Zugang nur noch abends und am Wochenende

Naturschutz auf dem Standortübungsplatz Brander Wald : Bundeswehr beschränkt den Zutritt zum Wald

Seit vielen Jahren nutzt der Aachener Marco Bund den Brander Wald: Als Kind hat er hier gespielt, jetzt kommt er zum Joggen her. Nun haben ihn aber Angehörige der Bundeswehr des Waldes verwiesen: Der Zugang zu dem Gebiet ist seit Kurzem streng reguliert.

Ob auf Eilendorfer oder Brander Seite: Ein wahrer Schilderwald empfängt seit wenigen Tagen die Besucher des Brander Walds. Die Bundeswehr hat den Zugang zu ihrem Standortübungsplatz deutlich strenger reguliert als bisher. Als Grund für die Einschränkungen wird vor allem der Umweltschutz genannt. Unter Federführung des Standortältesten Oberst Klaus Engel sind die Hinweisschilder jetzt montiert worden. Mit an Bord waren dabei auch die Städte Aachen und Stolberg, die Städteregion, der Naturschutzbund und die Biologische Station der Städteregion.

„Hintergrund ist die Zunahme von freilaufenden Hunden, uneinsichtigen Hundebesitzern sowie die Zunahme von wilden Mountainbikern jenseits der befestigen Wege“, erklärt ein Mitarbeiter der Aachener Lützow-Kaserne im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nun hat die Bundeswehr also Konsequenzen gezogen: Unter der Woche darf zwischen 7 und 17 Uhr, also während der offiziellen Übungszeiten, kein Zivilist das Gebiet betreten. Wer sich daran nicht hält, wird derzeit von Militärpolizisten freundlich, aber bestimmt des Geländes verwiesen.

Darüber hinaus ist das Betreten auch dann verboten, wenn rote Flaggen gehisst sind. Reiter dürfen das Gelände gar nicht mehr mit ihren Pferden betreten, und auf die Leinenpflicht für Hunde wird noch einmal explizit hingewiesen. Und wer dann noch auf das Gelände darf, wird explizit darauf hingewiesen, dass die Wege nicht verlassen werden dürfen.

Die Regeln seien keineswegs neu, man weise nun jetzt noch einmal explizit darauf hin, schreibt die Bundeswehr in einer Pressemitteilung. „Dies alles dient hier dem Umweltschutz und den Auflagen, die der Bundeswehr obliegen“, sagt der Standortälteste Oberst Engel.

„Tatsächlich ist die Bundeswehr für das Gebiet zuständig“, bestätigt auch der bei der Stadt Aachen für Umweltbelange zuständige Dezernent Markus Kremer. Bislang sei man eben sehr großzügig gewesen, was den Zugang des Standortübungsplatzes angehe. „Das ist aber aus Artenschutzgründen nicht mehr vertretbar“, so Kremer. Auch er verweist auf das Fehlverhalten verschiedener Waldnutzer, ob es nun freilaufende Hunde sind oder Menschen, die sich einfach abseits der Wege bewegen und dadurch teilweise sensible Ökosysteme stören. „Das ist aber generell im Aachener Wald ein Problem“, sagt Kremer, der mittlerweile auch über Konsequenzen von städtischer Seite nachdenkt: „Bislang sind wir nicht ordnungsrechtlich gegen die Leute vorgegangen, die sich im Wald falsch verhalten. Stattdessen appellieren wir an die Vernunft.“ Doch wenn das nicht fruchte, müsse man über andere Mittel und Wege nachdenken, um den Wald zu schützen.

Für Marco Bund ist das trotzdem nicht ganz nachvollziehbar: „Umweltverbände tauchen auf dem Flyer auf. Glauben diese denn, dass Fußgänger, Radfahrer und Jogger auf den Wegen der Natur mehr schaden als schwere Lkw?“, fragt er sich.

In der Tat sei es so, argumentieren Bundeswehr und Umweltverbände, dass die militärische Nutzung zum Umweltschutz beitragen könne: Durch die Fahrspuren der militärischen Fahrzeuge beispielsweise entstünden Mulden, die von der Gelbbauchunke als Laichgewässer genutzt würden. Es handle sich bei dem Übungsplatz um das größte Vorkommen der unter Schutz stehenden Tierart im gesamten Rheinland.

Er sei wirklich für den Umweltschutz, betont Bund, „aber ich möchte meinen Kindern auch die Natur zeigen. Ich möchte mit ihnen noch Frösche beobachten, ich möchte eine Schafherde zeigen, ich möchte die Natur mit eigenen Augen erleben.“ Wie es aussieht, werden er und die anderen Nutzer des Brander Waldes das zunächst nur noch in den Abendstunden und am Wochenende tun können.