Aachen: Zehn Grundschulen müssen Kinder ablehnen

Aachen: Zehn Grundschulen müssen Kinder ablehnen

Für Eltern ist das eine spannende Frage: Kann mein Kind die gewünschte Grundschule besuchen? Die Anmeldezahlen fürs Schuljahr 2011/12 liegen nun vor. Und wie es derzeit aussieht, werden die allermeisten Familien den erhofften Platz ergattern. Allerdings können wohl nicht alle Wünsche erfüllt werden.

„Zehn Grundschulen haben Anmeldeüberhänge. Sie werden wohl Ablehnungen aussprechen müssen”, erklärte Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Gemeinsam mit Schulrätin Ulla Roder erläuterte sie am Freitag das Zahlenwerk. Zu viele Anmeldungen haben danach die Grundschulen Am Höfling, Auf der Hörn, Birkstraße, Karl-Kuck-Straße, Laurensberg, KGS Mataréstraße, Michaelsbergstraße, Montessori-Grundschule Eilendorf, Vaalserquartier und Walheim. Allerdings dürfte sich bei den Anmeldezahlen auch noch einiges bewegen: Mehr als 200 Kinder sind zum Beispiel noch gar nicht angemeldet.

Nach den Daten der Stadt werden im nächsten Schuljahr 2286 Kinder schulpflichtig, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Seit die Schulbezirksgrenzen aufgehoben sind, können Eltern - im Prinzip - die Grundschule für ihr Kind frei wählen. Gut ein Viertel der Eltern entscheidet sich seitdem nicht für die nächstgelegene Schule. Die Stadt als Schulträger wiederum steuert die Schülerströme über die Zügigkeit: Sie legt die Zahl der Klassen pro Jahrgang und damit die Kapazität fest.

Nach dem Schulgesetz hat jedes Kind einen Anspruch auf Aufnahme in der nächstgelegenen Schule, „allerdings nur im Rahmen der Kapazitäten”, betont Elke Münich ausdrücklich. In Aachen führt das zum Beispiel dazu, dass die Grundschulen Birkstraße (Eilendorf) und Walheim sogar Kinder ablehnen müssen, die im Einzugsgebiet der Schule wohnen.

Die GGS Walheim beantragt deshalb, eine dritte Eingangsklasse einzurichten. Immerhin wohnen 65 der 69 angemeldeten Kinder in der unmittelbaren Umgebung. Auch die zweizügige Karl-Kuck-Schule in Brand möchte drei erste Klassen aufnehmen. Dort sind 62 Kinder angemeldet, allerdings kommen nur 26 aus dem direkten Einzugsgebiet.

Die Verwaltung werde der Politik jedoch empfehlen, keine zusätzlichen Klassen zu genehmigen, erklärte Elke Münich. Sie ist damit auf einer Linie mit Schulrätin Ulla Roder, die alle Grundschulen mit Lehrkräften versorgen muss.

Die Lehrerzuteilung, so erklärte Roder, orientiert sich am Klassenfrequenzrichtwert: „Für 24 Kinder bekomme ich einen Lehrer.” Bei vielen kleinen Klassen gerate die Rechnung aus dem Gleichgewicht. Zum Beispiel an der KGS Am Fischmarkt mit 37 Anmeldungen: „Hier brauche ich für zwei Miniklassen zwei Lehrer”, so Roder. Ebenso strapaziert würde die Lehrerdecke, wenn an sehr gefragten Schulen - siehe Walheim - zusätzliche Klassen aufmachten.

Fünf Kinder zu viel

Ohnehin sind zusätzliche Klassen per Verfügung strikt geregelt. Zwar darf keine Klasse mehr als 30 Kinder haben. Aber erst ab 36 Anmeldungen darf eine Schule eine weitere Klasse eröffnen. „Die Schulleitung muss also fünf Kinder ablehnen”, erläutert Roder.

An der KGS Auf der Hörn ist das so. Dort sind bisher 35 Kinder angemeldet. Und obwohl die Schule grundsätzlich zweizügig ist, müssen fünf Kinder abgelehnt werden.

Die Grundschule Horbach dagegen erreicht bisher mit 14 Anmeldungen nicht einmal die geforderte Mindestschülerzahl von 18 Kindern. „Um Horbach mache ich mir große Sorgen”, gesteht Roder. Allerdings werde die Grundschule Laurensberg (bisher 103 Anmeldungen) etliche Kinder abweisen müssen. Wanderbewegungen seien also denkbar. Für die nächsten Jahre erwartet Roder nach den Prognosen wieder steigende Schülerzahlen in Horbach.

Aufwärts geht es schon jetzt mit einem anderen „Sorgenkind”, der kleinen Grundschule in Bildchen. Hier sind 22 Kinder angemeldet. „Bildchen macht sich ausgesprochen gut”, so Roder.

Grundsätzlich gilt aus Sicht der Schulrätin weiterhin: „Nach dem Schulgesetz soll zwar jede Schule mindestens zweizügig sein. Aber stabile einzügige Systeme dürfen weiter bestehen.” Mit nur einer Eingangsklasse wird im nächsten Schuljahr wohl auch die evangelische Annaschule arbeiten. Die eigentlich dreizügige Schule verzeichnet 24 Anmeldungen.

Für fünf Jahre gesichert

Die Grundschule Kronenberg taucht in der Liste der Grundschulen nicht mehr auf. Die Politik hat die auslaufende Schließung ab 2011/12 beschlossen und erhofft sich davon auch mehr Stabilität für die übrigen Schulen. „Nach dem jetzigen Kenntnisstand sind die Schulen für die nächsten fünf Jahre gesichert”, sagt Elke Münich. „Dennoch müssen wir die Situation sorgsam beobachten. Und gegebenenfalls müssen wir weitere Grundschulstandorte zur Disposition stellen.”

Denn da gibt es auch für die Schulrätin kein Vertun: Soweit man das heute voraussagen kann, sind mittelfristig weniger Schulkinder zu erwarten. „Wir sind noch längst nicht im Tal.” Am Donnerstag, 2. Dezember, beschäftigt sich der Schulausschuss mit den Zahlen (17 Uhr Verwaltungsgebäude Mozartstraße).