Aachen: Zahlen aus dem Ostviertel enttäuschen

Aachen: Zahlen aus dem Ostviertel enttäuschen

Im Sozialausschuss stellten jetzt Sozialamtschef Günter Schabram und der Autor des Werks, Gerrit Köster, den 160 Seiten umfassenden Sozialentwicklungsplan der Stadt Aachen vor, der Grundlage für die politischen Entscheidungen im Sozialbereich bis 2014 sein soll.

„Ich hätte mir wenigstens gewünscht, dass das Ostviertel rosa unterlegt wäre, statt knallrot”, zeigte sich CDU-Ratsfrau Ruth Willms enttäuscht. Wo doch so viel Geld in den vergangenen zehn Jahren in den Panneschopp und Rothe Erde geflossen sei.

In vielen Grafiken werden interessante Daten vermittelt. Wo beispielsweise leben die meisten Asiaten, wo die meisten Türken, wo sind die wohlhabenden Viertel, wo wohnen die Ärmsten der Armen?

„Armut ist erbbar”

Dem wohlgemeinten Lob für die große Arbeit, die sich die zu diesem Zweck eigens gegründete Arbeitsgruppe aus 13 städtischen Fachbereichen, den Wohlfahrtsverbänden und der Arge gemacht hatte, folgten etwas niedergeschlagene Überlegungen zum Thema Aufpäppelung bisher vernachlässigter Stadtteile.

Sozialdemokrat Boris Linden zeigte sich angesichts der Zahlen für Aachens Osten, der oberen Jülicher Straße, der Scheibenstraße mit der Eifelstraße und die Stadtteile Hörn und Preuswald überzeugt: „Armut ist erbbar. Wir müssen andere Wege gehen.” Auch Bürgermeisterin Hilde Scheidt schien ernüchtert zu sein. „Ein Hilfskonzept neben dem anderen anzubieten, ist nicht richtig. Das muss jetzt alles auf den Prüfstand.” Wenn die Beziehung zu Nachbarn klappe, sei das schon viel wert.

Die Sozialpolitiker mussten sich anhören, dass ideelles Engagement, also Ehrenamt, in den genannten Gebieten eher klein geschrieben würde, die Bereitschaft, bei Wahlen zuhause zu bleiben, jedoch sehr hoch.

Zudem prägten höhere Kriminalitätsraten und Bildungsferne die Quartiere. Trost kam jedoch vom neuen stellvertretenden sachkundigen Bürger Wilfried Reinhartz, der für die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft in der Städteregion im Gremium sitzt: „Verkennen Sie bitte nicht, dass sich die Lage im Aachener Osten schon verändert hat. Die Menschen sind nicht mehr so depressiv.”

Freitag, 13. November

Zunächst jedoch nahmen die Politiker eher allgemein die Vorstellung des Sozialentwicklungsplan zur Kenntnis. Denn bis November wird das Werk noch in allen Bezirksvertretungen und in vielen Ausschüssen beraten. Bis am Freitag dem 13. November in einer großen Sozialkonferenz alles nochmals eingehend diskutiert und die Weichen in die Zukunft gestellt werden sollen.

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