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Aachen vor der Stichwahl: Zwei Kontrahenten auf der Zielgeraden

Aachen vor der Stichwahl

Zwei Kontrahenten auf der Zielgeraden

Lieferten sich beim Wahlforum unserer Zeitung ein spannendes Duell: Sibylle Keupen (Grüne) und Harald Baal (CDU) vor der Stichwahl um den Oberbürgermeisterposten in Aachen. FOTO: MHA / Harald Krömer

Aachen Sie will neuen Schwung in die Stadt bringen, er beruft sich auf seine langjährige politische Erfahrung: Für Sibylle Keupen (Grüne) und Harald Baal (CDU) sind die entscheidenden Stunden vor der Stichwahl am Sonntag, 27. September, angebrochen.

Beide Oberbürgermeisterkandidaten wollen in der Verlängerung noch mal alles geben, wie sie am Dienstag auch beim großen Aufeinandertreffen auf Einladung unserer Zeitung deutlich machten.

Keupen geht dabei als klare Favoritin in die Stichwahl. Mehr als 14.000 Stimmen (39.662 Stimmen/38,9 Prozent) lag sie im ersten Wahlgang vor Baal (25.253/24,8 Prozent), wobei sie allem Anschein nach auch deutlich stärker in anderen politischen Lagern punkten konnte als Baal. Um weit mehr als 5000 Stimmen lag ihr Ergebnis über dem der Grünen bei der Ratswahl, Baal sammelte im ersten OB-Wahlgang hingegen 15 Stimmen weniger ein als seine Rats-CDU.

Von einer „schwierigen Ausgangsposition“ spricht daher auch Baal, der lange als Favorit gehandelt wurde, sich nun aber selbst in der Rolle des „Jägers“ und „Verfolgers“ sieht. Er gehe dennoch zuversichtlich in die Stichwahl, erklärt er. Beispiele in anderen Städten hätten gezeigt, dass auch solche Ergebnisse noch zu drehen seien, meint er. Für Aachen ist dies die erste OB-Stichwahl. Alle vorhergehenden Amtsinhaber kamen stets in einem Wahlgang ins Ziel.

Für den Ausgang der Stichwahl werden am Ende mehrere Faktoren entscheidend sein. Wie hoch wird die Wahlbeteiligung? Wer kann seine Anhänger besser motivieren? Wird die OB-Wahl nur als „Fortsetzung“ der Ratswahl angesehen? Oder stellen sich die Wähler die Frage, wer wohl eine Verwaltung besser führen kann? Und schließlich: Wer kann mehr Stimmen von Anhängern anderer Parteien zu sich rüberziehen?

Wahlempfehlungen wollen zumindest SPD, Linke und FDP nicht aussprechen, wie die unterlegenen OB-Kandidaten Mathias Dopatka, Leo Deumens und Wilhelm Helg auf Anfrage mitteilen. Alle drei erklären, am Sonntag „selbstverständlich“ zur Wahl zu gehen. Wo sie ihre Kreuz machen werden, bleibt jedoch ihr Geheimnis. „Unsere Wähler können selbstständig entscheiden, wem sie den Vorzug geben“, sagt Deumens, „eine Wahlempfehlung stand nie zur Debatte.“

„Ich habe allen Leuten empfohlen, sich das Medienhaus-Wahlforum anzusehen“, sagt Dopatka, der bis zuletzt gehofft hatte, selbst in die Stichwahl zu kommen. Insbesondere seine Wähler – mehr als 18.000 – könnten nun ausschlaggebend für den Ausgang der Stichwahl sein. Trotz der Niederlage werden er und seine Genossen sich nun umentscheiden müssen. „Wir gehen damit professionell um“, betont er, „die meisten werden sich eine Meinung bilden und auch zur Wahl gehen.“

Klarer dürfte die Sache bei den vier kleineren Parteien Volt, Die Partei, UWG und Piraten sein, die gemeinsam rund 9000 Anhänger in die Waagschale bringen können und Keupen deutlich näherstehen als Baal. Die UWG hat in den Sozialen Medien bereits zur Keupen-Wahl aufgerufen; eine Wahlempfehlung pro Keupen wurde am Donnerstag, 24. September, von OB-Kandidat Ralf Haupts und Ratsmitglied Christoph Allemand (beide UWG) sowie von OB-Kandidat und künftigem Ratsmitglied Matthias Achilles (Piratenpartei) veröffentlicht.

Auch nach dem Wahlforum unserer Zeitung haben Keupen und Baal noch eng getaktete Termine mit Diskussionen, Hausbesuchen und Gesprächen zu absolvieren. Ganz aktuell kommen auch Einsätze für die um ihre Arbeitsplätze kämpfenden Conti-Beschäftigten dazu. Baal hat die angekündigte Werksschließung zuletzt auch mit scharfen Angriffen auf die Grünen und deren angeblich autofeindliche Ideologie verknüpft. Ungewiss, wie sich das noch auf die Stichwahl auswirkt. Es gibt Zustimmung für ihn, aber die Empörung, die sich auch in vielen Leserreaktionen zeigt, wirkt größer.

Keupen erklärt derweil, dass mehrere politische Vertreter zurzeit an einer gemeinsamen, parteiübergreifenden Conti-Erklärung arbeiten. „Wir wollen, dass Aachen in diesem Kampf zusammensteht“, sagt sie und betont, ihren Wahlkampf wie bisher konsequent weiterführen zu wollen. „Ich wiege mich weder in Sicherheit, noch habe ich Sorge. Ich mache mein Ding und gebe bis zuletzt alles.“

Anders als Baal kann sie auch auf bundespolitische Unterstützung hoffen. Am Donnerstag wird Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock erneut nach Aachen kommen und ab 17.30 Uhr am Abteitor in Burtscheid sprechen. Deutlicher kann man nicht zeigen, wie wichtig diese Stichwahl den Grünen ist.

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