Aachen: Zu wenig Personal in Pflegeheimen: Neues Ombudsmann-System in Aachen

Aachen: Zu wenig Personal in Pflegeheimen: Neues Ombudsmann-System in Aachen

„Ach, wo bitte ist denn nur Schwester Brigitte? An sie hatte ich mich gerade doch so gewöhnt.” Ratlos blickt die alte Dame auf dem Flur ihres Pflegeheims um sich. Aber ihre Lieblingsschwester wird sie nicht mehr betreuen - versetzt in einen anderen Wohnbereich ist sie oder sogar gekündigt.

Häufiger Personalwechsel und zu wenig Personal in Pflegeheimen - für Simon Robert zählen solche Beschwerden zu den „gravierenden Problemen ersten Grades”, wenn er „Klartext” über seine Aufgaben spricht. Der agile 62-Jährige arbeitet mit seinem Kollegen Werner Wolff (67) als Ombudsmann für Senioren in der Städteregion Aachen. Ehrenamtlich. Die tatkräftigen Herren vermitteln und schlichten, wenn es in vollstationären Altenhilfeeinrichtungen, Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen oder Ambulanten Pflegediensten zu Problemen zwischen Leitung und betreuten Senioren kommt.

Das Ombudsmann-Verfahren praktizierte der frühere Kreis Aachen schon seit 1996. Mit der Städteregion wollen sich auch Einrichtungen und Pflegedienste in der Stadt anschließen. Im Seniorenpark „Carpe diem” in der Robensstraße erklärten die ersten Heime ihren Beitritt zum Verfahren. Günter Schabram, früherer Leiter des Sozialamts Aachen und nun neuer Dezernent für Soziales und Gesundheit der Städteregion: „Das Ombudsmann-System hat sich im Kreis sehr bewährt. Im Altenpflegebereich ist es einmalig in der Bundesrepublik. Was gut ist und sich bewährt hat, wollen wir auch für die Stadt Aachen übernehmen.”

Simon Robert und sein Partner Werner Wolff, beide über Jahrzehnte gestandene ehemalige Kommunalpolitiker mit einem engmaschigen Netz von hilfreichen Beziehungen, haben hierfür in nur wenigen Wochen die intensive Vorarbeit geleistet. Im Kreis machten alle Heime und Dienste beim Ombudsmann-System mit.

Auch in Aachen wollen die Vermittler alle 34 vollstationären Einrichtungen und die 26 ambulanten Dienste sowie die sechs Kurzzeitpflegehäuser gewinnen. Simon Robert: „Das Ombudsmann-Verfahren gilt nur für Einrichtungen, die sich freiwillig anschließen. Wir wollen eine Vertrauensbasis schaffen, damit wir so viele Pflegeeinrichtungen wie möglich für uns begeistern.” Zehn Aachener Senioren-Einrichtungen sind schon mit von der Partie oder haben ihre Bereitschaft erklärt.

Meinungsverschiedenheiten und Probleme, das versichern die Robert und Wolff, werden vertraulich bearbeitet. Das Ombudsmann-Verfahren ist neben „Problemen allgemeiner Art” umfassend: die Art und Weise der Pflege und Betreuung; Unterkunft, Verpflegung und Barbetrag; allgemeine finanzielle Unstimmigkeiten; medizinische Betreuung; die Abläufe in den Einrichtungen sowie vieles mehr.

Sorgen bereitet Simon Robert und Werner Wolff derzeit der Hinweis einiger Heimleitungen, dass die hausärztliche und auch die neurologische Versorgung der Bewohner mit zunehmender Tendenz schwieriger werde. Zu den oft vorgetragenen Anliegen zählen immer wieder auch finanzielle Probleme bei einer höheren Pflegeeinstufung.

Und die alte Dame, die verzweifelt nach „ihrer” Schwester Brigitte sucht? Hat das Ombudsmann-Verfahren allgemein die kleinen und größeren Alltagsprobleme zum Ziel, eins wollen die beiden Ombudsmann-Sachwalter beharrlich im Auge behalten: „Häufiger Personalwechsel ist nicht dazu geeignet, das Wohl der Heimbewohner zu steigern. Unser Appell an die Heimleitungen bleibt: Zum Wohle Ihrer Bewohner sollten Sie für eine möglichst konstante Personalsituation Sorge tragen.”

Mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr erreichbar

Zu erreichen sind die Ombudsmann-Experten Simon Robert und Werner Wolff mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr in Würselen, Mauerfeldchen 29, Amt für Altenarbeit der Städteregion Aachen, Telefon: 0241/51985424. In dringenden Fällen kann eine Rückrufbitte unter 0241/51985421 abgestimmt werden.