Haaren: Zirkusvorstellung macht Abschied noch schwerer

Haaren: Zirkusvorstellung macht Abschied noch schwerer

Diesen Zirkus wird Norbert Quadflieg sicher vermissen. Nach 42 Jahren Schuldienst und 39 Jahren Lehr- und Leitungstätigkeit an der Gemeinschaftsgrundschule Am Haarbach hat der Schulleiter nun die offizielle Ruhestandsurkunde von Schulamtsdirektorin Ulla Roder in Empfang genommen — und wurde von „seinen“ Kindern gebührend mit einer perfekten Zirkusshow verabschiedet.

Einmal durfte Quadflieg noch den Frack des Zirkusdirektors überstreifen, um Gesang, Tanz, Raubtierdressur, Clownerie, Akrobatik und Jonglage von einem Direktorenthron zu beobachten. Da wurde ihm von den 250 Schülern der Haarener Grundschule eine Menge geboten.

Rührung in der Stimme

Schon die Erstklässler — gerade einmal ein paar Wochen in der Schule und noch mit Ankommen beschäftigt — holten ihn in den „Zirkus auf dem Schlossplatz“. Tausendfüßler-Tanz, Mäusezirkus, Seifenblasenbläser, Pariser Schildkrötenballett, Buchstabenakrobaten — der Zirkus Kunterbunt bereitete dem bekennenden Zirkusfan Quadflieg einen Abschied, der ihm am Ende die Rührung in die Stimme holte.

Quadflieg war 1972 als Lehramtsanwärter in der Haarener Schule — damals noch in der Tonbrennerstraße beheimatet — in seine Berufstätigkeit gestartet. Danach wechselte er für zwei Jahre an die Grundschule in der Luisenstraße, „um schon bald einen Versetzungsantrag zu stellen“, wie er zugab.

„Sogar Ehen gekittet“

Die Kinder waren nicht der Grund, „denn die waren ihm immer das Wichtigste, eine Herzensangelegenheit“, sagte Schulamtsdirektorin Roder. 1975 kehrte er nach Haaren zurück, wurde 1992 Konrektor, 1995 kommissarisch und schließlich 1997 offiziell Schulleiter. In dieser Zeit „hat er sogar Ehen gekittet“, berichtete seine Nachfolgerin Monika Hendrichs bei der Abschiedsfeier.

Für die Elternschaft fasste Wolfgang Hinzmann die Spuren, die Quadflieg in der Schule hinterlässt, so zusammen: „Sie haben der Schule Leichtigkeit gegeben. Die Kinder können hier zeigen, was sie ausmacht. Sie können lernen und wachsen. Aber vor allem werden sie hier so angenommen, wie sie sind.“

Der „Grundschullehrer mit Leib und Seele“ ist nun im Ruhestand, aber der Pensionär wird wohl auch weiterhin gelegentlich an der Schule am Haarbach anzutreffen sein. Denn neben Singen und Tanzen verbringt der Vater von zwei erwachsenen Töchtern — die ebenfalls Lehrerinnen geworden sind — seine Zeit gern auch mit ehrenamtlichen Aufgaben. Da findet er in der Grundschule am Haarbach sicher Aufnahme.

Zirkusartiger Trubel ist ihm damit auch weiterhin garantiert.

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