Aachen: Zwischenbilanz am Tivoli: Der Klömpchensklub steht auf drei Beinen

Aachen : Zwischenbilanz am Tivoli: Der Klömpchensklub steht auf drei Beinen

Die Alemannia befindet sich derzeit auf der Zielgeraden der laufenden Regionalligasaison. Drei Meisterschaftsspiele haben die Jungs von Trainer Fuat Kilic noch zu absolvieren, bevor am Pfingstmontag mit dem Endspiel um den Mittelrhein-Pokal in Bonn die Saison für die Schwarz-Gelben abgepfiffen wird. In der Stadionkneipe Klömpchensklub hingegen ist soeben erst der Halbzeitpfiff ertönt.

Denn die Via Integration, die den Klömpchensklub seit Oktober 2016 betreibt, hat die Hälfte ihrer dreijährigen Vertragslaufzeit erreicht. Geschäftsführer Alois Poquett nutzt gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria Poquett, die in der gemeinnützigen Gesellschaft für den Gastronomiebereich verantwortlich ist, den Halbzeitpfiff für eine Zwischenbilanz. Und diese fasst Alois Poquett so zusammen: „Das Risiko hat sich gelohnt.“

Die Fankneipe steht nämlich derzeit auf drei Beinen. Und das einigermaßen sicher. Nicht nur die Rückmeldungen der Alemannia-Fans, die froh sind, vor und nach den Heimspielen eine Anlaufstelle zu haben, seien „uneingeschränkt positiv“, so Maria Poquett. Auch der werktägliche Mittagstisch, den es seit März 2017 gibt, werde gut angenommen.

„Von dem Zuspruch — von Fußballfans, aber auch von den umliegenden Firmen und Unternehmen — sind wir positiv überrascht“, sagt Alois Poquett. 30 bis 40 Essen, in der Spitze sogar bis zu 70 Essen gingen pro Tag über den Tresen, zählt seine Frau auf. Und auch Standbein Nummer 3 — Veranstaltungen vom Beerdigungskaffee über Hochzeiten und Geburtstage bis hin zu Betriebsfeiern — laufen gut. „In einem Jahr haben wir bei 25 Veranstaltungen insgesamt 2000 Gäste bewirtet“, sagt Maria Poquett.

Doch beinahe noch wichtiger als der Erfolg bei den Kunden ist den Poquetts und der Via Integration natürlich die Integration von Menschen mit Behinderung in den realen Arbeitsmarkt. Und auch das funktioniere im Klömpchensklub hervorragend. „Unsere Mitarbeiter haben hier direkten Kontakt mit den Kunden und bekommen Feedback. Das steigert das Selbstwertgefühl“, sagt Alois Poquett, und seine Frau fügt hinzu: „Die Kunden wissen, dass hier Menschen mit Behinderung arbeiten. Das ist hier ganz normal.“

Dieses Konzept gehe auch deshalb so gut auf, sind Maria und Alois Poquett überzeugt, weil die Chemie zwischen der Via Integration auf der einen und der Alemannia sowie der Aachener Stadion Beteiligungs GmbH (ASB) auf der anderen Seite stimme. „ASB-Geschäftsführer Bernd Deil fördert unser Konzept“, sagt Alois Poquett, dafür gebühre ihm großen Dank.

Schwierig bleibe allerdings nach wie vor die Wirtschaftlichkeit des Konzepts. „Als gemeinnützige Gesellschaft wollen wir zwar keinen Gewinn erwirtschaften“, sagt der Geschäftsführer, eine Kostendeckung strebe man aber natürlich sehr wohl an. Doch selbst die sei schwierig.

„Unser Projekt liegt zwar im Plan“, sagt Poquett, aber in einer Fankneipe merke man die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg der Alemannia schon deutlich. Die Rechnung sei ganz einfach: Je mehr Zuschauer zum Tivoli kommen, desto höher sei der Umsatz. Daher ist für Alois Poquett trotz aller positiven Rückmeldungen der Kunden klar: „Der Klömpchensklub ist nur dauerhaft kostendeckend zu betreiben, wenn die Alemannia sportlich um den Aufstieg mitspielen kann.“

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