Aachen: Zerbröselter Bimsstein eine Gefahr für St. Josef

Aachen: Zerbröselter Bimsstein eine Gefahr für St. Josef

Das Schiff ins Jenseits ist im Lager, das Rinnsal vom Quellstein zum Taufbecken fließt zurzeit nicht mehr: Die Grabeskirche St. Josef wird saniert. Denn die Ostviertelkirche leidet unter den Folgen einer verheerenden Bombennacht und dem Schnell-schnell des Wiederaufbaus.

Am 28. Mai 1944 fiel das Dach von St. Josef den Bomben zum Opfer, Granatbeschuss in den nächsten Kriegsmonaten tat sein Übriges. Etwa vier Jahre stand das 1893 erbaute Gotteshaus unbehütet da, strengen Wintern (1945) und heißen Sommern (1947) trotzend, Regen, Schneefall und Sturm ungeschützt ausgesetzt. Dann rückten die Bauarbeiter an. Das war noch vor der Währungsreform, Aachen lag in Trümmern, da war keine Zeit zum Nachdenken oder dafür, irgendwelche Denkmalschutz-Finessen zu überlegen.

Die Gewölbe aus Bimsstein wurden kurzerhand mit einer Zementschicht überzogen, ehe das Dach darüber aufgebaut und gedeckt werden konnte. Das hatte Folgen. Weil der Zement schwer auf den leichten Bimsstein drückte, der sich bereits mit Wasser vollgesogen hatte, und weil in der Folgezeit beim winterlichen Heizen die Hitze nach oben zog, wurde der Bimsstein mit der Zeit immer poröser.

Nur, keiner merkte das. Auch nicht, als nach der Entwidmung der Pfarrkirche am 19. März 2005 die vielbeachtete Grabeskirche entstand. Zurzeit ist Platz für 1400 Urnen, das reicht aber bei weitem nicht. Als im vergangenen Jahr weitere Stelen für weitere 800 Urnen eingebaut werden sollten und dabei ein dickes Stück Deckenputz auf den Boden krachte, wurden sich die Verantwortlichen der Gefahr bewusst.

Das Architekturbüro Hahn-Helten und Thiemann wurde mit der fälligen Sanierung beauftragt, die Architektin Barbara Probst führt die Bauaufsicht. „Etwa sieben Mitarbeiter einer Kölner Baufirma arbeiten zurzeit im Dachstuhl”, sagt sie.

Per Außenaufzug werden die Bauarbeiter an ihren Arbeitsplatz gebracht. Über den Gewölben sind Gerüste, Stege, enge Holztreppen angebracht, für Unkundige ist das ein regelrechtes Labyrinth. Ein Hämmern und Kratzen ist zu hören, hin und wieder auch Staubsaugergeräusche. Die Bimssteinkuppeln werden gesäubert, der Zement wird zertrümmert und abgesaugt, der teilweise zerbröselte Bimsstein ersetzt.

Fertige Stellen werden mit einer Lösung getränkt, danach erhalten sie eine Schutzschicht aus Kalksteinmörtel. „Der ist genau so leicht wie Bimsstein ”, erklärt Barbara Probst. Die Flüssigkeit mache den Bimsstein elastisch. Barbara Probst schätzt, dass die Bauarbeiten bis Ende nächsten Jahres dauern werden.

Die Sanierung ist für die Pfarre St. Josef und Fronleichnam, die die Grabeskirche in eigener Verantwortung betreibt, ein teurer Spaß. 1,6 Millionen Euro kann der Sprengel nicht so ohne weiteres aufbringen. Zwar springen die Bundesrepublik Deutschland mit 800000 Euro und das Bistum mit 200000 Euro ein, das Land NRW legt 250000 Euro obendrauf, die restlichen 350000 Euro sind jedoch auch nicht von Pappe für eine arme Ostviertelgemeinde.

Also versuchen der Kirchenvorstand und Grabeskirchen-Geschäftsführerin Edith Bircken, möglichst viel Geld durch Spenden einzuholen. „Für jede Spende ab 200 Euro verschenken wir einen Eisenanker aus dem Dachstuhl”, sagt sie. Denn die Anker werden nicht mehr gebraucht, sind aber eine schöne Erinnerung für den Spender.

Eine steuerabzugsfähige Spendenquittung kann ausgestellt werden. Spendenkonto 1000615125, Pax-Bank, BLZ 37060193.