Speed-Klettern und Bouldern: Zum schnellen Spaziergang in die Vertikale

Speed-Klettern und Bouldern : Zum schnellen Spaziergang in die Vertikale

Eine 15 Meter hohe Kletterwand erklimmt Yannick Flohé in 7.61 Sekunden. Der 19-jährige ist Deutscher Meister im Speed-Klettern und Bouldern. Zuhause ist er in der Aachener Sektion des Deutschen Alpenvereins, in der auch seine Eltern klettern. Wir haben ihn beim Training in der Kletterhalle Tivoli Rock getroffen.

Flohé hat noch mehr Titel und Auszeichnungen, auch auf internationaler Ebene. Doch fragt man ihn nach seinem liebsten Erfolg, sagt er ganz gelassen: „Der Deutsche Meister war schon ganz gut.“

Der junge Kletterprofi ist so immens entspannt, dass seine Leistungen fast simpel scheinen, wenn er von der notwendigen Technik und Kraft erzählt. Sobald er jedoch seinen Klettergurt anlegt und an der Kletterwand steht, zum Aufwärmen einhändige Klimmzüge macht und anschließend mit unglaublicher Leichtigkeit in die Höhe balanciert, weiß man: Es sind zwölf Jahre Klettererfahrung, intensives Training und einiges an Talent, die es für solche Leistungen braucht.

Wie es außerhalb des Leistungssports für ihn weitergehen soll, weiß Flohé noch nicht so recht. „Ich würde gerne studieren — Mathe oder Physik finde ich sehr spannend“, erzählte der junge Sportsoldat. Das ist er nebenbei nämlich auch. Wegen der Förderung und sportlichen Möglichkeiten.

„Am Fels klettern macht mir zwar auch Spaß, aber Wettkampf ist schon nochmal etwas anderes“, erläuterte er seine sportlichen Präferenzen. Und seine Lieblingsdisziplin sei übrigens das Bouldern. Hierbei geht es rund vier Meter in die Höhe. Man klettert nicht auf Zeit, sondern versucht ohne Klettergurt und Sicherungsseil bis zu einem vorgegebenen Ziel zu kommen — wozu meist Sprünge, das Überwinden von Überhängen und schwierigen Passagen nötig sind.

Sicherheit zuerst: Der 19-Jährige bereitet sich gewissenhaft vor. Foto: Heike Lachmann

Auf die Frage, was ihn so am Klettern fasziniere, antwortete er, als sei es eine Selbstverständlichkeit: „Das ist halt einfach gut.“ Dem kann man nur beipflichten, am Boden stehend, wenn Flohé bis unter die Hallendecke kraxelt und dabei so lässig aussieht, als gehe er über einen Zebrastreifen.

Seit drei Jahren ist Flohé nun im deutschen Nationalkader, mit dem er dieses Jahr unter anderem schon zwei Mal in China und einmal in Moskau auf einem Weltcup war. Alles Termine, die sich aus seinem Mund eher nach Dorffesten als nach internationalen Events anhören.

Die diesjährige Saison neigt sich nun zwar dem Ende zu, doch ein Termin stand noch an: die Weltmeisterschaft in Innsbruck. „Das ist schon ein Highlight“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht. Nächstes Jahr stelle ein ausgezeichnetes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft sogar eine Qualifikation für Olympia dar, erklärte er ruhig. Es scheint, als sei auch das kein Problem, das Flohé nicht bewältigen könnte.

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