Zuständigkeit in Sachen Grünpflege

Ärger um Grünpflege in Aachen : Kleingärtner fordern Stadt zum Handeln auf

Eine junge Frau schiebt am Donnerstagmorgen an der Limburger Straße zwischen Hangeweiher und Hohenstaufenallee einen Kinderwagen vor sich her. Links von ihr liegt die Kleingartenanlage Hangeweiher, rechts stehen parkende Autos in den dafür vorgesehen Parklücken.

Auf halber Strecke muss die Frau ihren Kopf einziehen: Die Sträucher, die hier wachsen, ragen ziemlich weit in den Fußgängerweg hinein. Ganz ähnlich geht es einem Radfahrer, der kurze Zeit später denselben Weg entlangfährt: Seine Fahrt von der Hohenstaufenallee hinunter in Richtung Hangeweiher wird zum Slalom um das wuchernde Straßenbegleitgrün.

Es sind solche Szenen, die Georg Schmitz vom Vorstand des Kleingartenvereins (KGV) Hangeweiher Sorgen machen. Er und die anderen Mitglieder des Vereins wollen endlich klären, wer für die Pflege der Sträucher entlang der Straße zuständig ist – nicht nur aus ästhetischen, sondern vor allem aus Sicherheitsgründen. Georg Schmitz weiß, wovon er spricht: „Wir hatten vor vielen Jahren einmal den Fall, dass hier vor unserer Anlage eine Frau ausgerutscht ist und sich dabei verletzt hat“, erzählt der pensionierte Beamte, der viel Zeit und Herzblut in die Kleingartenanlage steckt. „Damals ging es um die Haftungsfrage: Wer ist verantwortlich, die Stadt Aachen oder der Kleingartenverein?“ Damals sei der Rechtsstreit zugunsten des Vereins ausgegangen.

Man sei sehr um ein gutes Verhältnis zur Stadt bemüht, betont Georg Schmitz. „Wir hatten in diesem Jahr auch schon zwei Ortstermine mit Fachleuten aus verschiedenen Ämtern“, sagt er. Einmal mit dem Immobilienmanagement, einmal mit dem Stadtbetrieb. „Unter anderem ging es da um die Frage, bis wo genau das Grundstück unseres Vereins geht – und ob wir zuständig sind für die Pflege der Brombeersträucher, Haselnusssträucher und was hier sonst noch wächst.“

Offenbar gebe es dazu unterschiedliche Unterlagen, erzählt Schmitz. Ein Mitarbeiter des städtischen Immobilienmanagements habe gesagt, dass das Grundstück der Kleingartenanlage bis zur Mitte des Gehwegs reiche – damit sei auch die Kleingartenanlage für die Pflege der Sträucher am Weg zuständig. „Wir haben uns aber damals ganz streng an den städtischen Bebauungsplan gehalten“, betont hingegen Schmitz. Und der besage, dass das Grundstück des KGV genau an deren Zaun ende – und somit die Stadt verantwortlich sei für Haselnuss, Brombeere und Co.

Die Stadt reagiert zeitnah

Das Problem sei bekannt, erklärt Elisa Bresser vom städtischen Presseamt auf Anfrage, und die Stadt sei sehr an einer unbürokratischen Lösung interessiert. „Wir werden die Hecke zeitnah zurückschneiden“, sagt sie. Und weil es ja auf Dauer mit dem einen Schnitt nicht getan ist, werde man auch langfristig eine Lösung finden, versichert Bresser.

Dass die Mitglieder des KGV keine Lust auf Grünpflege haben, kann man ihnen übrigens wahrlich nicht vorwerfen. Jetzt, Mitte Oktober, werden die liebevoll gestalteten Parzellen für den Winter fertiggemacht. In wenigen Wochen wird das Wasser abgestellt, dann ist erst einmal Gärtnerpause. Während der Frühlings- und Sommermonate verbringen viele der 104 Vereinsmitglieder eine Menge Freizeit auf dem 30 000 Quadratmeter großen Areal. Und nicht nur die: „Wir halten unsere Wege gerne offen“, erzählt Schmitz. Auch Nachbarn und Anlieger nutzen die Anlage gerne für einen Spaziergang. „Wir haben erst kürzlich Bänke an unseren Wegen aufgestellt, damit man hier auch mal eine Pause einlegen kann.“

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