Aachen: Zwei Gräber in Kornelimünster, die nie gebraucht wurden

Aachen : Zwei Gräber in Kornelimünster, die nie gebraucht wurden

Für den Aachener Dombaumeister Leo Hugot war die Sache schnell klar: Bei den beiden leeren Gräbern, die er bei seinen archäologischen Ausgrabungen Anfang der 1960er Jahre in Kornelimünster im Westbau der Propsteikirche gefunden hat, muss es sich um die vorbereitete Grabstätte für Ludwig den Frommen und seine Frau Irmgard handeln.

Und so wird es auch bis heute vielfach als historischer Fakt dargestellt. Ob Hugot tatsächlich richtig lag, wird allerdings kaum jemals mit Gewissheit geklärt werden können.

Das Foto links zeigt die beiden leeren Gräber, wie sie der ehemalige Dombaumeister Leo Hugot in den 1960er Jahren vorfand. Lothar Stresius (oben) deutet auf die Blausteinplatten, die die Gräber heute abdecken. Foto/Repro: Andreas Herrmann.

Zu den intimen Kennern der Kirche gehört Lothar Stresius, Vorsitzender des Fördervereins St. Kornelius und Autor diverser Schriften über die Propsteikirche, die neben dem Aachener Dom bis heute zu den wichtigsten sakralen Bauten im Stadtgebiet zählt.

Nur eine Quelle

Stresius gibt sich deutlich vorsichtiger als Hugot und betont, dass es im Grunde nur einen einzigen Hinweis darauf gibt, dass sich Ludwig der Fromme (778-840), Sohn Karls des Großen und Stifter des „Inde-Klosters“, tatsächlich in Kornelimünster begraben lassen wollte.

Dieser Hinweis findet sich in einem Lobgedicht auf Kaiser Ludwig, das ein gewisser Ernoldus Nigellus im neunten Jahrhundert verfasst hat und in dem es unter anderem heißt: „Wenn nun plötzlich sich nahte das Ende des menschlichen Leibes, würden die Glieder in's Grab dort in dem Kloster gelegt.“ Gemeint ist natürlich das von Ludwig gestiftete Kloster „an Aachen so nah“ in Kornelimünster.

Und tatsächlich liegen die beiden leeren Gräber an einer einstmals privilegierten Stelle: direkt vor dem ehemaligen Hauptportal der Klosterkirche. Bestattungen von Prominenten an einem solch herausgehobenen Ort waren damals nicht unüblich, weiß Stresius. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich weitere Gräber einstmals hochgestellter Persönlichkeiten.

Die „hervorragende Lage“ sowie „die vielen analogen Bestattungsorte in der karolingischen Zeit lassen die Schlussfolgerung zu, daß hier die Grabanlage für den Stifter Kaiser Ludwig d. Frommen und seine Gemahlin Irmgard vorbereitet wurde, da der Herrscher bei Baubeginn der karolingischen Klosteranlage Inda als seinen Begräbnisort bestimmte“, schreibt Hugot in seiner „Untersuchung über die baugeschichtliche Entwicklung der ehemaligen Benediktinerklosterkirche“.

Auf das leere Doppelgrab muss man heute freilich bei Führungen durch die Kirche aufmerksam gemacht werden, um es überhaupt wahrzunehmen. Hugot hat es vor gut 50 Jahren mit Blausteinplatten abdecken lassen. Ein Altartisch steht üblicherweise darüber, da der Westbau, den heutige Besucher mehr als einen Seitenanbau wahrnehmen, inzwischen als Werktagskirche genutzt wird.

Klar war für Hugot auch, warum die beiden Gräber leer geblieben sind. Der Bischof von Metz, ein Halbbruder von Ludwig, soll letztlich dessen Beisetzung in der Abtei St. Arnulf in Metz veranlasst haben.

Hugot kann damit richtig gelegen haben. Aber letztlich ist die Beweislage doch recht dünn, findet Stresius. Das Rätsel um die zwei leeren Gräber von Kornelimünster gilt für ihn daher weiterhin als ungelöst.

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