Aachen: Zuflucht in kalten Nächten: Wohnungslose mit Hund müssen draußen bleiben

Aachen : Zuflucht in kalten Nächten: Wohnungslose mit Hund müssen draußen bleiben

Minus neun Grad Außentemperatur herrschten in der vergangenen Nacht. Da jagt man nicht einmal einen Hund vor die Tür, sagt der Volksmund. In Aachen ist das offenbar anders. Wer hier ohne Obdach ist und ein warmes Plätzchen für die Nacht sucht, ist besser ohne tierischen Begleiter unterwegs.

Wer einen Hund hat und Zuflucht in einem Wohnheim oder einer anderen Notunterkunft finden will, der steht vor verschlossenen Türen. Bis er seinen Vierbeiner an einem anderen Ort untergebracht hat. Bleibt eine wesentliche Frage: wo?

Zwischen vier und sieben Männer zählt die Gruppe, die in einem offenen Carport unter einem Bürogebäude in der Nähe der Aachener Innenstadt übernachtet. Aus der Slowakei seien sie gekommen, um zu arbeiten und Geld für ihre Familien zu verdienen, erzählt einer von ihnen, als die Mitarbeiterin aus einem der Büros ihnen etwas zu Essen, einen Schlafsack und eine Isomatte vorbeibringt. Bis sieben Uhr morgens dürfen sie dort bleiben. Und sie freuen sich.

Ein Beispiel. Kein Einzelfall.

Ein Schlafsack ist gut, schützt vor der Kälte in der Nacht. Nicht jeder der Männer hat einen. Das mit dem Arbeiten hat nicht so funktioniert, wie es die Männer sich vorgestellt hatten. Und nun sind sie in einer misslichen Lage. Geld haben sie kaum. „Wir können nirgends übernachten“, fährt einer in gebrochenem Deutsch fort. Grund seien die beiden Hunde, die die Gruppe begleiten.

Im Winter draußen übernachten — die Männer aus dem Carport sind ein Beispiel. Ein Einzelfall sind sie nicht. „Viele Obdachlose wollen gar nicht in einer Unterkunft übernachten“, erklärt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt. Sie blieben lieber draußen und übernachteten unter freiem Himmel.

Für alle anderen finden die Mitarbeiter und Institutionen des Netzwerks Wohnungslosenhilfe in Aachen eine Unterkunft. Darin arbeiten zum Beispiel Stadt, Bahnhofsmission, Suchthilfe, Schervier-Stube und das Café Plattform zusammen, regelmäßige Treffen inklusive. Sie bieten Menschen ohne Dach über dem Kopf die Möglichkeit, in einer der städtischen Wohnanlagen, zum Beispiel in der Weißwasserstraße oder der Kongressstraße, zu schlafen.

„Das sind Mehrbettzimmer“, erklärt Wölk. Deshalb dürften Tiere dort nicht mit hingebracht werden. Bei einer 70-Jährigen, die zwangsgeräumt worden sei und einen kleinen Hund habe, mache man schon mal eine Ausnahme. Die werde aber auch nicht mit Fremden zusammen in einem Mehrbettzimmer untergebracht. Grundsätzlich gebe man, wenn Tiere vorhanden sind, den Tipp, sie in die Obhut von Bekannten zu geben, so vorhanden. Oder beim Tierheim wegen kurzfristiger Unterbringung nachzufragen.

Dort ist man davon aber gar nicht begeistert. „Man kann sich gerne Decken und Mäntelchen für die Tiere bei uns abholen“, sagt die Tierschutzbeauftragte und Mitglied des Vorstands im Tierschutzverein, Verena Scholz. Aber die Tiere dort lassen, das gehe nicht. „Wir sind voll belegt durch die Sicherstellungen von Ordnungsamt und Veterinäramt.“ Auch vor Krankheiten, die eingeschleppt werden könnten, will man die Tiere im Heim schützen.

Viel Betrieb, aber nicht zu viel

Zahlen, die einen Überblick darüber geben, wie viele Menschen derzeit in Aachen im Freien übernachten, gibt es nicht. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts hätten bei ihren Streifengängen ein Auge darauf und sprächen Menschen ohne Obdach an, um auf Hilfsangebote hinzuweisen. „Zwingen können wir aber niemanden“, sagt Wölk. Die Kapazität in den Unterkünften sei auch bei den derzeitigen Wetterverhältnissen nicht an der Grenze. Die Stadt bringe jeden unter, der untergebracht werden möchte.

Das gilt auch für die Notschlafplätze im Café Plattform. „Wir sind tendenziell überbelegt“, sagt die Sozialarbeiterin und stellvertretende Leiterin der Einrichtung, Doris Hilbers. Abgewiesen werde aber niemand. Bei diesen Temperaturen kämen mehr Menschen als sonst. Wenn die 19 Schlafplätze belegt sind, helfe man sich mit Klappbetten aus. Doch auch im Café Plattform an der Hermannstraße gilt: Schlafen ja, Tiere nein. In einem Fall habe ein Mitarbeiter den Hund eines hilfsbedürftigen Menschen bei sich aufgenommen. Das sei aber eine Ausnahme gewesen. Normalerweise müssten die Tiere an einem anderen Ort untergebracht werden. Es bleibt die wesentliche Frage: wo?

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