Zusammenschluss im Buchhandel von Mayersche und Thalia

Unternehmen wollen voneinander lernen : Mayersche und Thalia schlagen gemeinsames Kapitel auf

Zwei Buchgiganten machen künftig gemeinsame Sache: Die Mayersche Buchhandlung mit Sitz in Aachen und Thalia aus Hagen schließen sich zusammen. Das gaben die Unternehmen am Donnerstagmorgen bekannt.

Aus den 55 Mayerschen Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie den rund 300 Buchhandlungen von Thalia im deutschsprachigen Raum wird der bedeutendste familiengeführte Sortimentsbuchhändler in Europa, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Aachener Familie Falter verstärkt den bisherigen Thalia-Gesellschafterkreis, der aus den Familien Herder, Kreke, Busch und Göritz besteht, heißt es dort weiter, während Hartmut Falter ankündigt: „Die beiden Unternehmen werden voneinander lernen und die jeweiligen Stärken zum Nutzen der Kunden einbringen." Der Inhaber und Geschäftsführer der traditionsreichen Mayerschen Buchhandlung wird künftig zweiter geschäftsführender Gesellschafter bei Thalia. Mehrheitsgesellschafter bleibt aber weiter die Familie Herder.

Thalia ist Deutschlands größte Buchhandelskette, die Mayersche kommt auf Platz vier des Marktes. Der Buchhandel in Deutschland sieht sich derzeit gleich mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen macht der US-Internetgigant Amazon den traditionellen Buchhändlern die Umsätze streitig. Zum anderen kommt offenbar das Lesen aus der Mode. Allein in den vergangenen fünf Jahren verlor die Branche nach Daten des Börsenvereins des Buchhandels rund 6,4 Millionen Kunden. Die Zahl der verkauften Bücher ging in den vergangenen zehn Jahren um 37 Millionen auf 367 Millionen zurück.

Das neue Unternehmen wird nicht nur über rund 350 Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum, sowie über mehrere Online-Shops verfügen. Über den Shop-in-Shop-Anbieter Best-of-Books vertreibt die Mayersche Buchhandlung auch Bücher in über 1000 SB-Warenhäusern, Verbrauchermärkten, Supermärkten und Drogerien.

Richtiger Schritt

Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen im Buchhandel seien Allianzen notwendig, betonte Thalia-Chef Michael Busch. Sonst werde der klassische Buchhandel im Wettbewerb mit internationalen Online-Anbietern den Kürzeren ziehen. Der Zusammenschluss von Thalia und der Mayerschen sei hier ein richtiger Schritt, weil beide Unternehmen geradezu ideal ergänzten. Thalia habe mehr Erfahrung im Thema Online-Handel, die Mayersche habe mehr Know-how bei der Abrundung der Angebotspalette mit neue Produkte wie Spielzeug und im Shop-in-Shop-Geschäft.

Thalia-Chef Busch signalisierte gleichzeitig die Bereitschaft zu weiteren Bündnissen im deutschen Buchhandel. „Wir sind offen für jegliche Form der Zusammenarbeit.“

Ob die Marke „Mayersche Buchhandlung“ auf Dauer erhalten bleibt, darüber ist den Angaben der Beteiligten zufolge noch nicht endgültig entschieden. Doch soll Busch zufolge keine einzige Buchhandlung infolge der Fusion geschossen werden. Das Filialnetz ergänze sich sehr gut. Auch einen Stellenabbau solle es wohl nicht geben. „Bei einem Personalabbau besteht die Gefahr, Kompetenzen zu verlieren. Das Risiko wollen wir nicht eingehen“, sagte Busch.

Der neue deutsche Buchriese will auch in Zukunft weiter wachsen und sein Filialnetz weiter verdichten - durch die Übernahme bestehender Buchhandlungen, aber auch durch Neueröffnungen. Auch im Internetzeitalter sei die Präsenz vor Ort wichtig, sagte Busch. „Wenn wir einen Buchladen in einer Region eröffnen, wo wir bisher nicht stationär vertreten waren, steigt dort auch der Online-Umsatz“, sagte Busch.

Über die Modalitäten des Vertrages wurde Stillschweigen vereinbart. Auch, ob der Zusammenschluss Auswirkungen auf die Mitarbeiterschaft hat, ist bislang noch nicht bekannt. Der Vertrag steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Fusionskontrollbehörden.