Aachen: Zu viel Wasser verdirbt „fünfte Jahreszeit“ in Kornelimünster

Aachen : Zu viel Wasser verdirbt „fünfte Jahreszeit“ in Kornelimünster

Manch Kornelimünsteraner nennt es die „fünfte Jahreszeit“, wenn Riesenrad und Karussell gleich neben der alten Propsteikirche inmitten des sonst so verträumten Ortskerns aufgebaut werden. Mit dem „Historischen Jahrmarkt“ kommt alljährlich auch der Ausnahmezustand nach Kornelimünster.

Dort, wo sonst freie Parkplatzwahl herrscht, steht Stoßstange an Stoßstange, und die Busse sind teilweise so rappelvoll, dass zusätzliche Linien verkehren müssen. Innerhalb von fünf Tagen wuselten so viele Besucher durch das nostalgische Städtchen wie vermutlich im gesamten restlichen Jahr nicht.

Hingucker für die Füße: Swen Etz verkauft bunte Schuhe und anderes fair gehandelte Kunsthandwerk aus Kolumbien. Foto: Andreas Herrmann

Bei der 43. Ausgabe des Jahrmarkts war die „fünfte Jahreszeit“ ungewöhnlich wechselhaft: Immer wieder zeigte sich die Sonne vor blauem Himmel, mal tröpfelte es und mal gingen die Buden unter prasselndem Regen baden. Zum Leidwesen der über hundert Verkäufer, die am Mittwoch und Freitag etwas in die Röhre schauten. „Am Freitag habe ich bloß zwei Stündchen aufgemacht“, erzählte Ulf Czellnik, Händler von historischen Zeitschriften. Die Erklärung liegt nahe: „Regen ist der Tod für meine Ware.“ Ob das Weltmeister-Exemplar der „Aachener Nachrichten“ aus dem Jahre 1974 verkauft wurde? Für 25 Euro ist es am Sonntag weggegangen. Ansonsten wurden vor allem alte Spiegel-Ausgaben gekauft.

Mit musikalischer Begleitung: Wenn die Gänse durch das Getümmel watscheln, teilt sich die Menge. Foto: Andreas Herrmann

Regenschirme kommen zu spät

Doch nicht nur der Zeitschriftenverkäufer litt unter dem unberechenbaren Wetter. Auch Nico Drechsler klang nicht wirklich zufrieden. Es gebe eine ungewöhnlich geringe Kaufbereitschaft, schildert er. Und das, obwohl sein Stand meterweit auf sich aufmerksam machte — per Geruchssinn. Denn Drechsler verkaufte auffällig riechenden Bergkäse von der Alm.

Vielleicht haben ja wenigstens die Regenschirm-Stände davon profitiert, könnte man schlussfolgern. „Duftzeug“ zum Beispiel, ein Stand, der neben zahlreichen Düften auch Schirme mit Tiermotiven im Sortiment hatte. Doch auch hier überwiegt Enttäuschung. „Die Regenschirme sind erst Samstag angekommen“, beichtete die dort arbeitende Lilli Schulze — also ausgerechnet nach den Regentagen.

Dennoch: Am Samstag und Sonntag setzte dann endlich der von den Händlern so ersehnte Besucherandrang ein. Leider aber auch am vielbefahrenen Steinkaulplatz. Dort sorgte ein kurzzeitiger Ausfall der Ampel laut Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen für Verwirrung. Auf dem Markt selbst bildeten sich große Warteschlangen und riesige Menschenmassen. Nur wenn ein Pfeifen und Trommeln durch die Menge dröhnte, entstanden kleinere Lücken.

Moderne Exoten

Denn dann watschelte schon bald eine Reihe Gänse durch das Getümmel. Vorbei am französischen Flohzirkus-Direktor Gilbert, vorbei an Fressbuden und Getränkeständen. Und vorbei an der wohl untypischsten Bude des Historischen Jahrmarkts: einem Anbieter von hochwertigen Musikboxen. „Es ist ein Heimspiel für uns. Wir sind Kornelimünsteraner“, sagt Inhaber Bernd Vroemen, der bereits zum achten Mal mit seinen Anlagen für Aufmerksamkeit sorgte.

Er war aber nicht der einzige „Exot“ in diesem Jahr. Auch Swen Etz fiel mit „Barachalá“ auf — ein Geschäft für fair gehandeltes Kunsthandwerk aus Kolumbien. Besonders die bunten Schuhe kommen gut an, erzählt er. „Sie sind ein Hingucker.“ Zwanzig Stück habe er schon verkauft. Sowohl Sandalen, Halbschuhe als auch Stiefeletten.

Eben für jede Jahreszeit etwas: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und den fünftägigen Historischen Jahrmarkt.