Für mehr Mobilität: Zwei Rentner haben Elektro-Rollator gebaut

Für mehr Mobilität : Zwei Rentner haben Elektro-Rollator gebaut

Wenn Heinrich Krause und Dieter Gade gemeinsam mit Liesel einen Ausflug entlang der Trierer Straße unternehmen, dann ist das schon eine kleine Attraktion. Staunende Blicke und neugierige Fragen inklusive. Denn hinter Liesel verbirgt sich ein Rollator mit Elektroantrieb. Ein absolutes Novum „made in Aachen“.

Keine Frage: Das kreative Gespann versteht etwas von seinem Handwerk. Gade ist Maschinenbaumeister und Die beiden Rentner, die sich vor 40 Jahren beim Segeln kennenlernten, haben diesen innerhalb von drei Jahren entwickelt und lassen nun keine Testfahrt aus — weil sie selbst gerne eine Runde darauf drehen und auch als Werbemaßnahme. Denn schließlich sollen nach ihrer Vorstellung auch weitere Menschen in den Genuss dieser praktischen Erfindung kommen.

Gründer des Brander Betriebs Gade Boote Kunststofftechnik, Krause ist studierter Maschinenbauingenieur. Ganz ablegen konnten die heute 80- und 77-Jährigen ihre Leidenschaft fürs Tüfteln auch nicht im Rentenalter. Zwei Mal die Woche treffen sich die beiden seitdem, um ihre Projekte durchzuführen — aus Spaß an der Freude, wie sie unisono betonen.

Ein sechs Meter langer Jollenkreuzer ist aus diesen Treffen schon hervorgegangen. Und nun dieser besondere Rollator. „Aachen ist ja im Moment vorne mit dabei, wenn es um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen geht. Da darf ein Rollator doch eigentlich nicht fehlen“, bemerkt Krause schmunzelnd.

hm kam die zündende Idee für das Gefährt, sein langjähriger Freund war direkt Feuer und Flamme. „Als ich eines Tages eine ältere Frau gesehen habe, die ihren Rollator mit den Worten ‚Ich ka net mieh’ den Hang hinaufschob, dachte ich mir: Das muss doch auch einfacher gehen“, so Krause. Direkt kamen ihm die sogenannten Buggyboards ins Gedächtnis, die man als Trittbrett für die älteren Geschwister an Kinderwagen befestigen kann.

Gesagt, getan. Die beiden Erfinder kauften einen handelsüblichen Rollator und rüsteten ihn nach ihren Vorstellungen auf. Das Herzstück ist ein Trittbrett, in dem sich auch der Antrieb des Rollators befindet. Bei den Batterien handelt es sich um Bleiakkus, die lange Belastungen aushalten können. Das Trittbrett kann je nach Bedarf hoch- oder hinuntergeklappt werden.

Rund zehn Kilometer kann man mit dem Rollator am Stück fahren, Steigungen bis zu zehn Prozent sind für ihn kein Problem. Er besitzt eine Maximalgeschwindigkeit von sechs Studenkilometern, so dass er auf dem Gehweg zum Einsatz kommen kann. Der Akku lässt sich nach der Fahrt an jeder Steckdose wieder aufladen.

Krause und Gade haben aber auch an Details bei dem 35 Kilogramm schweren Fahrzeug gedacht: Die Griffe sind höhenverstellbar, die Geschwindigkeit lässt sich durch Drehen am Handgriff regulieren, eine Batterieanzeige ist vorhanden, vorne ist ein abnehmbarer Einkaufskorb installiert und abschließbar ist der Rollator auch. „Ältere und schwer gehbehinderte Menschen können mit diesem Gerät ihren Bewegungskreis halten und sogar erweitern. Da, wo es klappt, schieben sie den Rollator, da wo es beschwerlich wird, nutzen sie das Trittbrett und den Antrieb. Das kann jeder individuell kombinieren“, so Gade.

Das Interesse an ihrer Erfindung, die bereits zum Patent angemeldet wurde, ist da. „In einem nächsten Schritt möchten wir nun auch Sanitätshäuser ansprechen, um noch mehr Interessenten zu erreichen“, so Gade. Und man kann davon ausgehen, dass das nicht die letzte Erfindung der pfiffigen Rentner bleibt.

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