlossen, die Gedichte seines Opas, die der allesamt in Sütterlinschrift verfasst hat, für die Nachwelt zu erhalten. „Die Texte sind ein Stück Zeitgeschichte. Sie sind ein echtes Zeugnis beispielsweise auch aus der Zeit der Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg.“ Die Gedichte, die Peter Adrian in Kriegsgefangenschaft geschrieben hat (siehe auch Themeninfo), handeln von Heimweh, davon, wie schwer es war, in Frankreich mit der fremden Sprache und den fremden Sitten zurecht zu kommen. Sie erzählen aber auch davon, was Peter Adrian als Erstes tun wollte, wenn die Gefangenschaft vorbei war: nach Hause fahren, das Grab seiner Eltern und die Kirche in Arnoldsweiler besuchen. „Mein Opa“, erinnert sich Peter Groß, „hat kaum über seinen Kriegseinsatz und die Gefangenschaft in Frankreich gesprochen. Aber es war für uns immer deutlich, dass er Schlimmes erlebt haben muss, und wie sehr ihn diese Zeit geprägt hat. Mein Großvater war ein sehr in sich gekehrter, fast schon verschlossener Mann. Und das passte eigentlich überhaupt nicht zu seinem Naturell. Ich bin überzeugt, dass ihm seine Gedichte und die Musik sehr geholfen haben, das Erlebte zu verarbeiten.“ Dass der Krieg Peter Adrian sehr beschäftigt hat, sieht man nicht nur an den Gedichten, die in Marseille entstanden sind, sondern auch an die Verse mit dem Titel „Frieden“ aus dem Jahr 1924. „Frieden“, sagt Peter Groß, „war ihm ein unglaubliches Anliegen, genau wie sein Glaube und auch der Einsatz für die Gemeinschaft.“

Peter Adrian, der von Beruf Maurerpolier war, hat mit 24 Jahren die Leitung des Arnoldsweiler Männergesangvereins „Cäcilia“ übernommen und den Chor weit mehr als 25 Jahre geleitet. „Männerchöre waren früher schon eher Vereinigungen älterer Herren“, erklärt Groß. „So ein junger Chorleiter wie mein Opa war da schon die Ausnahme.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Peter Adrian, der gemeinsam mit Maurerkollegen das im Krieg zerstörte Mittelgewölbe der Pfarrkirche St. Arnoldus in Arnoldsweiler ehrenamtlich wieder aufgebaut hat.

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